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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-06-07 · Heft 24 (7.6.1847) · p. Seite 366

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 24 (7.6.1847)
Date
1847-06-07
Page
Seite 366 (sequence 14)
Language
German
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366 nisation einer Gemeinde getroffen werden; und gewiß wird es im Laufe des Jahrzehends in den östlichen Staaten der Union keine große Stadt geben, in deren Mitte nicht eine jüdische Gemeinde blühen wird. Ich habe mir darum auch vorgenommen, von meinem Nächsten an Ihnen ausführliche Berichte über die Geschichte der jetzt bestehenden Gemeinden zuzusenden, die eine Vorarbeit für eine Geschichte der Juden in Nordamerika sein, und meinem gelehrten Freunde, Herrn vr. Jost, gewiß nicht unlieb sein werden, wenn ich in der Angabe der ersten Daten und ihrer Entwickelung etwas ausführlich sein werde. — Allein trotz dieser freudigen Aussichten habe ich auch in diesem Briefe wieder auf diejenigen zu kommen, die von drüben herüberzukommen wünschen. Ich werde mit so vielen Anfragen überhäuft, daß ich unmöglich auf alle Briefe antworten könnte. Es gilt für Lehrer, die Familie und Stelle in der alten Heimath haben, nach meinem Erachten die Regel, daß sie ihr Amt nicht aufgeben sollen. Denn bei der Jugend der Gemeinden gehört immerhin Glück dazu, eine Stelle als Chasan zu erhalten; und die Unkenntniß der englischen Sprache macht die Lehrer größtentheils unfähig, hier zu Lande dasselbe Amt zu bekleiden. Das Gleiche gilt für Rabbinatskandidatcn, von welchen ich mehrere Briefe erhielt; da die Gemeinden noch zu unbemittelt sind, um besondere Rabbinen anzustellen, so ist cs immerhin ein Gewagtes; und wenn es auch dem Einen oder Andern glücken möchte, so könnte ich positiv doch Niemandem zurathen. Dasselbe ist es mit Handwerkern, die Familien und ihre feste Existenz drüben haben; es steht dem Handwerker zwar, und besonders im Westen der Union, ein großes Feld offen; allein, wenn er Familie hat, so hat er dennoch immer Mittel mitzubringen, bis er das Nöthigste aus der englischen Sprache erlernt, sich einige Kenntniß des Landes und etwas Kundschaft errungen hat. Unverheirathete Leute, die den rechten Muth haben, auf das Härteste, blos am Anfänge gefaßt sind, und von deutschem Komfort und deutscher Sentimentalität nicht träumen — die sehe ich am Liebsten herüben. Denn diese bringen es gewiß zu Etwas; und haben sie erst Boden gefaßt, dann können sie ihre Lieben Alle Nachkommen lassen. Leben Sie wohl; und beten Sie für das Gedeihen Israels in Amerika mit Ihrem ergebensten Preuße«. Breslau, im Mai. Die schles. Ztg. enthielt vor Kurzem folgenden bemerkenswerthen Artikel: Es ist bemerkenswerth, daß in einem Zeitraum von neun Jahren, bei einer Konkurrenz fast der ganzen gelehrten Welt, zwei deutsche Gelehrte den Ehrenpreis der pariser Akademie der Wissenschaften sich erworben haben, welche Beide Söhne hiesiger Stadt, Beide Schüler der hiesigen medizinischen Fakultät und Beide Juden sind. Wenn diese Thatsache einerseits geeignet ist, der deutschen Wissenschaft überhaupt die längst erworbene Anerkennung bei dem etwas vornehm thuenden Frankreich zu erhalten, die breslauer medizinische Fakultät in Ruf zu bringen, so dürfte sie andererseits wol auch das Zeugniß geben, daß auch die Juden — und das ist bei der zeitigen Stellung derselben in Deutschland von Bedeutung — die Energie und Willenskraft besitzen, der Wissenschaft um ihrer selbst willen ein ganzes Leben zu weihen. Das Ausland hat das längst anerkannt, und es vorgezogen, anstatt dem Christenthum einen zweideutigen Zuwachs zu verschaffen, lieber der Wissenschaft einen sichern und anerkannten Förderer und Vertreter zu erwerben. So hat die Universität Bern den ersten Preisgekrönten, Herrn Valentin, zum Professor der medizinischen Fakultät berufen, unbekümmert darum, ob er mit oder ohne Taufzeugniß zu den großartigen Resultaten seiner physiologischen Untersuchungen gelangt sei. Der zweite, Herr vr. Pappen heim, Sohn des hiesigen jüdischen Stadtverordneten, Herrn M. Pappenheim, ist zur Zeit noch in Paris am physiologischen Institut angestellt, und wird sicher auch im Auslände einen seiner Tüchtigkeit angemessenen Wirkungskreis erlangen. Bedauerlich ist es aber, daß derartige Talente dem Vaterlande verloren gehen, daß die Beschränkungen und Hindernisse daheim manche Kraft zersplittern und manches Talent nicht aufkommen lassen; denn cs besitzt nicht Jeder den Muth, seine Jugendkräfte einem Beruf zu widmen, der nicht einmal die Aussicht auf eine erträgliche Zukunft eröffnet. Stettin, 23. Mai. Den mehrfachen Vereinen, welche sich hierorts zur Abhilfe der Noch unter den ärmeren Einwohnern gebildet haben, hat sich neuerdings die hiesige jüdische Gemeinde zugesellt. Dieselbe hat sich nämlich erboten, wöchentlich bis zur neuen Ernte vr. Lilienthal.

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