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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-06-07 · Heft 24 (7.6.1847) · p. Seite 367

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 24 (7.6.1847)
Date
1847-06-07
Page
Seite 367 (sequence 15)
Language
German
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367 an 500 Arme Brod für einen billigen Preis zu vertheilen, auch bereits mit der Vertheilung begonnen. Deutschland. Hamburg, im Mai. (Privatmitth.) Unsere Stadt, und speziell unsere jüdische Gemeinde, verlor in diesem Monat einen unserer ausgezeichnetsten Menschenfreunde, Herrn EduardMichaelis. Ein Mann aus der alten Humanitäts- und Aufklärungsschule kam er um 1806 hierher und ward 1813 durch seine aufopfernde Thätigkeit für die armen und kranken, wahrend der damaligen Belagerung aus der Stadt vertriebenen Hamburger bekannt. Alle unsere neueren Stiftungen, unsere Freischule, unser Armenkollegium, unser Vorschußinstitut, unser Handwerksbeförderungsverein zählen ihn theils unter ihren Stiftern, theils unter ihren Verwaltern. Von diesem im 76. Jahr verstorbenen Mann kann man sagen, er widmete ein Viertel seiner Zeit seinem Geschäft, ein Viertel fröhlichem geselligem Umgänge und die Hälfte den Werken der Humanität. Seine werthvolle Bibliothek hat er unserer Freischule, und mehreren Anstalten Geldlegate vermacht. In einer neulichen Versammlung des Sozialvereins hielt einer unserer bedeutendsten Juristen einen Vortrag: wie man von dem Gebrechen des Judenhasses kurirt werden kann, das hierunter mitgetheilt wird. In den hiesigen Lokalblättern dauert die Polemik über die Zulassung der Juden zu den zünftigen Handwerken fort: wahrlich keine kleine Schande für Hamburg, daß darüber noch gesprochen wird; denn von allen Dummheiten, die gegen Juden vorgebracht werden können, ist dies gewiß die dümmste und niedrigste. Die Lust, daran zum Ritter zu werden, hat schon eine Anzahl Federn in Bewegung gesetzt; indeß (Psalm 117, 7.): helfe mir Gott nur gegen meine Freunde, mit meinen Feinden will ich dann schon allein fertig werden. Durch ihren Beschluß in der Dissidentenfrage hat die Dreiständekurie den Makel der Intoleranz, dieses Kindes geistiger Feigheit, den einzelnen christlichen Konfessionen abgenommen, ihn aber auf der christlichen Gesammtreligion sitzen lassen. Ueberrascht hat es uns hier, daß in einer solchen Versammlung die Jdentisizirung der Juden mit dem Gelde als Macht, die Geringschätzung des Zutritts der Juden zu städtischen und schiedsrichterlichen Aemtern, die Furcht vor Heiden, Türken und Buddhisten und mehr dergleichen Gedankenkehricht vernommen worden sind. Uebrigens möchten wir wol fragen: wenn die Dreieinigkeit, die Erbsünde und die Herrschaft des Teufels, die Versöhnungslehre und der historische Christus aufhören die Unterscheidungsdogmen des Christenthums zu sein, was dann noch übrig bleibt, um dem Judenthum ein Zurück da! entgegen zu rufen. Sollte es wahr sein, was ein Historiker der vorigen Generation sagt: die Periode der Sarazenenkriege in Spanien sei die einzige gewesen, wo die Christen jedem Nichtchristen eine humane Anerkennung haben angedeihen lassen? Ein Unsinn, der überall wo Juden wohnen, mit Ausnahme von Hamburg, schon längst vergessen ist, war freilich der, ihnen die Handwerke zu verbieten und dabei vorzuwerfen, sie wollten keine Handarbeit ausüben; steckt denn aber mehr Logik darin, wenn man den Juden die Ehe mit den übrigen Bewohnern des Landes (den „älteren" Bewohnern kann man nicht überall sagen, denn in vielen Gegenden Deutschlands wohnten ja die Vorfahren der heutigen Juden viel früher, als die Vorfahren der heutigen Christen) verbietet, und ihnen dann vorwirft, sie wollten ewig ein abgesonderter Stamm bleiben? Wenn man erklärt, sich um ihre inneren Religionsangelegenheiten nicht bekümmern, nicht einmal aus der allgemeinen Landeskasse dazu steuern zu wollen, und dann den Einzelnen, der eine einzelne von ihm nicht anerkannte religiöse Satzung verletzen will, wider seinen Willen daran fesselt. Welch ein Proteus ist doch der Haß, der Glaubensdünkel, das Vorurtheil! Hoffentlich wird der Landtag sich bündig für die gemischten Ehen erklären (deren Zahl sich hier in letzter Zeit wieder um einige vermehrt hat); denn unmöglich kann er die Christlichkeit des einzelnen Christen auf seine eigene einfache Erklärung ankommen lassen, die Jüdischkeit des einzelnen Juden aber erst vom Rabbi attcstirt verlangen. (Fortsetzung folgt) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1'/4Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Ein unverheiratheter Israel. Lehrer und Kantor, der auch deutsche gottesdienstliche Vorträge zu halten sich

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