Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 22 (24.5.1847)
- Date
- 1847-05-24
- Page
- Seite 335 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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335 solches gleichgiltig ist. Oder handelt cs sich bei der Emanzipation um Glaubens- und Gewissensfreiheit? Und kann die „freie Gemeinde" diese entbehren? — — Daß cs jedoch bei der „Mannheimer Abendzeitung" noch nicht zu weit mit ihrem „Menschcnthum" gekommen, zeigt alsbald ein anderer Artikel aus Heilbronn, der ein Geschichtchm erzählt, wie ein dortiger Jude einen christlichen Bäcker hindern wollte, einen armen, verhungerten Mann um eines Zweigroschenbrodes willen arretiren zu lassen; der Bäcker sei noch dazu ein Pietist. Da ruft die M. A. Z. aus: „ist nun nicht der Jude christlicher als der pietistische Christ?" Welcher Hohn, welches Unrecht gegen das Judenthum liegt in solchen Ausrufungen! Also das, von der M. A. Z. so oft befeindete Christenthum, welches sie so gern mit dem „Menschenthum" vertauschen will, hat allein die Menschlichkeit gepachtet, und das Judenthum hat gar keinen Anspruch darauf, so daß ein Jude, wenn er menschlich handelt, nur „christlich" handelt? Es ist wahrlich Ekel erregend bei solch freisinnigen Helden! Dem wahrhaft gläubigen Christ lass' ich Solches hingehen, aber der unchristlichen M. A. Z.! Nun, trösten wir uns. Begehet ein Christ ein wucherisches Unrecht, so erhält er den Beisatz „jüdisch"; handelt ein Jude großherzig, so bekommt er als Lohn das Beiwort „christlich". Lasset dem Juden sein Judenthum in allen Stücken, und wir wollen Euch das Eurige lassen! Vom Süden, im Mai. (Privatmitth.) Wünsche sich die A. Z. d. Jud. Glück, daß sie von allen jüdischen Zeitschriften die einzige ist, welche sich von allen Personalitäten und niedrigen Zänkereien fern hält. Mögen solche Nichtswürdigkeiten immerhin ein Zugpflaster sein für abgestumpfte Leser, deren Nerven hcraufgewirbelt sein wollen. Die Achtung und das bleibende Interesse sind für sie, und eröffnen ihr eine dauernde Wirksamkeit und einen Nachdruck, der aus der Hochschätzung fließt. Da ist in Berlin vor Kurzem eine s. g. „Reformzeitung" erstanden — und flugs ward sie ein Abklatsch jener Klatschblätter, welche einen elenden Köder zum Leserfangen auswerfen. Erbärmliche Bachrumwitze werden über alle Personalitäten ausgeworfen, und riechen selten nach der Eleganz der Residenz. So hat sie auch jüngst Stein's Namen zu ihren schalen Witzen verbraucht, Stein's, den doch die Resormgcnossenschaft so viel hosirt, dem sie im Frühjahr 1846 noch ihre Predigerstellc an geboten, den sie wiederholt zum Predigen eingeladen hat, und der Beides freilich abgelehnt hat. Mag sie sich groß thun mit ihrem „Pschätche", daß y'H '2L2 ihr vorlautes Motto sei, indem y’H Reform- Zeitung bedeute — y'H heißt auch rr’Jiss rrn, d. h. Wind aus Norden, und zwar ein Wind, der nicht um Mitternacht liebliche Töne der Harfe Davids entlockt und den Schlummernden aufweckt, sondern der nur verwelkte Blätter und Staub ausregt. Will Herr Rebenstein übrigens noch einen Witz, so kann man von ihm als Redakteur sagen: ,&v,üin:2 wt ,2^:? miB»b ip'i : -noirr sirott rb;*i .Duara kVn trama snpn bs Jndeß hält die R. Z. es für nothwendig, ihre Langweiligkeit mit dergleichen Nichtigkeiten zu unterbrechen, so mag sie es. Hamburg, im Mai. (Privatmitth.) In Ihrem Blatte ist seit einer geraumen Zeit merklich wenig von den größeren deutschen Gemeinden zu melden gewesen, so auch von hier. Ist das ein gutes, ein schlimmes, oder gar kein Zeichen? Das frappanteste hiesige Ereigniß war vor Kurzem die Wahl des 1h-. Rießcr zum Gemeindevorsteher: an und für sich schon ein Fortschritt, da bisher weder ein Graduirter noch ein Unverheiratheter in dies Amt gewählt wurde. Was die Tendenz, was der wahrscheinliche Erfolg, das ist schwer zu sagen: um Alles beim Alten zu lassen dazu wählt man einen solchen Mann nicht. Wir vernehmen, daß auswärts von unserer Gesellschaft für soziale und politische Interessen der Juden so viel gefabelt wird, daß es wol nöthig ist, das Urtheil darüber zu berichtigen. Die Gesellschaft zählt bis jetzt etwa 340 kontribuirende Mitglieder, davon etwa der dritte Theil Christen sind. Von dem, allerdings etwas unklar — doch nicht in dem Grade, wie es ausgeschrieen wurde — geschriebenen Programm, ist der Fundamentalsatz, daß die Gesellschaft das religiöse Gebiet schlechterdings nicht zu ihrem Wirkungskreise zählt, bisher ziemlich streng festgehalten worden, ohne jedoch die eigenrliche fromme Partei zur Theilnahmc anzulocken. Um unseren jüdischen Handwerkern, deren wir, ohne die zahlreichen Cigarrenarbeiter k., trotz der entgegenstehenden Privilegien über 200 besitzen, unter die Arme zu greifen, beabsichtigt die Gesellschaft eine Art von Industrieausstellung im nächsten Herbst zu veranstalten. Ferner