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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-06-21 · Heft 26 (21.6.1847) · p. Seite 391

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 26 (21.6.1847)
Date
1847-06-21
Page
Seite 391 (sequence 7)
Language
German
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391 „kommt nun einmal nicht. Habt ihr schon gesehen, „wie sie an ihrem Versöhnungstage schreien und wei- „nen? Warum? weil sie in und mit sich zerfallen „sind, wo kein Versöhner ist, kann keine Versöhnung „stattsinden. Sie haben viele Kerzen brennen, weil „bei ihnen Dunkel und Finsterniß herrscht. Ja, sie „sind nur des Gesetzes Knechte, sie dürfen das Ei „nicht einmal genießen, das die Henne am Sabbat „gelegt. Zu jeder Zeit waren sie froh, wenn einfal- „scher Messias aufstand, um sich ihm in die Arme zu „werfen, ja selbst Cromwell fragten sie: bist du unser „verheißener Messias? Darum, m. F., müssen wir „uns der Verirrten erbarmen schon um unsertwillen. „Moses befahl ja auch den Kindern Israel, die frem- „den Völker zu vertreiben, weil sie ihnen schaden „würden. Also müßten wir ein Gleiches thun, aber „unser Evangelium predigt Duldung. Daher müssen „wir uns bestreben, sie zu bekehren, und gewiß, sie „sind nicht mehr so harthörig, so lässig, wahrlich, die „Zeit, achtzehnhundert Jahre, haben sie weich gemacht, „Gottlob es sind schon Viele übergetreten. Die Schuld, „warum bis jetzt noch nicht alle Juden bekehrt sind, „liegt theils an der katholischen Kirche, theils aber „auch darin, daß man bis jetzt zu wenig für die Be- „kehrung der Juden gethan." Und in diesem Tone sprach der Redner eine volle Stunde. Im Schlußgebet dachte er noch der Landstände mit ungesähr folgenden Worten: „Gott! wenn sie um Israels Eman- „zipation sprechen, so gieb du ihnen den Gedanken „ein: Ohne Jesu Christ keine Emanzipation!" Referent dieses ist Katholik, und ist aus einem katholischen Lande, wo der Judenhaß leider zwar auch nicht ganz verwischt ist, aber solche Predigten sind meines Wissens ganz verboten. Nun freilich wundert es mich nicht, warum Missionäre bei uns nicht geduldet werden. Polnifch-Lifsa, 6. Juni. Welche Sensation die Rede des Herrn v. Beckerath in der Sitzung der Drei-Stande-Kurie am 19. v. M. bei Gelegenheit der Dissidentenfrage auch unter den hiesigen jüdischen Einwohnern hervorgebracht, beweist der Umstand, daß in Folge dessen sofort an diesen gefeierten Deputaten eine mit circa 150 Unterschriften versehene Dankadresse im Namen der hiesigen Gemeinde abging. Unter den Unterschriften bemerkte man auch die mehrerer angesehener Männer christlichen Glaubens. Die Namen der Männer, die mit solcher Wärme für die Sache nicht der Juden, sondern der Menschheit öffentlich gesprochen, sind bereits bei uns populär geworden, und wir sehen mit Spannung, aber auch zugleich mit freudiger Hoffnung der Erörterung der Emanzipationsfrage entgegen. Aus der — übrigens von dem Abgeordneten der Ritterschaft Herrn von Potworowski aus Gola dem Redner überreichten Adresse erlauben wir uns einige Bruchstücke mitzutheilen: „Ein gottgesandter Engel waren Sie, hochgeehrter Herr! als Sie, sympathisirend mit vielen hochherzigen Mitgliedern der geehrten Versammlung am 19. Mai in der Sitzung der Kurie der drei Stände mit beredten Worten ungefähr 200,000 Menschen vertheidigten, welche kein anderer Vorwurf treffen kann, als daß aus dem Schooße ihres Glaubens das Christenthum entsprungen, als Sie, hochgeehrter Mann, für einen kleinen, und, wir sagen cs mit sicherm Selbstvertrauen, wol nicht den schlechtesten Thcil der Menschheit, die Rechte derselben in Anspruch nahmen." — „Unsere Feder ermangelt der Fähigkeit, für Ihre glänzende Bcredtsamkeit und Ihren hohen Edelsinn den gebührenden Dank im Namen unserer Gemeinde Ihnen darzubringen, und darum gestatten Sie uns die Versicherung, daß in unseren Herzen, wie in denen unserer spätesten Nachkommen das Andenken an unfern edeln Wohlthäter nimmer erlöschen wird, und in den Annalen der Geschichte neben den besten Männern aller Zeiten und Nationen steht für die Ewigkeit, dauerhafter denn in Erz gegraben, der Name des hohen und beredten Anwalts seiner Mitmenschen — von Beckerath." (Ztgs-H.) Berlin, 9. Juni. (A. Pr. Z.) In der Sitzung der drei Stände am 5. Juni fand folgende, sehr bemerkenswerihe Interpellation statt: Der Herr Abgeordnete vcn Gottberg wünscht das Wort in einer allgemeinen Angelegenheit zu haben. Abg. v. Gottberg: Der Herr Landtagsmarschall haben nach Beendigung der vorliegenden Debatte die Bcrathung über mehrere eingegangcne Petitionen angekündigt. Ehe die Gutachten über diese Petitionen uns zugegangen sind, ist das Gutachten einer königl. Proposition, die Verhältnisse der Juden betreffend, bereits in unseren Händen gewesen. Wenn ich gleich annehmen kann, daß den Herren Marschall und Landtagskommissar das Recht zustchen muß, zu bestimmen.

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