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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-06-21 · Heft 26 (21.6.1847) · p. Seite 396

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 26 (21.6.1847)
Date
1847-06-21
Page
Seite 396 (sequence 12)
Language
German
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396 darüber walten; bei näherer Ansicht muß wot jeder gesunde Verstand dahin sich entscheiden, daß, nachdem die Bibel (3 B. M. 18, 16.) die Brudersfrau als eine rn'H erklärt und nur zu Gunsten der Leviratsehe aus oben erörtertem Grunde eine Ausnahme statuirt hat, nachdem ferner aber die Leviratsehe Grund und Zweck verloren und damit außer Pflicht getreten ist, diese biblisch gestattete und gebotene Ausnahme somit ihre Berechtigung eingebüßt hat, gegenwärtig die Frau selbst eines Linderlos verstorbenen Mannes für den Bruder desselben eine rrw bleibt und eine Ehe zwischen Beiden religionsgesetzlich durchaus für unstatthaft erklärt werden muß. Belletristisches. Der Rabbi und der Minister. Eine Novelle aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts. (Fortsetzung aus No. 7. 9. 11. 13. 15. 17. 18. 19. 21.) 9. Der französische Gesandte. Die Gefahr war auf's Höchste gestiegen. Die Deputation des Vorstandes war vom Minister hart abgewiesen und die leiseste Andeutung eines Geschenkes für eine gnädige Bemühung mit Hohn beantwortet Worten. Man erfuhr, daß sowol das Urtheil des Nabbi als das Verbannungsdekret der Juden zur Ausfertigung bereit lagen. Joseph hatte auf keine Weise wieder zu seinem Vater gelangen können, da der Gefangenwarter sich nicht wieder darauf einlassen wollte, und ebenso wenig konnte er sich mit seiner Schwester in Verbindung setzen, da, so oft er auch nach dem Garten in der Vorstadt, am Tage oder in der Dunkelheit sich begab, stets denselben wohl bewacht fand, so daß er nicht einmal in die Nahe sich wagen durfte. Eine Anzeige bei der Polizei, wußte er, konnte ihm hierin gegen den allmächtigen Minister Nichts helfen, um so mehr, da in solchem Falle derselbe das Mädchen auf's Leichteste wo anders hinbringen konnte — was vielleicht schon geschehen. Jetzt war es, wo sich eine wahrhafte Verzweiflung der Seele des Jünglings bemächtigte. Sich und die Seinigen dem Abgrunde immer näher eiten zu sehen, ohne das geringste Mittel zu haben, sie von dem Sturze zurückzuhalten — welche größere Folter könnte es geben! Mit dem Aufsteigen jedes Tages das Schlimmste zu erwarten, und mit dem Anbrechen jeder Nacht die übelste Ausgeburt derselben zu fürchten — das ist eine Pein, die jede Gewißheit des größten Mißgeschickes bei Weitem übertrifft, und die Seele langsam zermahlt, wo ein plötzliches Unglück sie nur zermalmt. Als Joseph so eines Tages in den bittersten Empfindungen durch die Straßen der Stadt ging, erblickte er im Vorüberrollen eine Karosse, deren Aussehn irgend eine angenehme Erinnerung in ihm zu wecken schien. Er sann nach, und auftauchte in seinem Gedachtniß sein eigenes Bild, als er als glücklicher Jüngling die Hügel vor seiner Vaterstadt hinunterstieg, um seine Lieben nach langer Abwesenheit zu begrüßen, und mit raschem Arm einen ergrimmten Stier von einem unschuldigen Kindlein und hülftosen Frauen abwandte und dem Stoße seiner Hörner sich preis gab. Waren es nicht die Gemahlin und das Kind des französischen Gesandten, denen er das Leben gerettet? Hatte dieser ihm nicht seine Dankbarkeit zugesi'chert? Seine edle Seele hatte jede Belohnung von sich gewiesen; er war selbst der Aufforderung des Gesandten, sich in seinem Hotel einzuft'nden, nicht gefolgt — denn die That schien ihm des Lohnes nicht werth, da sie sich einfach von selbst verstand. Aber jetzt? konnte der Gesandte nicht einige Hilfe leisten? War er dann nicht verpflichtet, den Seinigen und der Gemeinde schuldig, diese Hilfe aufzusuchen? Wußte er nicht aus der Geschichte seines Glaubens, wie oft die göttliche Vorsehung aus einem kleinen, dünnen Faden das Gewebe der Rettung gesponnen für das unglückliche, verfolgte Geschlecht?-Rasch faßte er den Entschluß, erkundigte sich nach der Lage des Hotels, und eilte dahin. Er hatte es glücklich getroffen, denn der Gesandte war zu Hause, und als ec seinen Namen genannt, und um eine Audienz gebeten, stand er bald vor der hohen Gestalt des französischen Gesandten. Freundlich trat ihm dieser entgegen, und sprach: „Kommen Sie endlich! Ich, wie meine Gemahlin verlangten langst nach dem entschlossenen Retter, um unsern Dank ihm abzustatten. Wir frugen öfters nach Ihnen, aber man konnte Sie nicht ausfindig machen/' „Hoher Herr!" erwiderte Joseph. „Wie konnte ich denken, daß Sie dem einfachen Vorgang ein Andenken widmen würden, das ec kaum verdient! Aber das Verhangniß treibet mich heute selbst dazu, und so demüthigend es für mich ist, muß ich doch eines höhern Zweckes wegen diese Erinnerung in Ihnen Hervorrufen, um Sie

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