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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-05-31 · Heft 23 (31.5.1847) · p. Seite 349

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 23 (31.5.1847)
Date
1847-05-31
Page
Seite 349 (sequence 9)
Language
German
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349 Dringendste an's Herz zu legen, wie er, nunmehr zur Selbstständigkeit gelangt, nebst den übrigen Pflichten, die das Judcnthum ihm auferlege, hauptsächlich und vor Allem diejenige zu erfüllen habe, die ihn erst in den geistigen und religiösen Verband des Judenthums einführen, die ihm, nach den Vorschriften desselben, die religiöse Weihe geben soll, und die die Eltern an ihm zu erfüllen versäumt haben. — Wollen Sie also Ihren Sohn nicht blos als einen Nicht-Christen, sondern als einen Juden dem Namen und der That nach erziehen; so mögen Sie ihm denjenigen Akt der Weihe nicht vorenthalten, den das Judenthum als solchen festgesetzt. Es ist keine religiöse Gemeinschaft denkbar ohne Positives, und wo wäre Solches mehr an seinem Platze, als bei dem wichtigen Akte der faktischen Einführung eines jungen Weltbürgers in die konfessionelle Gemeinschaft desjenigen Neligionsverbandes, dem er vermöge seiner Geburt schon angehört. Mit der Aufhebung dieses ersten und wichtigsten positiven Aktes wäre das ganze positive Judenthum aufgehoben, was Sie ja selber nicht wollen, indem Sie wünschen, Ihr Sohn möge Jude bleiben. Auch giebt es keine Religion, die nicht von ihren Bekennern Opfer verlangt. Darum mögen Sie, wenn Sie unsrer Religion mit Geist und Herz, mit Leib und Seele angehören, ein solches Opfer bringen und diese, wie Sie wohl wissen, völlig gefahrlose und auch wenig schmerzhafte Operation an dem Sohne, mit welchem Sie der Herr erfreut, vornehmen lassen, um hierdurch nicht nur Ihre Anhänglichkeit an dem Judenthum zu bethätigen, sondern auch Ihren Sohn demselben zuzuführen. Möge das der einzige Schmerz sein, den er in diesem Leben empfindet. Bingen, den 11. Mai 1847. Dr. Sobernheim, Kreisrabbiner. Wiesbaden, 13. Mai. Die Abgeordnetenkammer hat zur Ausbildung jüdischer Religionslehrer (mit 16 gegen 3 Stimmen^ 500 Fl. jährlich verwilligt. München, 20. Mai. In Bezug auf die dem Vernehmen nach bevorstehende Revision des Edikts von 1813 über die Verhältnisse der Juden in Baiern hatte eine Deputation der Administration der israelitischen Gemeinde in München Audienzen bei den verschiedenen Ministern. (Man sieht, wie die Juden überall ihre Angelegenheit selbst in die Hände nehmen, und mit anerkennungswerthem Eifer sie fördern. Red.) —. Als ein Zeichen der großen Umwandlung, .die in Baiern stattgefunden, muß hervorgehoben werden, daß das Verbot, die Rabbinerversammlung zu besuchen, für die baierischen Rabbincn aufgehoben worden. Frankreich. Aus dem Elsaß, im Mai. (Privatmitth.) Abermals ist eine jüdische Monatsschrift erstanden, und hat ihr erstes Schifflein im Wonnemonat vom Stapel gelassen — I’Ami des Israelites, revue mensuelle, religieuse, morale et Iiterairc, par Jerome Aron. Sie erscheint zu Straßburg, welches nun Paris um gar Nichts zu beneiden hat; denn wenn Paris drei hat — les Arcliives, l’Univers isracl. und la Paix — so hat jetzt Straßburg zwei: I» Pure Verite und diesen Ami d. isr. Als was verkündigt sich nun dieser „Jsraelitenfreund"? Er meint, da bie Arcliives zu deistisch, der Univers zu Hyperorthodor sei, so wolle er sich in die Mitte setzen, und vor Allem — die Bildung von Rabbinersynoden anstreben. Ob er hiermit in Frankreich Glück machen wird, wollen wir dahin gestellt sein lassen. Was uns gleich im ersten Hefte sehr zuwider war, ist — dasselbe Gezänk und Geklatsch wieder zu finden, was fast alle jüdische Zeitschriften entstellt. Gleich das erste Heft beißt sich mit den Arcliives, die den Prospekt des Ami allerdings ziemlich gemein traktirt hatten, herum. Das gute Beispiel, welches die A. Z. d. Jud. giebt, will noch immer Nichts fruchten. Was glauben denn die Herren mit ihrem Gezänk zu nützen? Und wenn sie Nichts nützen, was wollen sie überhaupt? Es ist widrig über die Maßen, Schriften, die das „Religiöse" an der Spitze tragen, sofort in Schimpfereien verfallen zu sehen. Da wäre mir der alte verschrieene Pilpul lieber, denn der hatte doch mit der Sache zu thun, und wetzte den Scharfsinn. Jndeß enthält doch das erste Heft auch einen wackern Aufsatz, den wir nicht übersehen wollen. Nämlich „das Mittel, die soziale Lage der armen Israeliten auf dem Lande zu verbessern." Da die A. Z. d. Jud. in ihrem oft bewährten richtigen Takte dessen, was Noch thut, ihre Aufmerksamkeit von der gottesdienstlichen Reform zu den sozialen Verhältnissen auch wieder gewandt hat, da insbesondere die letzten leitenden Artikel, in 23*

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