Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 22 (24.5.1847)
- Date
- 1847-05-24
- Page
- Seite 332 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225497-3225520--08595-3239417- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
832 schlägigen Gewerbe ungemein erschwert, und der erhabene Geist, der in jener Geschichte so herrlich zu uns redet: von Israels Sieg über Wahn und Aberglauben, er verhüllte trauernd sein Angesicht, denn im eigenen Lager machte, gerade bei dieser Geschichte, Wahn und Aberglauben ftd> geltend, entstellend das heilige Bibelwort, aus der Religion eine Fessel machend für ihre Bekenner, w V* »bis Nim, undJakobs Fuß ist verrenkt, um nicht auf der ihm angewiesenen Bahn des Lichtes und der reinen Gottesvcrehrung voranzuschreiten. Möge doch die Sonne einer bessern Zeit (Mann ib mn) ihm Heilung bringen! Erwache, Geist des Herrn in Israel! Durchdringe die Lehrer und die zu Belehrenden, daß sie dir allein die Ehre geben! daß wir die Lehre Gottes reinigen von den Zusätzen spaterer Zeiten, damit wir nicht mehr erröthen müssen unseren Kindern gegenüber, wenn wir ihnen zeigen sollen den Weg, den sie zu gehen und das Werk, das sie zu thun haben, und nun Widerspruch auf Widerspruch sich findet zwischen der reinen Lehre unseres Gottes und den Hinzufügungcn durch Menschenhand! Auf und lasset uns nicht säumen, die Erste» von den Fesseln der Letzteren zu befreien, damit unsere heilige Religion von ihren Bekennern wieder geübt werde, weil sie wieder wird zu üben sein! Und dein heiliges Wort, werde wieder und bleibe beständig die Lust und die Freude und das Glück ihrer Bekenner nicht „bis zu diesem Tage", sondern bei allen künftigen Geschlechtern in Ewigkeit." — Das war's, wozu die treffende Toravorlesung mich veranlaßte. — Es kann daher hier blos die Rede von einer homiletischen Erklärung sein, und da halte ich eS allerdings für Unrecht, die schwierigen Stellen zu umgehen, sondern meine vielmehr, daß gegenwärtig eine Zeit sei, wo man das Volk auch in der Predigt auf die wunden Flecke Hinweisen muß, woran die Religion kränkelt. Diese Stellen müssen nothwcndig blosgelegt werden, wol einerseits mit warmer, milder Hand, und Härte und Kälte kann gewiß obigem Vorträge nicht vorgeworfen werde», andererseits ab» darf der Schmerz, den die Berührung verursacht, uns nicht zaghaft machen, denn ohne dieses Verfahren kann Heilung nicht erzielt werden. Von einer gegebenen Erlaubnis; kann jedoch hier allemal nicht die Rede gen seiner Führer, sondern auch die Bürde seines Herrn von seinem Rücken warf. A. d. Eins. sein. Wol werde ich, so bald bei der Rabbinerversammlung der betreffende Punkt zur Sprache kommt, im obigen Sinne mich auszusprechen nicht versäumen, aber auf eigene Faust in solchen Dingen handeln, war und wird nie meine Sache sein. Allein die Gemeinde über die Bedeutung der Gesetze belehren, den Gegensatz zwischen Tora und Talmud Nachweisen, und dadurch die praktische Reform vorbereiten, das halte ich für heilige, unerläßliche Pflicht, und giebt dazu der dreijährige Zyklus, der die einzelnen Torastellen dem Auge zu näherer Betrachtung vorhält, die beste Gelegenheit. Durch Reform Erhaltung! das ist und bleibt mein Wahlspruch; wenn die Orthodorie wirklich konservativ wäre, sie müßte dieses begreifen; allein sie ist in der That destruktiv wie ihr Milchbruder, der Radikalismus. Ich aber, mein Muth steht fest, und mein Vertrauen auf den endlichen Sieg der guten Sache kann nie wankend gemacht werden. Leopold Stein, Rabbiner. Aus Württemberg, im Mai. (Privatmitth.) Einem, Ihnen im vorigen Monat mitgetheiltcn Erlasse königl. Oberkirchenbehörde folgte in diesem Monat ein zweiter ähnlichen Inhalts; die Theuerung und Noth, deren Linderung und Abhülfc bilden dessen Gegenstand; jedoch mit dem Unterschiede, daß in jenem die königl. Oberkirchenbehörde als Verwaltungsstelle spricht und in dieser ihrer Eigenschaft den Gemeinden Anweisung zu Unterstützungen crtheilt, während sie in diesem als Religionsbehörde die Israeliten zu einem Blicke nach oben auffordert und inbrünstige Gebete um eine segensreiche Ernte mit folgenden Worten verordnet: Die königl. israelitische Oberkirchenbehörde an das Rabbinat N. N. Bei der anhaltenden Theuerung, unter welcher die Armen schwer leiden, hält die königl. Oberkirchenbehörde nach einem alten Gebrauch der Synagoge für angemessen, öffentliche Gebete um Abwendung der Theuerung und um ein fruchtbares und gesegnetes Jahr anzuordnen. Man will daher hiemit bestimmt haben, daß bis zur nächsten Ernte nach dem Schmoneesre-Gebet die Psalmen 33, 65 und 85 in hebräischer Sprache von dem Vorbeter und der Gemeinde Vers um Vers abwechselnd gebetet werden. Am Sabbate hat der Rabbiner oder Vorsänger von den im An-