Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 25 (14.6.1847)
- Date
- 1847-06-14
- Page
- Seite 382 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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382 andern Gemeinde gestellt, einen Mann, der mit einer Christin bürgerlich verheirathet ist, sieben Kinder von ihr hat und die Knaben beschneiden ließ, darin zu willfahren, daß man die ganze Familie ‘van sey. Da die Frau seit einer Reihe von Jahren ganz nach dem jüdischen Zeremoniell lebte und die Bitte ihres Mannes dringend unterstützte, so wurde dieser Akt von dem i'H ma vollzogen. Es liegt darin keine Aufmunterung für solche Falle, da mehrere christliche Mädchen, die mit Einwilligung ihrer Eltern ein Gleiches nachsuchten, um dann an Juden sich zu verheirathen, auf'S Entschiedenste zurückgewiesen wurden. Das Bes-Din beabsichtigt auch mit Hilfe der Gemeinden eine jüdische Bibliothek dahier zu gründen. Denn man findet hier von maiiam mbsi» fast gar Nichts vor, und bei den prekären Fragen, die hier Vorkommen, läßt es sich ohne dieselben schwer zurecht finden. — Die Herren DD. «Solomon und Kley hatten auch die Güte, etwas von ihren homiletischen und katechetischen Schriften hierher zu senden, um damit eine Bibliothek zu beginnen, aus der den Chasanim, die predigen müssen, ohne Prediger zu sein, die nöthigen Hilfsmittel zugesandt werden können. Wenn die Gemeinden nur nicht so jung wären, und daher alle Gemeindemittel aus andere nöthigere Bedürfnisse verwendet werden müßten, so ließe sich leicht eine besondere Kassa dazu gründen. Das Bes-Din wird versuchen, einen Verein dennoch zu Stande zu bringen, um beiden sehr dringenden Bedürfnissen abzuhelfen. Dr. Lilienthal. Literarische Nachrichten. 8. Juni. Die Entwickelung der religiösen Idee im Judenthume, Christenthume und Islam. In zwölf Vorlesungen über Geschichte und Inhalt des Judenthums dargestellt von Dr. Ludwig Philippson. Leipzig, Baumgartners Buchhandlung. (24 Ngr.) Diese Vorlesungen, von denen die ersten beim Beginn dieses Jahres in dieser Zeitung mitgetheilt worden, liegen nun vollständig dem Publikum vor. Das Vorwort sagt: „Die Frage beschäftigte mich: ob ich nicht Vieles, was nur kurz skizzirt werden konnte, weiter auszuführen, Vieles, was ausgesprochen, durch Anmerkungen naher dartegen müsse? Allein ich überzeugte mich bald, daß alsdann das Ganze zu sehr erweitert und an Umfang mehrmals verdoppelt werden würde. Dem Zwecke würde dies geschadet haben." Und: „Vorlesungen müssen eine jede ihr Thema abschließend behandeln, und bei ziemlich gleichem Raume daher oft den einen Gegenstand in gewagter Kürze, den andern in gewisser Breite besprechen. Aber die Gefälligkeit der Form und die Freude, die Ergebnisse vierjähriger Forschung einem gebildeten Publikum in gemessener, anpassender Weise vorzutragen, ersetzen diese Schwierigkeiten in reichem Maße." Endlich: „Mein besonderes Ziel und Bestreben ist: die Religion von dem idealen Standpunkt, auf den sie gestellt worden, dahin zu versetzen, wohin sie gehört — in's Leben. Die Religion hat der Gesellschaft den Rücken gekehrt, daß es nicht zu verwundern, wenn ihr, nach langer Geduld, die Gesellschaft ein Gleiches gethan. Die Getrennten müssen versöhnt werden. Die Religion muß begreifen, daß sie die Individuen nicht eher wahrhaft und segensreich beherrschen könne, als bis die Gesellschaft religiös geworden; und die Gesellschaft muß begreifen, daß sie nicht eher von ihrer bisherigen niedrigen Stufe sich erheben kann, als bis sie Prinzipien verwirklicht hat, welche die Religion langst ausgesprochen, aber durch ihre Entfernung von der Wirklichkeit, durch ihre Flucht in das überirdische Jenseits für das Leben verloren gehen ließ." Wenn demnach die vorliegende Schrift viel mehr die Resultate als die Forschung selbst darlegt, wenn der Vers, selbst sie nur als einen Vorläufer zu einem ausführlichen historisch-theologischen Werke betrachtet: so ist es doch auch gegenwärtig mehr in der Zeit, dem allgemeinen Publikum in den herrschenden Wirren einen Leiter und Führer aus der Geschichte heraus aufzustellen, und ihm zum klaren Bewußtsein über sich selbst, über Zweck, Inhalt und Grenzen der großen weltgeschichtlichen Erscheinungen zu verhelfen. Insofern ist über die betreffenden Religionen in dieser Schrift Vieles mit vollem Freimuthe ausgesprochen, was bis jetzt Viele gemeint, aber Niemand geradeaus zu sagen sich nicht gescheut hätte. Es ist zugleich der Anfang gemacht, die Geschichte des Judenthums von dem Standpunkte aus zu beleuchten, und zu entwickeln und nachzuweisen, der der gegenwärtigen Anschauung inne wohnt, ohne bis zu dem Grade von Klarheit und Erwiesenheit gebracht zu sein, welcher ihn nicht blos homiletisch supponirt, sondern auch historisch erwiesen macht. Daß der Inhalt des