Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 23 (31.5.1847)
- Date
- 1847-05-31
- Page
- Seite 346 (sequence 6)
- Language
- German
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346 in diesen Tagen auch ein Jude zum Stadtverordneten gewählt worden ist, eine Wahl, die den Wählern eben so wie dem Gewählten zur Ehre gereicht. Dieser Gewählte ist nämlich der Vorsteher der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr Philipp Solmitz, ein Mann von Bildung und vielseitiger Erfahrung, der mit der Liebe zum Frieden einen energischen Willen und einen gereiften Ueberblick der Verhältnisse verbindet, und sich durch die umsichtige, uneigennützige Führung seines Vorsteheramtes, durch den Bau unsrer schönen, geschmackvollen Synagoge (einer wahren Zierde der Stadt), durch kluge, auf friedlichem Wege bewirkte Einführung so mancher zweckmäßigen Einrichtungen beim Gottesdienste, wie überhaupt durch sein wohlwollendes Wesen die Liebe der ganzen Gemeinde und deren Dank in dem Grade erworben hat, daß er zu Anfänge dieses Jahres, als er sein Amt um seiner eigenen Geschäfte willen in die Hände eines Andern niederlegen wollte, einstimmig wieder zum Vorsteher gewählt worden ist. In der gegenwärtigen Zeit der Thcuerung und Bedrängniß hat er sich als Mitglied der zur Linderung der Noth in hiesiger Stadt erwählten Kommission durch sein wackeres Benehmen die Liebe und Achtung der hiesigen Bürgerschaft dermaßen erworben, daß die auf ihn gefallene Wahl zum Stadtverordneten als Folge davon und als ein Beweis des in ihn gesetzten Vertrauens zu betrachten ist. Diesem Vertrauen wird Herr Solmitz gewiß in jeder Hinsicht zu entsprechen wissen und unsre ganze Gemeinde wird, wie bisher, so auch fernerhin durch ihr achtbares Verhalten dazu beitragen, daß der Geist der Eintracht und der Bruderliebe immer festere Wurzel fasse in Nordhausens Mauern. Oesterreich. Prag, im Mai. (Privatmitth.) Ihr Blatt hat sich schon mehre Male für die israelitische Lehr- und Erziehungsanstalt zu Schwarzkoste letz interessirt, und seinen Lesern einige Nachrichten darüber gebracht, daß es wol folgenden Bericht, den ein Unparteiischer in der hiesigen Zeitung gegeben, und der eine, nicht blos für diese Anstalt erfreuliche Nachricht enthält, nicht abweisen wird. Die Anstalt, vor einigen Jahren gegründet zählt bereits über hundert Knaben und Mädchen aus der Nähe und aus allen Kreisen Böhmens, und hielt am 23. und 24. März ihre Prüfung. Nachdem das Vorgebet von der ganzen Schuljugend abgesungen war, trat eine der Schülerinnen vor und bewillkommte in einem sinnigen Gedichte Se. Hochwürden Herrn Konsistorialrath I'. Morawetz, so wie alle erschienenen Gäste, woraus Ersterer in einer kurzen gehaltvollen Rede seinen Gegengruß aussprach und unter Ermunterung der Zöglinge, solche mit der hohen Gnade bekannt machte, welche Se. k. Hoheit, der durchlauchtigste Herr Erzherzog Stephan, Landeschef von Böhmen, diesem Institute durch die Annahme des Protektorats über dasselbe, zu Theil habe werden lassen, auch sei der Augenblick gekommen, wo das Bildniß hochdesselben, der Schule vor ihrem Begründer, Herrn I. Martinowes geweiht zur Feier enthüllt und begrüßt werden sollte, daß es als ein immerwährendes Andenken der allerhöchsten Huld Sr. k. Hoheit von jedem Zöglinge zu betrachten und zu verehren sei. Hierauf ergriff der Religionslehrcr der Anstalt, Herr Dr. I. Grünhut, das Wort und in demselben Sinne sortfahrend, sprach er besonders über den edeln Beruf der Vornehmen und Großen, Licht und Segen unter dem Volke zu verbreiten, darauf hinweisend, wie sehr alle Glieder des Hauses Habsburg von jeher auf Solches bedacht gewesen wären, und wie Se. k. Hoheit der Herr Erzherzog Stephan, durch die Annahme des Protektorates über die schwarzkosteletzer Schule dies so segensreich darthue. Nicht blos der Schule, deren Zöglingen, sondern allen Israeliten, sei dadurch das größte Heil widerfahren, und Jeder müsse wetteifern im Guten, um sich solcher Ehre und Gnade würdig zu zeigen; damit die Welt erfahre, daß der Sinn für empfangene Wohlthaten noch lebendig sei, damit Jeder, der diese Schule besuche, bei seinem Eintritte die Weihe des Schutzes erkenne, unter welchem sie fortan bestehe; so soll — fuhr Dr. Grünhut begeistert fort, das Bildniß unsers erhabenen Protektors diesen Saal fortan schmücken, ein Bildniß, welches die edelsten, menschenfreundlichsten und mildesten Züge der Humanität widerstrahlt. Bei diesen Worten siel der Vorhang desselben, und beim Anblick des wohlgetroffenen, im goldenen Rahmen gefaßten Portrats Sr. k. Hoheit standen alle Anwesenden auf, und unter freudigem Händeklatschen der überraschten Jugend, so wie unter dem Schalle der Trompeten und Pauken, ertönte von allen Anwesenden ein dreimaliges Vivat. Nach einem begeisternden Gebete für Se.