Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 24 (7.6.1847)
- Date
- 1847-06-07
- Page
- Seite 354 (sequence 2)
- Language
- German
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354 hättnißmäßig großem Antheil haben, als der übrige Theit der Bevölkerung, habe ich Empfangen und aus dem Inhalt der Denkschrift entnommen, daß Ihre Anführungen zur Erklärung der anscheinend überwiegenden Betheiligung der Juden bei den vorgekommenen Verbrechen größtentheits mit den Ergebnissen übereinstimmen, welche die über diesenGegenstand durch die Justizbehörden angestellten Prüfungen geliefert haben. M ü h l e r. An die Herren Aeltesten und Vorsteher der hiesigen Judenschaft. Hatte man nun nach dieser offenen Erklärung und Desavouirung nicht meinen sollen, daß das ganze Memoire mit seinen Irrungen bei Seite gelegt werden muffe? Aber nein! die vorliegende Denkschrift druckt das ganze Memoire wieder ab, und bleibt bei denselben Folgerungen stehen! Die neueren Staatslehrer haben mit überwiegender Kraft nachgewiesen, daß aus den Kriminaltabellen gar kein Schluß auf die Sittlichkeit des Volkes gezogen werden kann; dieses Tabellenwesen zeigt z. B>, daß in Frankreich nach dem Bevölkerungsverhaltniß nicht */* so vieler Untersuchungen Vorkommen, als in Preußen; so tritt auch das Verhaltniß der katholischen zu den evangelischen Angeschuldigten hervor, indem nach denselben Tabellen bei den Evangelischen viel mehr Untersuchungen Vorkommen, als bei den Katholischen; der einfache Rechenverstand zeigt auch, daß je größer die Maffenzahl ist, desto günstiger muß das Verhaltniß sich Herausstellen, denn nehme ich eine Gesammtheit von 10 an, so macht ein darunter befindlicher Verbrecher schon das Zehntel des Ganzen aus, wahrend in einer Gesammtheit von 100, wenn sich 2 Verbrecher darunter befinden, erst ein Fünfzigstel des Ganzen hervorgeht; endlich kommt es nicht auf die Zahl der Untersuchungen, sondern auf die Natur des Verbrechens an. In Erwägung aller dieser Umstände kann jene Tabelle keinen Anspruch machen, die oben erwähnten Jnkriminationen zu erweisen, und wir sind zu der Annahme berechtigt, die in allen anderen Landern ausgesprochenen Ergebnisse, daß in der jüdischen Bevölkerung die Verbrechen weniger Vorkommen, auch für Preußen als richtig zu betrachten. Die Denkschrift stützt sich aber außerdem noch auf die Berichte der Regierungen über den sittlichen und Kulturzustand der Juden. Die Denkschrift giebt hier selbst zu, daß diese Berichte günstig sind. Aber während sie die günstigen Berichte sehr kurz und gedrängt giebt, bleibt sie große Quartseiten lang bei der Schilderung des Wuchers der Landjuden in einigen Strichen der Rheinprovinz mit den Bauern stehen, und geht hier auf die kleinsten Details ein, auf alle Praktiken und Kunstgriffe, die hier angewendet werden sollen. Auf einer halben Seite werden die günstigen Berichte der Regierungen zu Breslau, Oppeln, Frankfurt, Potsdam, Stettin, Gumbinnen, Stralsund notirt; die Urtheile derer zu Koblenz, Düsseldorf, Köln, Trier, die höchst vortheithaften der Regierungen zu Posen und Bromberg werden kurz skizzirt, aber fast 5 Quartseiten weitläufig der Verkehr der Landjuden nach den Berichten einiger Oberprokuratoren und Friedensrichter gezeichnet. Es versteht sich von selbst, daß die Gebrechen der Juden an's Licht gestellt werden müssen, aber welchen Eindruck auf den Leser es machen muß, neben den kürzesten Notizen über die Sittlichkeit, wachsende Bildung, den Gewerbsaufschwung, die Schulbildung rc. der Juden solche weitläufige Schilderungen des Wuchers in einigen Kreisen in einer allgemeinen Eharakterisirung zu lesen — kann man selbst einsehen. Dabei gestehen die Berichte selbst ein, daß dieser wucherische Verkehr nicht die Ursache, sondern die Folge des abnehmenden Wohlstandes der Bauern ist, und daß der Bauer seine einzige Hilfe nur beim Juden findet. Wie viele glücklichere Fälle mögen da noch Vorkommen, da die Juristen doch nur die ungünstigen vor sich bekommen! Kann eine unbefangene Prüfung sich daher mit der Eharakterisirung der Juden vom gewerblichen und sittlichen Standpunkt, so wie sie die Denkschrift heranbringt, durchaus nicht einverstanden erklären — wozu kommt, daß hier überall nur negative Momente erwogen, die positiven, wie Mäßigkeit, eheliche Treue, Famitienliebe rc. übergangen worden sind — so widerspricht dem geradezu der Bericht des Kriegsministeriums. Wir gelangen hier auf eine wahre Oase, und da dieser Bericht nur Lob, und nichts als Lob enthalt, fragt man sich, wie sollen diese als ohne Ehrgefühl, als schacherisch und wucherisch gezeichneten Juden so gute Soldaten liefern? Sammtliche Armeekorps haben über die Führung der jüdischen Soldaten sich in ausgezeichneter Weise ausgesprochen, und ihren Gehorsam, ihre Dienstwilligkeit, ihren guten, moralischen Lebenswandel hervorgehoben, ihre Pünktlichkeit bei den Landwehrübungen anerkannt. Ueber ihre Führung in den Freiheitskriegen wird gesagt: