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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-06-21 · Heft 26 (21.6.1847) · p. Seite 386

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 26 (21.6.1847)
Date
1847-06-21
Page
Seite 386 (sequence 2)
Language
German
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386 delnder Sluell, aus dem der Labetrunk Euch niemals fehle! — — Knüpfen doch die äußeren Umgebungen immer ihre Bezüge mit den Zuständen unserer Seele, mit dem an, was unserm Geiste inne wohnt und ihn zu bewegen pfleget. Schnell findet der Gedanke einen Anknüpfungspunkt, an den sich die Gewichte hangen, die den innern Mechanismus seines Jdeenkreises in lebendiger Bewegung erhalten. Dort starren die zerklüfteten Granitfelsen hinan; gewaltige Masten haben die Stürme hinabgeschleudert; viele noch stehen aus jähem Abfall und drohen, früher oder spater der Tiefe sich zu vermählen — aber der große, erhabene Gebirgsstock steht unverrückt da, und überdauert ohne Wanken die Zeiten und Stürme, und die verwitternde Gewalt der Atmosphäre verwittert ihn nicht, und die inneren Feuer der Erde schmelzen ihn nicht-fürwahr, wie solltest du, ragender Koloß, mich nicht erinnern an das granitene Israel, das seit vier Jahrtausenden mitten im Völkerdrange steht, und nicht wanket, das, so viele Stürme seine großen Glieder umrangen, doch noch auf seinem ewigen Grunde, dem Bekenntnis des Einigen, festhält, das, so viel von seinem Gestein, sei es als Blöcke, sei es als Gerolle, auch in die Tiefe schon rollte, dennoch unerschütterlich in seiner Lehre, in seiner Zuversicht, in seiner Bestimmung sich gipfelt!- Dort stürzet aus enger Schlucht, aus dem Busen der Erde der Fluß sich hervor; starre Klippen umgeben seine Wiege; er macht sich brausend Bahn; er hat das Gestein durchbrochen; gewaltig sprudelt und stürzt er; dann sammelt sich sein Gewässer in einem großen Becken, unergründlich ist seine Tiefe, ruhig die Oberfläche; nun fließt es weiter, aber seine Ruhe ist bald gestört, denn die Felsen rücken wieder nahe aneinander, als wollten sie ihm den Weg versperren; und die tückischen Berggeister haben zahllose Steine in sein Bett geschleudert; aber nimmer weicht er zurücke: bald staut ec sich, bald stürzt er nieder, bald drängt er sich durch; es wird ihm schwer, aber er vollbringt^; Schaum bedeckt ihn, jede seiner Wellen muß sich tausendmal brechen; aber er vereinigt sich wieder; bald wendet er hier, bald dort seine unwiderstehliche Gewalt an. So ringet der Fluß, und sieget. Weit, weit hin erstrecket sich sein Kampf; aber er ermattet nicht, er giebt ihn nicht aus, und sieget. Die Felsen weichen, die Berge nehmen ab, das Gerolle hört auf; siehe, schon nimmt ihn die weite Ebene auf, wo er in breitem Bett, von gesegneten Fluren, blumenreichen Auen, beweideten Angern, dichten Gebüschen begranzt, sanft seine Gewässer ergießet zum fernen Ziel. Aber noch das: durch den Kampf mit Fels und Berg ist sein Wasser so klar, seine Wette so gelautert und durchsichtig geworden; zahllose Wesen löschen ihren Durst aus ihm, und wandeln sehnsüchtig die Straße, die zu ihm führet.-Und sollte mich dies hehre Bild nicht an die Geschichte meines Glaubens, an das vergangene und gegenwärtige Leben meines Stammes erinnernd Wo wäre es treffender ausgeprägt, als in diesem Bilde? Aus der Felsenbucht der Vorzeit drang er hervor, an's Licht des Tages, in einem tiefen, stillen Kessel sammelte er sich; dann begann er seine Bahn und mit ihr seinen Kampf. O, die starren Klippen des Alterthums, o die harten Felsen des Mittelalters, die ihm entgegentraten, die tausend Blöcke und Steinmassen der Verdammnis, der Verfolgung auf ihn schleuderten, die ihm den Weg versperrten, beschrankten, und — die er Alle in schwerem Kampf, mit Wassersturz und Wellenbrandung überwand. Und ist der Kampf schon zu Ende? Wenn in Westen die Berge zu Hügeln werden, starren nicht in Osten steile Wände ihm entgegen? Nein, du bist noch nicht auf die Ebene hinaus, großer Strom Israels — aber du gelangest so sicher dahin, wie der große Gott des Weltalls sein Dach über dich wölbte und die Kraft dir verlieh, das Gestein zu durchbrechen; du gelangest dahin, und aller Segen wird dir werden, Segens zu verbreiten immer mehr, Dürstende zu tränken. Schmachtende zu erfrischen, und die Erde zu befeuchten- Doch hinweg mit dem Kampf aus meinem süßen Thale! Wandle lieber, mein Leser, mit mir hinaus, beim Glanz der scheidenden Abendsonne, in die reichen Kornfelder, wo die üppigen Saaten eine reiche Ernre verheißen. Viel Ncth und Entbehrung war jüngst über die Menschheit gekommen — man brach das Brod mit Thränen — aber hier ist der Trost, der Ersatz, eine schöne Zukunft. Wie die schlanken Halme steigen, und dann ihr Haupt schwer senken vor Segen! Du, in der Höhe, wirst Du auch unser Tagewerk also segnen? Wenn der Abend kommt, und dreLebenssonne zum Scheiden sich senket, und der schwere, mühevolle Tag ist vollbracht — Vater, wirst Du die Arbeit gesegnet sein lassen? Wird der ausgestreute Samen, in schwer gepflügte Furchen gelegt, aufgestiegen sein zu schlanken und reichen Aehren? O, werden Söhne und Enkel hie und da der Frucht sich noch freuen, die wir mit Sorgfalt gepflegt? Werden sie sich dann noch unser

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