Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 23 (31.5.1847)
- Date
- 1847-05-31
- Page
- Seite 350 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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850 welchen die Verbesserung der sozialen Verhältnisse als eine wahre religiöse Reform theoretisch, und praktisch als Forderung an das jüdische Gemcindewesen dargestellt worden, sehr vielen Anklang und große Anerkennung gefunden haben — so wird ihr ein Auszug aus dem gedachten Aufsatz willkommen sein. Der Vers, spricht zunächst vom Elsaß; allein so viel ich weiß, finden ähnliche Verhältnisse auch in mehren europäischen Ländern, z. B. in der preußischen Rheinprovinz statt; von den Juden in den Dörfern; er sagt: „In der Mitte dieser vermögenden Minderzahl vegetirt eine Menge Unglücklicher, ohne Besitzthum, Stellung und Erziehung, welche einem undankbaren Trödel (ti-alle) die Mittel ihre Familien zu ernähren abgewinnen müssen. Kleine Zwischenhändler bei dem Handel der Reichen, sieht man sie, so wie ein Geschäft geschlossen werden soll, sich das traurige Glück, Kommissionär zu sein, bestreiten, allen Jahreszeiten trotzen, um Käufern und Verkäufern mühsam eine Kourtage abzubetteln, und so Beschäftigungen eine Anstrengung und Kräfte ohne Nutzen widmen, welche ihnen ein ehrenvolles Brod sichern könnten. Wir sind weit davon entfernt, die Nützlichkeit dieser Zwischenhändler in den ländlichen Geschäften zu verkennen, die da Verbindungen anknüpfen, die Interessen annähern, und dem Bauer es möglich machen, sein Gut im Preise steigen zu lassen und aus seinem Erbtheil Nutzen zu ziehen. Aber wenn Tausende sich diesem Geschäfte zuwenden, wenn eine ganze Bevölkerung ihre Kinder zu ihm, das kaum einige ernährt, erziehen, so fragen wir: was wird ihre Zukunft sein? Was soll in einer mehr oder weniger entfernten Zeit, in der Mitte einer wachsenden Konkurrenz, aus diesen zahlreichen Familien werden, die von Tag zu Tag leben, ohne feste Beschäftigung, ohne anderes Eristcnzmittel, als die fragliche Gelegenheit des Augenblicks? Wenn sie jetzt schon dem Mangel zur Beute sind, werden sie nicht spater vom Elend verzehrt werden?" — Der Vers, weiset alsdann den Vorwurf zurück, als ob er hiermit den Anklägern einen willkommenen Stoff böte — es habe sich so Vieles zum Guten bei uns geändert, daß man sich um die Ankläger nicht zu kümmern habe. Nur die von der einen Seite zum Vorschein kommende Sorglosigkeit und auf der andern die Selbstgenügsamkeit, die Zivilisation werde schon den Geschmack zur Arbeit einflößcn, die seien anzuklagen. „Um den Geschmack zur Arbeit unter den Landjuden zu verbreiten, muß man damit anfangen, ihre Kinder ihrer prekären Eristenz zu entziehen und ihnen ein nächstes Mittel, ehrenvoll ihren Bedürfnissen zu genügen, zu verschaffen. Schöne Reden machen auf sie keinen Eindruck, sondern das Gefühl eines wirklichen Wohlbehagens. Die eröffneten Industrieschulen sind lediglich für die Städter, aber sie üben keinen Einfluß auf das Land. Auf dem Lande kann der Handwerker nicht allein vom Handwerk leben, und da ist es, wo er daher oft wieder zu der elenden Industrie seiner Väter greift. Das wahrhafte Mittel, die soziale Stellung der Handelsbevölkerung auf dem Lande zu verbessern, ist — der Landbau. Gelelehrte Abhandlungen darüber zu schreiben, wie ursprünglich die israelitische Nation zu einem ackerbauenden Volke bestimmt war, ist unnöthig. „Stellen wir den Pflug auf den Boden, und legen wir die müssigen Hände der armen Jugend unsrer Dörfer daran; errichten wir, in der Mitte des Landvolkes, Pächtereien, und machen wir die jüdische Jugend darin ansässig; bilden wir einen ersten Kern von Bauern, aus der unermeßlichen Masse, die sich in der Armuth verzehrt, genommen, und das Beispiel wird die Nacheiferung derer wecken, welche noch nicht ihren überlieferten Gewohnheiten zu entsagen wagen." Korrespondenz. Alzey. Kritische Bemerkinigen zu dem Kommisstonöberichte über Chaliza in der dritten Versammlnng deutscher Rabbinen. (Protokolle S. 293—298. A. Z. d. Jud. vor. Jahrg. No. 45.) Von ör. S. Adler. (Fortsetzung.) Den letzten Beweis von einer umgewandelten Anschauungsweise findet endlich der K. B. darin, „daß man „die Berechtigung, welche die Bibel dem aus der Leviratsehe entsprungenen ältesten Sohne auf den Besitz des „Verstobenen zuschrieb,. demselben spater entzog, „und den Bruder, welcher die Leviratsehe vollzog, in den „vollständigen und dauernden Besitz des Erbes setzte,. „Jeb. 4, 7." Wenn man sich diese Worte so schlicht ansieht, sollte man meinen, es habe die Bibel über das hinterlassene Eigenthum des Verstorbenen eine deutliche