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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-05-24 · Heft 22 (24.5.1847) · p. Seite 334

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 22 (24.5.1847)
Date
1847-05-24
Page
Seite 334 (sequence 10)
Language
German
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334 ten unseres Bezirksrabbinats an sämmtliche Kultusvorstcher der israelitischen Gemeinden erlassen und scheint uns dasselbe der darin ausgesprochenen reformatorisch-versöhnlichen Grundsätze wegen der Veröffentlichung würdig. Es lautete: „Indem ich Ihnen hiermit anzeige, daß mir laut einer Ministerialresolution vom 16. und eines Reskripts hoher Landesregierung vom 24. v. M. nunmehr die gesammte Verwaltung unsers Bezirksrabbinats allein übertragen ist, hoffe ich mit Gottes Hilfe von nun an desto wirksamer die moralisch-religiöse Kultur unserer Glaubensgenossen fördern und namentlich auch unsere Ku ltusverhältnisse einem zeitgemäßen Ziele entgegenführcn zu können. In letztgenannter Beziehung haben bekanntlich die gedruckten Generalerlasse des herzoglichen Staatsministeriums vom 18. Oktober 1842 und der hohen Landesregierung vom 3. Februar 1843 angeordnet: „daß was die jüdische Liturgie betrifft, die von der israelitischen Kirchenbehörde im Königreiche Württemberg aufgestellte Synagogenordnung auch die Grund norm für den Gottesdienst der jüdischen Gemeinden des Herzogthums bildet." Aus diesem Grunde aber ist es erforderlich, daß jeder Kultusvorstand diese Synagogenordnung besitze, damit man die Grenze kennen lerne, innerhalb welcher vorläufig unser Gottesdienst geregelt und die äußere Ordnung bei demselben ausrecht erhalten werden soll. Indem ich Ihnen nun ein gedrucktes Exemplar jener Synagogenordnung (zu dem Ladenpreis von 36 Kr.) zusende, sehe ich von Seiten eines jeden Gemeindevorstandes in meinem Rabbinatsbezirke wohlgemeinten Vorschlägen über gottesdienstliche Verbesserungen, welche dieselben der empfangenen Synagogenordnung entnehmen und — zufolge der Bildungsstufe Ihrer Gemeindeglieder — für ausführbar halten, mit Freuden entgegen. Nachdem nämlich die zweckwidrigsten Bestandtheile unserer Liturgie (wie z. 33. das sogenannte Kol- Nidre und die Suloth sind), welche dunkele Zeiten in die Synagoge gebracht haben, aus derselben in meinem ganzen Rabbinatsbezirke schon voriges Jahr entfernt wurden, wünsche ich bei den weiter zu erzielenden Verbesserungen, daß solche fördersamst von Seiten einsichtsvoller Kultusvorstände im Einvernehmen mit ihren Gemeinden angeregt werden; weil auf diesem Wege jede Entzweiung und alle Parteilichkeit, welche von dem heiligen Gebiete unseres Gottesdienstes fern bleiben sollten, am Leichtesten vermieden werden. — Und seien Sie versichert, daß zu den zeitgemäßen und zulässigen Reformen unseres Gottesdienstes, welche auf diesem friedlichen und versöhnlichen Wege erzielt werden können — zur Verherrlichung unserer väterlichen Religion — jeder Zeit willfährig die Hand bieten werde Di'. Hochstädter zu Langcn-Schwalbach." Mannheim, 8. Mai. (Privatmitth.) Wie weit die radikale Presse ihre Verblendung und Widersprüche treibt, kann man bisweilen aus der hiesigen Abendzeitung sehen. Sie, die den Ansprüchen auf und den Debatten über die Emanzipation der Juden oft genug das Wort gesprochen, that diese Tage den Ausspruch: die gebildeten Juden sollten sich doch nicht mehr um die Emanzipation kümmern, sondern vielmehr in Masse zur „freien Gemeinde" übertreten, und dadurch „dem Menschenthum" ein wohlgefälliges Opfer bringen. Die Juden sollen zur „freien Gemeinde" übertreten! Wohin führt die „freie Gemeinde"? Entweder zu den,Ueberzeugungen, welche das Judenthum schon im Mosaismus als die Grundlage der menschengeschlechtlichen Entwickelung verkündete und lehrte — und dann sollten die Juden ihre geschichtlich-positive Grundlage verlassen, um einer noch schwankenden, und mühsam zu denselben Resultaten, aber ohne feste Grundlage, führenden Gemeinde sich anzuschließen? Vielmehr muß die „freie Gemeinde" zum Judenthum kommen! Oder die „freie Gemeinde" führt zum „Menschenthum" d. h. zum modernen Heidcnthum, zum Pantheismus — und dahin kann der Jude nur bei großer Selbstverirrung gelangen, denn in jenem lieget der ganze Gegensatz des Judcnthums enthalten, das zu bekämpfen des Judenthums beständige Aufgabe war und ist. Aber auch abgesehen hiervon — der gebildete Jude solle alle Anforderung, alle Bemühung auf Emanzipation aufgeben! Welcher Egoismus! Handelt es sich bei der Emanzipation um die Handvoll der Juden, welche der „Mannheimer Abendzeitung" die „gebildeten" sind, d. h. um die Handvoll jener Blasirten, welche „dem Menschenthum" verfallen sind, und von dem Gotte, den ihre Religion bekennt, nichts mehr wissen wollen? Oder handelt es sich bei ihr um das Schicksal mehrer Millionen Menschen? Da muß das „Menschenthum" doch wenig Menschlichkeit mehr haben, wenn ihm ein

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