Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 24 (7.6.1847)
- Date
- 1847-06-07
- Page
- Seite 364 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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364 Zeitungsnachrichten. Nordamerika. New-Nork, 30. April. (Privatmitth.) Das Bes-Din, von dcm ich Ihnen früher berichtete, hat seine erste vierteljährige Sitzung gehabt und ich erlaube mir, Ihnen das Protokoll der Verhandlungen zu übersenden: Protokoll des Bes-Din von der Sitzung, gehalten am 2. Jjar 5607 in New-Pork. Anwesend: Chief-Rabbi Dr. Lilienthal, Rabbi Dr. Wise, Morenu Dr. Felsenheld. 1) Der Präsident, I)r. Lilienthal, cröffnete die «Sitzung mit einer kurzen Anrede, in der er auf die freie, hoffnungsvolle Entwickelung des Judenthums in den vereinigten Staaten hinwies, die zu berathenden Gegenstände kurz darlegtc, und die Ueberzeugung aussprach, daß das Bes-Din, wenn es ohne hierarchische Anmaßung, blos in kollegialer Berathung arbeite, den jungen jüdischen Gemeinden in Nordamerika gewiß immer mehr ersprießliche Dienste leisten werde. 2) Dann legte Rabbi Dr. Wise einen sp'ns'm für den Gottesdienst vor. Er war mit der Ausarbeitung eines solchen beauftragt worden, weil die tägliche Erfahrung lehrt, daß in den meisten Ortschaften die Gemeinden und die Kräfte sich darum theilen, daß jeder Immigrant einen besondern Minhag aus der Heimath mitbringt, und der Deutsche nicht dem Polen, dieser nicht dcm Engländer, und dieser nicht dem Portugiesen weichen will. Durch einen würde dieser Uebelstand, der die einträchtige Entwickelung der jungen Gemeinden hindert, beseitigt werden. Die Einleitung zum behandelt das Wort rchsn nach dem yi, nach den Grundsätzen der Wissenschaft und dem Bedürfnisse der Zeit, und zeigt schließlich, daß der neue Minhag auf diesen drei Pfeilern fußen müsse, um vollkommen zu entsprechen. Nachdem die Arbeit vorgelesen war, sprachen sich die übrigen Mitglieder dahin aus, daß sie die Arbeit bis zum nächsten Meeting prüfen, und da die Frage eine hochwichtige ist, erst dann ihre Meinung darüber abgeben werden. 3) Dann legte Dr. Lilienthal ein englisches Lesebuch für die israelitischen Schulen vor. Dasselbe enthält Erzählungen über die Hauptpunkte der israelitischen Religionslehre, so daß die Jugend, die dasselbe liest, zugleich Religionsunterricht dabei genießen kann, und keine Bücher in die Hand bekömmt, in denen christliche Religionsbegriffe mit eingeflochten sind. Dasselbe wurde den übrigen Mitgliedern zur Prüfung und Begutachtung bis zum nächsten Meeting übergeben. 4) Dann wurden die Briefe mehrerer europäischen Rabbinen in Betreff von vorgelegt. Die Mitglieder beschlossen, die Quellen darüber durchzugehen, und daß ein Jeder bei nächstem Meeting seine auf yn gestützte Arbeit vorlege. Die treffenden Arbeiten sollen dann den bedeutendsten Rabbinen in Europa mitgetheilt werden, um Mittel auszusinden, wie den vorhandenen Uebeln abgeholfen werden könne. 5) Dann wurden die Fragen vorgelcgt, die von amerikanischen Gemeinden eingelaufen und theilv durch briefliche Verständigung der Mitglieder des yn rv,a schon beantwortet waren, oder deren Beantwortung erst in der Sitzung bestimmt wurde. 6) Auf Antrag des Präsidenten wurde dann beschlossen, daß jedes Mitglied einen Artikel ausarbeiten solle, wie die Organisation der jungen jüdischen Gemeinden in den vereinigten Staaten am Besten bewerkstelligt werden könne. Obwol es zwar von vorneherein cinleuchtet, daß hiefür keine allgemeinen Regeln festzustellen sind, da die Umstände, unter denen die Gemeinden sich bilden, zu verschieden sind, so dürften allgemeine, gutgemeinte und zeitgemäße Rathschläge doch von Nutzen sein. Besonders soll der Unterricht der Jugend bei der Ausarbeitung auch berücksichtigt werden. 7) Schließlich wurde bestimmt, daß das nächste Meeting in Albanny stattsinden, und der Tag im Occulont bekannt gemacht werden soll. Da das rra ya seine Verhandlungen öffentlich hält, so kann Jeder, dem Israels Wohl am Herzen liegt, an den Berathungen Theil nehmen. Die Gemeinden werden besonders gebeten, daß sie ihre Fragen, wie bisher, an Dr. Lilienthal (Eklridge St. Ql1/*) einscnden wollen, der die erwünschten Antworten unverzüglich denselben zusenden wird. Eine Abschrift des Protokolls soll dem Rabbi Kohlmeyer in New-Orleans, Mitglied des Bes-Din, zugcfertigt werden. Dr. Lilienthal, Präsident. Rabbi Wise, Dr. Dr. Felsenheld.