Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 24 (7.6.1847)
- Date
- 1847-06-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XI. Jahrgang. Allgemeine No. 34. Zeitung des Zudcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Verlag von Dr. Ludwig Philippson, Baumgärtners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. Leipzig (Mit königl. sächsischer allergnädigster Konzession.) Leipzig, den 7. Juni 1847. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Tblr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22£ Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Die Denkschrift des königlich preußischen Ministeriums. (Fortsetzung.) — Die Verhandlungen des vereinigten Landtags zu Berlin über die Verhältnisse der Israeliten. — Kritik der Rede des Ministers Eichhorn in der Sitzung vom 19. Mai. Zeitungsnachrichten rNordamerika: New-Bork. Preußen: Breslau, Stettin. Deutschland: Hamburg. Leitende Artikel. Magdeburg, 28. Mai. Die Denkschrift des königlich preußischen Ministeriums. (Fortsetzung.) Der zweite Punkt, den die Denkschrift in Erwägung zieht, ist der sittliche Zustand der Juden. Hier basirt sich dieselbe auf ein Memoire des Justizministeriums vom Jahre 1841, welches aus Tabellen nachwies, daß eine viel größere Zahl der Untersuchungen auf die Juden siele, als nach Verhältniß sollte, so daß bei den Christen der 133ste, bei den Juden der 84ste ein Angeschuldigter war. Das Memoire des Justizministers zieht hieraus die ehrenrührigsten Anschuldigungen, indem es dieses Verhältniß entstehen sieht, sowol aus religiösen Gründen, indem diese ihre Neigung zum Schacher befördern sollen, als auch weit den Juden das Ehrgefühl in größerm Maße abgehe, und Mangel an Milde und Wohlthatigkeitssinn bei ihnen vorherrschend sei; Handel, Armuth, Wegfall der Schulbildung befördern die Juden darin. Man muß gestehen, es kann nichts Peinlicheres zu lesen sein, als dieses Memoire. Das Memoire gründet sich aber lediglich auf die armseligen Zahlentabellen, denn mit dem Wegfall des Ergebniffes dieser, fallen auch die Ursachen weg, aus denen der Minister dieses Mißverhaltniß erklären will. Und siche da, diese Zahlentabellen, nebst deren ganzem Ergebniß, zeigten sich als irrthüwlich. Die Aeltesten der berliner Judenschaft wiesen in einer Denkschrift nach, daß in diesen Tabellen zwei ganze Kategorien wegen Holzdiebstahls, so wie wegen Forst-, Jagd- und Hütungskontraventionen ausgelassen worden sind, so daß statt 77,786 die Summe von 240,233 Untersuchungen herauskommen, demnächst das Verhältniß der 1997 jüdischen Angeschuldigten ein ganz andres, nicht 39, sondern 120 ist, so daß gerade umgekehrt die Minderzahl der Untersuchungen bei Juden stattfanden. Außerdem deduzicte die Denkschrift der Aeltesten sehr triftige Entkraftigungsbeweise, so daß der Justizminister selbst folgende Antwort erließ: Berlin, 10. Juni 1842. Die von Ihnen unter dem 8. d. M. eingereichte Abschrift Ihres an den Herrn Minister der geistlichen, Unterrichts - und Medizinalangelegenheiten gerichteten Schreibens, nebst einer Denkschrift, betreffend die Behauptung, daß die Juden an den im preußischen Staate begangenen Verbrechen einen ver-