Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 22 (24.5.1847)
- Date
- 1847-05-24
- Page
- Seite 333 (sequence 9)
- Language
- German
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333 hange zur Synagogenordnung befindlichen Gebete nach der Predigt das zweite zu sprechen und nach den Worten: „und du, auf den Aller Augen warten, daß du ihnen.Speise gebest" folgende Stelle.einzuschalten: „Schau an das Elend, unter welchem Millionen „deiner Kinder seufzen und erbarme dich unser! „Wende ab Thcuerung und Hungersnoth und kröne „dieses Jahr mit deinem Segen! Bewahre Felder „und Weinberge vor allem Schaden und gieb Thau, „Regen und erwärmenden Sonnenschein zur rech- „ten Zeit, daß der Boden sein Gewächs hervor- „bringe und das Erdreich sich mit deinem Segen „bedecke! Sättige uns aus deiner Gnadenfülle, „segne des Landmanns Fleiß mit glücklichem Ge- „deihen und das gegenwärtige Jahr gleiche den „fruchtbaren Jahren der Vergangenheit." Dieser Zusatz ist auch in den Gebeten nach der Predigt an den bevorstehenden Festtagen (Peßach) an passendem Ort cinzuschalten. Indem man denRabbinen hiemit aufgegeben haben will, sich nach dieser Vorschrift zu achten und die Vorsänger seines Bezirks zu gleicher Nachachtung anzuweisen, so erwartet man von demselben, daß er die Gelegenheit, welche die nächsten Feste ihm darbieten, benützen werde, zum Vertrauen, zum geduldigen Tragen der Schickungen Gottes und zur Wohlthätigkeit gegen diejenigen, welche unter dem Drucke der gegenwärtigen Zeit besonders leiden, aufzumuntern." — Der Verein zur Versorgung armer israelitischer Waisen und verwahrloster Kinder ,hat nun seinen „vierten Jahresbericht über das israelitische Waisenhaus „Wilhelmspflege" in Eßlingen" (1. Januar bis Ende Dezember 1846) veröffentlich und an die Gemeinden versandt. Nach demselben erfreut sich die Anstalt immer mehr des Geistes der Häuslichkeit, der Arbeitsamkeit, der Zucht, Sitte und geregelten Thätigkeit". Der Gesundheitszustand war ein günstiger. Dem Eifer und Fleiß des Hausvaters (Herrn Oberlehrers Lippman) wird die verdiente Anerkennung gezollt. Im Laufe des Jahres traten sieben Pfleglinge aus, neu ausgenommen wurden nur zwei Pfleglinge, und zwar „ausnahmsweise" im Hinblick auf die dringende Noth des Augenblicks, da nach einem sich ergebenden Defizit von nahezu 300 Fl. die Aufnahme neuer Pfleglinge hätte unterbleiben müssen. Dem Rechenschaftsberichte war daher ein sehr eindringlich bittendes Schreiben beigelegt, damit die Vorsteher und Gönner der Anstalt zu ferneren Anstrengungen aufgeregt würden. Möchte man doch auch aus weiteren Kreisen dieser herrlichen Anstalt Gaben zuwenden! Die Frau vr. Dreifuß hat in ihrem unermüdlichen Eifer für die Anstalt eine Lotterie eröffnet, an welcher sich durch Einsendung weiblicher Arbeiten auch hochgestellte christliche Damen z. B. die Frau Ministerin von Schlayer und von Prieser betheiligten. Vom Erlös der Lotterie soll den Waisen Kleider angeschafft werden. 6. Aus Baiern, 4. Mai. (Privatmitth.) Was unter dem abgetretenen Ministerium nun und nimmermehr zu einem Resultate gekommen, das Edikt vom 10. Juli 1813 über die Verhältnisse der Juden, mit dem ganzen Anhang mittelalterlicher Interpretation, die ihm vom vorigen Ministerium zu Theil geworden, im Geiste der Verbesserung und Erleichterung — denn an Gleichstellung ist vorerst sicherlich nicht zu denken — einer Revision zu unterwerfen, worauf allerdings auch die letzten Kammern angetragen: das soll vom jetzigen Ministerium nunmehr ernstlich beabsichtigt, ja bereits in Angriff genommen sein. Obwol wir auch hierin unsere Hoffnungen nicht zu hoch spannen wollen — denn wir haben gesehen, wie in der zweiten Kammer gewisse Sonderinteressen geobsiegt haben, die Beschränkungen der Juden selbst in gewerblicher Beziehung aufzuheben — so wird doch damit Baiern jedenfalls in die Bahn wieder eintreten, welche 1813 zur Absicht lag, und die andere deutsche Staaten mit Erfolg in unsrer Angelegenheit beschulten und eingehalten haben — die Bahn des Fortschritts. Wir sahen es an Sachsen und Hannover, Ländern, in denen die Juden noch am Schlimmsten standen, und in denen ihnen der Geist am Unfreundlichsten war, daß sie, sobald sie einmal Hand an das mittelalterliche Gebäude des Judendrucks gelegt, auch vom Geiste der Freisinnigkeit von Konzession §u Konzession, und sei es auch Schritt vor Schritt gedrängt wurden. In Baiern fand in dem letzten Dezennium das Gegentheil statt, und mit jedem Jahre mehrten sich die Exzeptionen, daß Zurückdrängen, das Ausschließen, die Härte. Es wird nun anders werden, und ist erst einmal begonnen — nun, so wird unter Gottes Schutz die Sache sich wie von selbst weiter treiben. Vom Taunus, im Mai. (Privatmitth.) Nachstehendes Zirkularschreiben wurde vor Ostern von Sei- -M*