Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 26 (21.6.1847)
- Date
- 1847-06-21
- Page
- Seite 399 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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399 zurückkehren müsse, aus welcher das Unheil hervorgequollen. Joseph begab sich unter dem Vorwände, nach dem Wohlsein des verwundeten Mendel zu fragen, in des Letztem Haus. Er stellte sich der geliebten Rebekka vor, die er in Thränen fand. 7„O Joseph," redete sie ihn an, „welchen Wechsel findest Du hier eingetreten. Nicht daß mein Vater von der Höhe, auf den ich ihn stets verehrte, heruntergestiegen, nicht daß er bei allen Unsrigen so tief gesunken, daß unser Haus eine Oede geworden: aber mein Vater liegt an seinen körperlichen und geistigen Wunden hart danieder. Einige Tage schwebte er in Todesgefahr; denn die Aufregung seines Gemüthes verschlimmerte seine an sich gefahrlosen Verletzungen ungemein; sein Bewußtsein fehlte ihm, wilde Phantasi'een bemächtigten sich seines Geistes. Drei Tage und drei Nachte brachte er also zu. Ich wachte allein an seinem Lager, und, wenn er da mit lebhaftem Wort oft die gräßlichsten Erscheinungen vor meine Seele bannte-wie schrecklich litt ich. Bald füllte ein tobendes Rachegefühl seinen Geist, und er stieß die fürchterlichsten Drohungen gegen unsere Glaubensgenossen, gegen den Rabbi, selbst gegen Dich aus; bald stand er vor irgend einem hohen Herrn, und beschwor diesen, in der Ausführung verabredeter Pläne nicht nachzulassen. Dann aber kamen die Schauer der Reue über ihn; Wehmuth lag auf seinen Zügen, Zerknirschung zuckte ihm um den Mund, er warf sich unruhig hin und her, die Geister seines Vaters und meiner geliebten Mutter traten vor ihn hin, und schienen ihn mit Vorwürfen zu überhäufen, denen er Klagen, Bitten, Buße, Seufzer und schreckliches Gestöhn erwiderte. Da war aus der ganzen Stufenleiter der Gefühle keines, dem der leidende Greis nicht unterworfen war...." „Und wie befindet er sich jetzt?" fragte Joseph gespannt. „Das Fieber hat nachgelassen, er hat lange geschlummert, endlich ist er in außerordentlicher Schwäche und Niedergeschlagenheit erwacht, und liegt jetzt still und sinnend vor sich hin. Er ruft mich bisweilen mit großer Liebe zu sich hin, flüsterte mir zärtliche Worte zu, frug wiederholt nach Dir; auch über den Stand der Dinge in der Gemeinde erkundigt er sich ängstlich, bedrängt den Arzt, ihn wiederherzustellen, und zischelt mir dann in's Ohr: „Es soll anders werden!..." „Könnt' ich ihn sprechen, theure Rebekka?" „Ich sollt' es wot nicht dulden, Joseph; denn der Arzt hat jede Aufregung verboten... /' „Aber, Rebekka, es hängt so Vieles davon ab; es gilt unser Aller Wohl;!ich muß Aufschlüsse haben, von denen Alles bedingt ist... „So will ich ihn befragen und vorbereiten, denn gerade nach Dir verlangt er ja." (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1'/iNgr. (I gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Vakanz. Zum bevorstehenden Johannis oder Michaelis, spätestens ynumtt rn ist in unserer Gemeinde die Stelle eines Religionslehrer, Vorbeters, Schächters rc., welcher die Approbation unseres Landesrabbiners erhalten muß, mit einem fixen Jahrgehalt von 100 Thlr. Pr. Krt. nebst der sogenanten Schechita, freie Wohnung, Mittag- und Abendtisch, Heizung und Aufwartung, zu besetzen; hierauf Reflektirende, welche mit einem Heimathschein versehen sein müssen, wollen ihre Zeugnisse an uns franko einsenden. Plau in Mecklenburg, den 1. Juni 1847. Die Vorsteher der hiesigen israel. Gemeinde. N. Elkan. I. A. Cohn. S. Goldfchmidt. Konkurs. Die israelitische Gemeinde zu Rechnitz, eisenburger Komitat in Ungarn, hat die Errichtung einer Elementarschule auf Grundlage des österreichischen Schulplanes mit Hinzufügung jedoch des Bibelunterrichtes in der Ursprache und der ungarischen Sprache beschlossen. Diese Anstatt soll mit dem Beginne des nächsten Schuljahres in's Leben treten. Zu diesem Behufe wird von Seite des Vorstandes ein Konkurs für drei anzustellende, an einer k. k. Normalhauptschule geprüfte Lehrer nach folgenden Kategorien eröffnet. 1) Ein Oberlehrer mit einem Jahresgehalte von 450 Fl. M., dem die Leitung der ganzen Anstatt obliegen soll, hat dm Unterricht in den deutschen Fachern der obern Klasse und den Religionsunterricht in allen Klassen zu ertheilen. Derselbe hat sich nebst seinem Zeugnisse als befugter Hauptschullehrer auch über anderweitige wissenschaftliche Bildung, namentlich über Kenntniß der hebräischen Sprache und Bibel und über bisheriges moralisches Verhalten mit Zeugnissen auszuweisen. Zu bevorzugen für diese Stelle sind Rabbinatskandidaten. 2) Der zweite Lehrer mit einem Gehalte von 300 Fl. K. M. hat den Unterricht in den deutschen Lehrfächern der zweiten Klasse und in der ungarischen Sprache oder Schönschreiben für alle Klassen zu übernehmen.