Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 25 (14.6.1847)
- Date
- 1847-06-14
- Page
- Seite 381 (sequence 13)
- Language
- German
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381 Meister 1, Viehhändler 2, Wäschehändler I, Weber 3, Weinhändler 3, Wichserzeuger 4, Wollhändler 31, Wollzeugmachermeister 2, Wundärzte 15, Zahnärzte 6, Zündproduktenerzeuger 1, Zwirnhändler 4. Wenn man nur einen flüchtigen Blick auf dieses Berzeichniß wirst, so findet man, daß das Streben der Israeliten, dem Handwerksstande anzugehören, fast jetzt schon allgemein ist, und es durch das Streben zur Gründung eines allgemeinen israelitischen Handwcrksvereins gewiß recht bald gänzlich werden wird, und dies um so eher, da selbst von unserer weisen Landesregierung die mittelalterlichen Schranken des Zunftwesens nach und nach aufgehoben werden. Diesen mittelalterlichen Schranken, welche das Ausschlußsystem obenan gepredigt, ist es ganz allein zuzuschreiben, daß sich unter den prager Israeliten nicht ein einziger Bäckermeister, nicht ein einziger Drechslermeister befindet. Sicher ist es, daß in Prag ein israelitischer Bäckergeselle Jahre lang gehofft und gestrebt, und kein Mittel unversucht ließ, um als Meister sein Handwerk ausüben zu können, allein die Herzlosigkeit, der Dünkel und noch viele diesen ähnliche Untugenden, von welchen die christlichen Zunstgenosscn dieses Gewerbes noch bis auf den heutigen Tag in der Hauptstadt befangen sind, ließen jenen israelitischen Bäckergesellen nicht zu seinem erwünschten Ziele kommen, und er wurde, irre ich nicht, — Knopfhändler; ein Drechslcrgesclle war in einem ähnlichen Falle schwach genug, den Glauben seiner Väter seinem Handwerke zum Opfer zu bringen. Möge Gott die Augen und die Herzen derjenigen erleuchten, welche ihn zu diesem Schritte gezwungen, damit sich nicht die Zahl der Abtrünnigen vermehre, wodurch, genau betrachtet, weder Verlust auf der einen, noch Gewinn auf der andern Seite herausblickt. Noch muß erwähnt werden, daß sich kein Musiker vom Gewerbe (die Tonkünstler abgerechnet) in dem vorgeschickten Verzeichnisse befindet, was eben so auffällt, als daß sich nur ein einziger Gerber in Prag befindet. Die Zahl der Letzteren, welche das Handwerk ausüben, ist auf dem Lande verhältnißmäßig größer, eben so finden sich auch in Böhmen außerhalb der Hauptstadt viele israelitische Bäcker und Drechsler. Es sind also die Landbewohner duldsamer und weniger engherzig als die gebildeten Bewohner der Hauptstadt, es findet sich der Geist der Eintracht eher und auch liebsamer in den freien Räumen der offenen Städte und Weiler, als in den abgeschlossenen Mauern der Metropole, die sich doch sonst so gern den Landbewohnern als Muster aufstellt. Man könnte bei dergleichen bitter werden, und könnte dann mehr schaden als nützen; auch dürste die Zeit nicht mehr fern sein, wo der noch herrschende Religionshaß einer humanern Betrachtung der religiösen Differenzen weichen, und an die Stelle der durch Zunftsprivilegien bestehen sollenden Rechtsbeschränkung voller Rechtsgenuß und Gleichstellung mit den übrigen Meistern ftattfinden wird. In Oesterreich wurde schon viel des Guten gethan, ist noch viel des Guten zu hoffen, und Gott, der seine Treuen nicht verläßt, wird diese Hoffnungen gewiß recht bald erfüllen! M. T. Nordamerika. New-Uork, 14. Mai. (Privatmitth.) Die eine der hiesigen polnischen, oder preußisch-polnischen Gemeinden dahier hat Herrn Spiro, früher im Hannoverschen, als Ehasan angestellt; er hat alle vier Wochen einmal zu predigen. — In Philadelphia hat die deutsche Gemeinde Rodef-Schalom Herrn Kohn als Ehasan und Lehrer angcstellt; er hat auch regelmäßig dabei zu predigen. — In Hardford wird im Laufe dieses Sommers eine jüdische Gemeinde sich konstituiren, die, wenn Anfangs auch nur aus zehn Mitgliedern bestehend, sich doch sehr bald vermehren wird. — Die Gemeinde in Buffalo hat sich ein verschrieben, um ihren Gottesdienst einzurichten. — Die Gemeinde in Viksburg, hinter New-Orleans, hat sich auch einen Ehasan und Schächter verschrieben, und scheint in bedeutendem Zuwachse zu sein. Die Heirathen, die früher zwischen Juden und Christinnen eingegangcn wurden, machen jetzt, da die jüdische Bevölkerung immer zunimmt, sich sehr unangenehm fühlbar, und die Gemeinden greifen entweder zu dem Mittel, daß die Christinnen in den jüdischen Glauben ausgenommen werden, oder daß solchen Leuten alle Rechte als Gemeindeglicdcr versagt werden. Die portugiesische Gemeinde Schecrit Israel dahier, die zu den ältesten und angesehensten in der Union gehört, und in der Mehrere solcher Fälle vorgckommen, hat so eben den Beschluß gefaßt, jedem mit einer Christin verheirathetcn Sitzhaltcr den Sitz in der Synagoge und das Begräbnißrecht zu verweigern. An das Bcs-Din wurde die Bitte von einer