Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 25 (14.6.1847)
- Date
- 1847-06-14
- Page
- Seite 374 (sequence 6)
- Language
- German
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374 für die völlige Emanzipation der Juden kräftig zu verwenden. Die Versammlung hat nach längerer Berathung eine Adresse beschlossen, welche die preußischen Deputirten auffordert, sowol die Grundsätze der Freiheit im Allgemeinen zu verfechten, als ganz besonders der Juden sich anzunehmen. Aus Ihrem geschätzten Blatte habe ich erfahren, mit welchem Eifer Sie die Abstellung des Judeneides betreiben. Auch in Baden besteht noch ein Uebcrrest von dieser Schmach der alten Zeit, insofern nämlich die Eidesleistung, auf ausdrücklichen Antrag der Partei, in der Synagoge und in Anwesenheit von Minjan geschehen kann. Vor einigen Wochen wandte sich der geschästsleitende Ausschuß des Vereins für die Verbesserung jüdischer Zustände um gänzliche Abstellung dieses Eides more judaico, so wie um Abänderung der Eidesformel an das großh. Justizministerium, worauf ihm der folgende Bescheid ward: Karlsruhe, den 6. Mai 1847. Beschluß. „Das Hofgericht des Unterrheinkreises hat dem vr. Ladenburg in Mannheim zu eröffnen, daß man bei der durch Einführung der neuen Strafprozeßordnung etwa nöthig werdenden Revision der Eidesordnung auf die in obiger Vorstellung vorgetragenen Bedenken die geeignete Rücksicht nehmen werden. (gez.) Trefurt." Zum Schluß sei noch bemerkt, daß die auf den 10. d. M. anberaumte Generalversammlung des allgemeinen Landesvereins wegen der gegenwärtig herrschenden Noth auf das kommende Spätjahr vertagt worden ist. Altona, im Mai. Ueber den von unserm Hamburger Korrespondenten in No. 22. erwähnten Bürgerverein enthält die Köln. Ztg. Folgendes: In dem Bürgervereine zu Altona fand am 14. Mai eine Zusammenkunft statt, in welcher die Judenemanzipaiionsfrage vorgenommen wurde. Die Anhänger der Emanzipation hatten ihre Gegner eingeladen, in der Versammlung zu erscheinen und ihre Einwürfe vorzubringen; aber es war kein Gegner gekommen, und der Vorsatz, der nächsten holsteinischen Ständeversammlung eine Petition um bürgerliche und politische Gleichstellung der Juden mit den Christen einzureichen, reifte dem Beschluß entgegen. Darmstadt, 29. Mai. Heute berieth unsere II. Kammer die von einander abweichenden Beschlüsse der I. und II. Kammer im zweiten Titel des Personenrechts (dem Eherechte). Von allgemeinem Interesse war nur die Berathung des Art. 12, welcher die Ehe zwischen Christen und Nichtchristen betrifft, welche die Staatsregierung verboten, die II. Kammer erlaubt und die 1. Kammer verboten haben wollte. Bei der Abstimmung beschloß die II. Kammer mit 34 gegen 8 Stimmen, auf ihrem frühem Beschlüsse zu beharren. (Hess. Bl.) Hamburg, im Mai. (Privatmitth. Fortsetzung.) Die von vr. Baumeister, einem Richter am hiesigen Niedergericht, am 19. Mai in der „Gesellschaft für soziale und politische Interessen der Juden" gehaltene Rede theilen wir hier vollständig mit, und werden uns einige Schlußbemerkungen dazu erlauben. Sie lautete: „In den Mäßigkeitsverei'nen kommt es vor, daß einzelne Mitglieder ihre persönlichen Erfahrungen, die sie hinsichtlich der berauschenden Getränke gemacht haben, mittheilen, und den Weg beschreiben, auf welchem sie zu dem Entschlüsse gelangt sind, ihnen für immer zu entsagen. Der Werth solcher Mittheilungen besteht darin, daß sie die Hoffnung erwecken und stärken, der Grundsatz jenes Vereins werde auf dem Wege der eigenen Erfahrung, der Belehrung und des Beispieles zuletzt allgemeine Anerkennung finden. Auch unser Verein bekämpft ein gemeinschädliches Uebel: die religiöse Unduldsamkeit; auch er streitet gegen einen Feind, der die Geistesfreiheit in Fesseln schlägt, und der Sittlichkeit, dem Recht und der Menschenliebe sich widersetzt: gegen die Unterdrückung der Juden in bürgerlichen und sozialen Verhältnissen. Es sei mir daher erlaubt, von meinem persönlichen Entwickelungsgange über diese Frage auszugehen, nicht etwa um eine Geschichte zu erzählen, die für jeden Dritten gleichgiltig sein müßte, sondern um daraus einen Grund für die Hoffnung zu schöpfen, daß die uns am Herzen liegende Sache den Sieg erringen werde. Im südlichen Deutschland von orthodoren aber herzensguten Verwandten erzogen, kannte ich die Juden lange nur von Hörensagen, als eine Abart von Menschen, die dafür von Rechtswegen büßen müsse, daß unser Heiland am Kreuze gestorben. Das infame