Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 25 (14.6.1847)
- Date
- 1847-06-14
- Page
- Seite 373 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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373 zuraßt, in diesem berliner Gutachten empfohlen ist. Hingegen die Wünsche desselben auf Prüfung der Religionslehrec durch Kommissionen, auf Errichtung von Seminarien sind unberücksichtigt geblieben. — Dies sind die Dokumente, aus welchen die eigentliche Denkschrift hervorgegangen. Wir sahen also, daß Ln gewerblicher Beziehung die günstigen Resultate, welche die verflossenen 35 Jahre in Erwägung der frühern Stellung der Juden selbst nach den Tabellen hervorgebracht, nicht anerkannt, in sozialer Beziehung auf Grund irrthümlicher Berechnung ein unbegründetes Urtheil gefallt, in militärischer Beziehung das verdiente Lob den Juden gezollt, und in kultueller Beziehung anerkannt ward, daß man die jüdische Gemeinde ganz ohne gesetzliche Verfassung gelassen hat — so daß es wahrlich das höchste Lob für die Gemeinde und der schlagendste Beweis für ihre Lebenskraft ist, daß sie sich unter solchen Umständen ihre unverkürzte Existenz bewahrt und nicht aufgelöset hat. Wir kommen nun zur „Denkschrift" selbst. Sie beginnt mit einer skizzirten Darstellung dessen, was sich auf die Gesetzgebung seit 1750 bezieht. In unserm Bestreben, derselben Schritt vor Schritt zu folgen, müssen wir fragen, warum, da die ungünstigen Urtheile der Provinzialstände aus dem Jahre 1824 angeführt werden, dies nicht S. 5 auch mit den günstigen Anträgen derselben Instanz aus dem Jahre 1845 geschehen ist? Hierauf werden die allgemeinen Grundsätze erörtert. Ueber die bürgerlichen Verhältnisse der Juden ständen sich die entgegengesetztesten Ansichten gegenüber. Die preußische Gesetzgebung wolle mitten hindurch in gewerblicher Beziehung alle Hindernisse entfernen. Die Ehrenhaftigkeit vieler Juden sei anzuerkennen, aber es müsse beachtet werden, auf welcher Stufe sittlicher und religiöser Bildung noch immer ein erheblicher Theil der jüdischen Bevölkerung stehe. (Und ist dies bei der christlichen Bevölkerung nicht auch der Fall?) Den Juden verbleibe immer eine gewisse Nationalität durch ihre Religionsverschiedenheit (was geht die den Staat an? sind Katholizismus und Protestantismus nicht auch sehr große Religionsverschiedenheiten?) und durch eine Stammesverschiedenheit. Die Stammgenossenschaft ist den Juden nicht durch die Gesetzgebung aufgedrungen, (haben die Konzilien die Ehe zwischen Juden und Christen nicht immer wiederholt verboten? hat der preußische Staat dieses Verbot nicht immerfort aufrecht erhalten?) In Frankreich bestehe bei erkennbaren sozialen Fortschritten diese Trennung noch immer fort. (Nun, hat dies die Juden in Frankreich abgehalten, alle Pflichten gegen den Staat, gegen das gemeinsame Vaterland zu erfüllen und ausgezeichnete Staatsdiener zu werden? Setzt man diese Trennung in die Religionsverschiedenheit, nun, so wird sie immerfort andauern.) Nach dieser allgemeinen Erörterung wird zuerst die den Juden nunmehr zu gestattende Freizügigkeit, so wie die Aufhebung des französischen Dekrets von 1808 in den Nheinprovinzen (das jedoch in Frankreich schon 1818 erlosch,) begründet, ferner bei dem Mangel alles gesetzlichen Anhalts die Nothwendigkeit „Judenschaften" mit korporativen Rechten, so daß jeder Jude zu einer solchen gehören und beitragen muß, zu bilden ausgeführt. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Aus Baden, 19. Mai. (Privatmitth.) Seit einiger Zeit herrscht tiefe Stille über unsere Zustande; man hört Nichts von der Thätigkeit des neu organisirten Oberraths, Nichts von der nahe bevorstehenden Rabbinerversammlung zu Mannheim. Wer aus diesem Schweigen folgern wollte, daß das seit einigen Jahren in unsrer Mitte neu erwachte frische Leben schon in's Stocken gerathen und der alte Jndifferentismus wiederum eingezogen sei, der würde ungerecht und falsch uriheilen; unsere jüdischen Angelegenheiten gelangen nicht in die Oesstntlichkeit, weil es eben wenige Leute unter uns giebt, die sich berufen halten, dergleichen Berichte zu liefern, was allerdings nicht zu loben ist. Ich werde Ihnen in nächster Zeit einen ausführlichen Bericht über unsere Zustände zukommen lassen, der beweisen soll, daß fortwährend ein reges, rüstiges Leben und Treiben innerhalb unserer jüdischen Gemeinden sich kundgiebt und das mehr im Wachsen als Abnehmen begriffen ist. Vorläufig nur Einiges, was für Ihr Vaterland besonderes Interesse Hat. Gestern hatte, auf Anregung der Herren Grohe (Redakteur der Manh. Abdztg.) und I. Bassermann eine Versammlung der notabelsten Bürger Mannheims statt, um bei dem vereinigten preußischen Landtag sich