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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-05-24 · Heft 22 (24.5.1847) · p. Seite 336

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 22 (24.5.1847)
Date
1847-05-24
Page
Seite 336 (sequence 12)
Language
German
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336 leitet sie die Juden beider Geschlechter mehr zum Dienen in Privathäusern, da die Zahl jüdischer Köchinnen, Hausknechte, Laufburschen u. s. w. bedeutend abzunehmen angefangen hatte. Jetzt hat sie im Werk, für den durch den bösen Willen hundertfach vergrößerten Uebelstand eine Ausgleichung dafür zu finden, daß einige jüdische Kaufleute noch ihre Akzepte am Montage statt am Sonnabend einlösen, was in der Wirklichkeit hier Niemanden zu nahe tritt, da solch ein Wechsel gleich von vorn herein als am Montage fällig betrachtet und demgemäß diskontirt wird. Mit Spannung verfolgen wir hier das Schicksal des preußischen Judengesetzentwurfs, und die einstimmige Erklärung aller preußischen Gemeinden, sie möchten lieber auf die Emanzipation ganz verzichten, wenn sie mit einer korporativen Absonderung verknüpft sein solle, hat hier, ohne zu überraschen, den treusten Widerhall gefunden, und wir zweifeln auch nicht, daß man eine Tendenz aufgeben, die jetzt nach Erlaß des Toleranzedikts noch mehr mit der Geschichte (die Mitwelt hat doch, hoffen wir, auch eine Stelle in der Geschichte, und das 19. Jahrhundert so viel Berechtigung als etwa das 13. oder 14.) im Widerspruch steht, als vorhin. Es wäre doch gar zu sonderbar, wenn man der Urmutter das nicht einräumen wollte, was man dem eben ausgekrochenen Küchlein bewilligt hat, blos um sich eine künstliche Ruine im Park zu konserviren. Wenn auch das eine Nachahmung Englands sein soll, so ist sie sehr unähnlich ausgefallen. Wie man die Eigenthümlichkeit der Juden da auffaßt, davon mögen zwei Zeugnisse reden. Das erste ist der hier nachfolgende Aufsatz aus den Times, der eine solche Eigenthümlichkeit zwar anerkennt, aber ohne sie darum einzupferchen, und nur um sie zum Wohl des Staats zu benutzen und dabei vor allen Dingen von der Staatsgewalt den Verdacht abzuwälzen, sie gebe gerechten Ansprüchen nur dann nach, wenn diese von einer Uebermacht unterstützt werden. Das andere Zeugniß ist von d'Jsraeli in seinem Roman Tankred, welcher schon in der Augsburger a. Z. No. 113 ebenfalls nach der Times besprochen ist. Herr d'Jsraeli, der Sohn eines getauften Juden, ist von der hohen körperlichen und geistigen Begabung der jüdischen Race so übermäßig begeistert, daß er von ihr allein alles künftige Heil der Welt erwartet. Vermuthlich hat diesem genialen Schriftsteller seine Abstammung bisweilen secchirt, und da er nun die jüdische Religion, in so weit sie nicht mit dem Christenthum zusammenfällt, nicht zu vertheidigen hat, so kämpft er für den Ruhm der Race. Uns Andere, dünkt mich, verletzt derjenige eben so sehr, der uns ganz besondere Stammestugenden beilegt wie Stammeslaster. Wir sind und wollen nichts Anderes sei» wie — gleiche Umstände vorausgesetzt — andere Menschen, nichts Anderes als andere Bürger, gewiß nicht mehr, aber auch gewiß nicht weniger. Der Dünkel d'Jsraeli's hat übrigens die natürliche Folge gehabt, zu irritiren, und sogar der liberale Punch hat mehrere Artikel gegen Juden zum Besten gegeben, die in vielen Gegenden Deutschlands vielleicht den Glasern gute Verdienste gebracht hätten, aber in England — so fest ist dort die Meinung — bei keiner Partei all etwas Anderes ausgenommen sind, denn als eine kleine Malice gegen den kleinen Benjamin (d'Jsraeli).*) Die diesjährige Theuerung hat sich hier nicht so fürchterlich gezeigt als an anderen Plätzen: es sind wol außerordentliche, aber durchaus nicht übermäßig« Aushilfen nöthig gewesen: daß die Juden bei dies» Gelegenheit für sich und für Andere ihre Menschen- und ihre Bürgerpflicht beobachtet haben, bedarf kein» besondern Erwähnung, wol aber das, daß die armen Juden fast keinen Gebrauch von der dargeboten«» Hilfe gemacht haben. Warum, das ist mir nicht recht klar. Wir erleben jetzt den sonderbaren Vorfall, daß unser Chacham Bernays von Seiten des altonaischen Stadtmagistrats requirirt wurde, um dem dortige» Oberrabbinen Ettlinger einen Eid in Sachen ein» Verlassenschaft, deren Exekutor er ist, abzunehmen. Die jüdische Gemeinde in Altona sieht aber hierin eine Degradation für sich, weil sie überhaupt der hmburgischen das Recht nicht einräumt, einen Rabbim« zu ernennen, und so reklamirt sie bei ihrer Regierung, man möchte mindestens den kopenhagener Rabbinen, und nicht den hamburgischen beauftragen. Daß übri- *) Kaum glaublich ist es, daß dieser Ex-Jude neben dem allgemein jüdischen auch noch den besondern alt!» Sephardim-Racenstolz nährt. Hat ec denn vergesse», daß dieser Stamm seit Spinoza keinen einzigen berühmten Mann, nicht einmal einen berühmten Talmudiste» oder —-Bankier hervorgebracht und daß namentlich die levantinische Abtheilung derselben in eine beispiellose Stumpfsinnigkeit verfallen ist. Was schreiben dies« Menschen z. B. für ein Ebräisch! Einsenb.

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