Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 26 (21.6.1847)
- Date
- 1847-06-21
- Page
- Seite 390 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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390 cfccnbe Geist" nolhwendig ist, so daß Juden dazu nicht gelangen können.; 3) sieht man in gewerblicher Hinsicht die Juden als zum Handel überwiegend geneigt an, trotzdem in 3) Jahren über die Halste der preußischen Juden sich davon abgewendet haben, in sittlicher Beziehung wollte man sie als zurücksiehend ansehen, cs fand sich aber, daß gerade das Umgekehrte den Zahlen nach siattsinde, in militärischer Hinsicht stellte sich das höchste Lob heraus; 4) in das Gemeinde-, Kultus- und Schulwesen soll der Grundsatz völliger Nichteinmischung gelten, so daß der Staat sich lediglich um die äußeren Existenzmittel der Gemeinden kümmert; in Beziehung auf die Schule sollen aber die Judenkinder bei den öffentlichen Schulen Betreffs der Befriedigung ihres Schulbedürfniffes den Christen nachstehen. Dies ist der Inhalt der ganzen Denkschrift und aller ihrer Beilagen. Wir scheiden von ihr, indem wir nur noch einige Worte über No. 1 uns gestatten. Sicherlich ist es ein geschickter Griff, die ganze Sache durch diesen Satz so auf die Spitze gestellt zu haben, so daß durch diese Fragestellung sicherlich viele Christen von gerechter Erwägung der Sache sich abhalten, und von dieser Ansicht befangen machen lasten. Man wird dann nicht erwägen, daß es nicht das Judenthum ist, welches mit obrigkeitlicher Autorität die Person betraut, sondern der Staat, und daß am Staate jeder einzelne Bürger denselben gar nicht zu verkürzenden Antheil hat; man wird zweitens nicht bedenken, daß es gar nicht die einzelne Person ist, die mit der obrigkeitlichen Autorität betraut wird, sondern daß sich in dieser nur der Staat selbst darstellt, an welchem wiederum gar nichts Persönliches, als welches hier das Glaubensbekenntniß erscheint, hastet; man wird endlich nicht beachten, daß, wenn es sich dabei einmal um Persönliches handeln soll, das Glaubensbekenntniß als eine äußerliche Normirung, welcher das Innere gar nicht zu entsprechen braucht, auch nicht die geringste Bürgschaft verleiht, da es auch unter den Christen treulose Personen geben wird, welche die obrigkeitliche Autorität mißbrauchen, wie es auch unter den Juden gewistenhafte Personen geben wird, die diese nur in treuester Sorgfalt ausüben werden. Vor diesen einfachen Sätzen erscheint jener erste Grundsatz der Denkschrift nur als ein „Gefühl", welches aus dem Selbstgefühl der Majorität hervorfließt, welches aber, insofern es Unrecht gebart, zu bekämpfen ist. Hoffen wir daher, daß jene Sätze früher oder später den Sieg auch in unserm Preußen erlangen werden. Zeitungsnachrichten. Preußen. Berlin, 2. Juni. (Privatmitth. Bon einem Katholiken aus Böhmen.) Sie erlauben mir, Ihnen Nachstehendes zu berichten. Die Bossische Zeitung vom 31. v. M. brachte als Inserat die Einladung zur kirchlichen Jahresfeier der Gesellschaft zur Beförderung des Christenthums unter den Juden auf den 1. Juni, und zwar mit dem Bemerken: Wer das Wohl Israels wünscht, der möge sich dazu einsinden. Ich, der ich dasWohl aller Menschen wünsche, also auch das der Israeliten, fand mich auch dazu ein, und zwar aufrichtig gestanden mehr aus Neugierde als aus letzterwähntem Grunde. Die Feier begann um drei Uhr, zu der sich ohngefähr 100 Mitglieder, worunter ein großer Theit Geistliche sich versammelt hatten, die im Zentrum des Schiffes saßen, und außerdem ein Publikum, das großentheils, ja fast nur aus Damen bestand. Nachdem nun Einer der Herren Geistlichen ein kurzes Norgebet sprach, worin er Gott dankte für die Gnade, die er der Gesellschaft bewiesen, daß sie während der 25jährigen Zeit ihres Bestehens keine kleine Zahl Proselyten geworben, bestieg ein Anderer die Kanzel. Die Art und Weise nun, mit welcher dieser Redner seine Predigt von der Kanzel herab zitirte, war von der Art, daß sie nur einen Jeden mit der größten Indignation erfassen konnte. „Der Jude sauge nur des Christen Blut, „der Jude sei nur für den Handel und Schacher, so „wie sie Christus vor der Kreuzigung verkauft, woll- „ten sie ihn nach dem Tode (Auferstehung) wieder „verkaufen u. dgl. m." Aber dies hätte mich nun nicht so sehr überrascht, Ben Akiba sagt ja: „Ist Alles schon da gewesen." Es wird noch so manches Urtheil über Israel gefällt werden, das es ertragen muß. Aber hören Sie, wie er die Armen in Schutz nimmt: „Wißt ihr aber, m. F., woran dies liegt, „daß sie nur an ihrem Mammon hangen? Weil sie „in ihrem Glauben zerfallen sind, weil sie sich in ihren „Hoffnungen getäuscht sehen. Unfern Messias will „das hartnäckige Volk nicht anerkennen, und der ihrige