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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-05-31 · Heft 23 (31.5.1847) · p. Seite 347

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 23 (31.5.1847)
Date
1847-05-31
Page
Seite 347 (sequence 7)
Language
German
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347 Majestät den allgeliebtenLandesvatcr Ferdinand I. wurde dieBolkshymne: „Segen Oesterreichs hohem Sohne!" mit solch tiefer Ergriffenheit gesungen, daß sich die allgemeine Rührung selbst in dem nunmehr ertönenden dreimaligen Vivat kund gab. Man sah Jung und Alt von dem bedeutungsvollen Augenblick ergriffen und so begann die Prüfung zuvörderst in der Religion, dann im Lesen, Anschauungsunterricht, Rechnen, in der deutschen Sprachlehre, Geographie, österreichischen Staatengeschichte und Deklamation, deutsch und böhmisch. Man war allgemein überrascht von den verständigen Antworten, welche eben so der Zöglinge Fleiß und Aufmerksamkeit, als der Lehrer rechtschaffene Bemühung und gute Methode darthaten; man konnte sich es nicht läugnen, daß hier sehr Vieles geleistet wurde, was man nicht erwartet hatte, und daß Probeschriften und Handarbeiten in gleichem Grade die gewonnene Bewunderung verdienten. Mit dem Absingen eines böhmischen Liedes wurde die Prüfung für diesen Tag beendet, worauf der Herr Rabbiner Frank noch in einer wohlgeordneten Rede die Schuljugend ermahnte und zum steten Eifer und Fleiß als die besten Beweise ihrer Dankbarkeit für alles ihr zu Theil gewordene Glück aufforderte. Ebenso an die anwesenden Eltern sich wendend, ermunterte er sie mit kräftigen Worten, durch Theilnahme und Unterstützung diese Anstalt zu erhalten und zu heben, und so sich der allerhöchsten Berücksichtigung Sr. k. Hoheit des Herrn Erzherzogs Stephan immer würdiger zu machen. Nach Verthcilung der Prämien statteten einige Zöglinge im Namen der Mitschüler der geehrten Versammlung für die Ehre ihrer Gegenwart ihren Dank ab, worauf die Gesellschaft höchst zufrieden mit den guten Fortschritten der Zöglinge, sich entfernte. Gewiß ward an diesem Tage manch edler Samen in das Herz der Kinder so wie mancher Eltern gestreut, der wol zu hundertfältiger Frucht reifen dürfte. Am 24. d. M. wurde zuvörderst die Prüfung aus den hebräischen Lehrgegenständen, als: dem Pentateuch, in mehreren Klassen, dem Buche Josua, dem Buche Samuel, den Psalmen in der Ursprache sammt Kommentar, wie auch aus der hebräischen Grammatik, theoretisch und praktisch vorgenommen, wobei die Schüler, den am vorigen Tage erworbenen Beifall noch fester begründeten, und in ihren Antworten nicht blos das Gedächtniß, sondern auch das Nachdenken bekundeten. Der Beschluß wurde mit mehreren, am ersten Tage rückständig gebliebenen deutschen Lehrgegcnständen gemacht. Man kann sich jedoch nicht verhehlen, daß hier Vieles noch zu wünschen übrig bleibt. In vier verschiedenen, freilich an einander hängenden Häusern, wo die Kinder, um aus einer Klasse in die andere zu kommen, immer hinab und hinauf steigen müssen, kann deshalb wol keine ganz strenge Uebersicht stattfinden, nichtsdestoweniger erstaunt man mit Recht über das, was geleistet wurde, und über den Geist, der dies Alles schuf und realisirte. Wahrlich, Herr Herrmann Martinowes, der Gründer dieser Anstalt, hat unter schweren Verhältnissen ein seltenes Werk vollbracht, welches als das erste seiner Art in Böhmen zur Ehre gereicht und beweist, was fester Wille, Charakter und Liebe zu der Jugend und der Menschheit vermag. Es war ein rührender Anblick, die Kinder von ihm Abschied, die Eltern ihm danken zu sehen, und dann nach Hause zu eilen, und das Osterfest zu halten; welcher Segen muß auf den Herrn Martinowes herabströmen, wenn der ihm gebührende Dank zum Himmel steigt! Ob mangelhaft auch wol noch Manches ist, ob Vieles noch zu erringen steht, worunter vor Allem ein ordentliches Schulgebäude gehört, dieser Mann wird und muß es vollbringen, denn die Edlen des Volkes schließen sich gerne an ihn an, und sein Geist, seine Energie, ohne zu übereilen, weiß die besten Mittel zum Zweck und die rechten Männer zu wählen, wie man schon an den Lehrern der Schule wahrnimmt, worunter Herr Dr. Grünhut sich bereits so bewährt gemacht hat. Lugos (krassover Komitat), 29. April. (Privatmitth.) Wie viel eine gut geleitete Gemeinde zu leisten vermag, dafür giebt die hiesige einen trefflichen Beweis. Ohne Kommunal- und Fundationsvermögen — da vor vier Jahren Alles, selbst die Synagoge, ein Raub der Flammen wurde — steht jetzt — nur mit sehr geringer Hilfe von Außen — ein neuer, im modernen Style erbauter Tempel, durch Genehmigung, vielmehr durch ausdrücklichen Befehl unsrer humanen Behörde in der Fronte der Hauptgasse, in dem ein geregelter Gottesdienst mit Choralgesang, seit zwei Jahren, bereits eingcführt ist. Auch vom Schicksale begünstigt hatten wir bei der Anstellung des Kantors

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