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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-05-24 · Heft 22 (24.5.1847) · p. Seite 328

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 22 (24.5.1847)
Date
1847-05-24
Page
Seite 328 (sequence 4)
Language
German
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328 nisterium den Generalstaaten vorgelegt hat, befinden sich folgende Sätze für den israelitischen Kultus: Honorar für die beiden^ Sekretäre der israelitischen Oberkommission . . 2,725 Fl. Büreaukosten. 575 - Reisekosten .. 450 - Gehalter für die Rabbinen, Prediger, Pensionen. 5,800 - Jüdische Schulen vom Seminar an . 15,000 - Reisekosten für das Rabbinerkollegium 500 - Unterstützungen für Synagogenbauten rc. 3,500 - Summa 28,550 Fl. Das sind 16,064 Lhlr. jährlich. Auf die Bevölkerung von 55,000 Seelen angeschlagen ist diese Summe nicht zu hoch, wol aber bei der schwierigen Finanzlage des Landes. Außerdem spendet der hochherzige König Wilhelm II. eine große Menge Geschenke an israelitische Institute und Individuen. Das Ministerium wie die Oberkommission thun das Mögliche, um die Institute der israelitischen Religion in die beste Stellung zu bringen. — Das Oberrabbinat von Limburg hat Herr L. B. Schaap erhalten, dem der König eine Besoldung von 600 Fl. auf die Staatskasse angewiesen, und der feierlich installirt worden ist. (L’Univ. israel.) Preußen. Von der Clbe, 16. Mai. (Privatmitth.) Ich hege das Vertrauen, die Hoffnung auf den vereinigten Landtag in der Angelegenheit der Juden nicht, die Ihr Korrespondent in vor. Nr. aussprach. Ich glaube vielmehr, und habe mich ganz darauf gefaßt gemacht: eine sehr große Mcinungsdivergenz werden wir zu hören haben. Es wird von mehren Seiten so Scharfes, so Bittres gesprochen und verlangt werden, daß der Gesetzentwurf der Regierung noch als eine Rettung, als eine dankenswerthe Zuflucht erscheinen wird. Ja, die Anzahl derer, welche über den Gesetzentwurf hinausgehen wollen, wird sich nach Verhältniß sehr klein Herausstellen. Ich will meine Meinung offen sagen: das Höchste, waS ich erwarte, ist, daß zu dem Gesetzentwurf noch die Lehrfreiheit an öffentlichen Schulen komme. Ein Mehres werden die Stände schwerlich in ihrem Plenum votiren, ein Mehres wird die Herrenkurie, ein Mehres die Regierung nicht bewilligen. Meine Gründe sind mehr allgemeiner Natur. Was den Franzosen, was den Engländer zur Emanzipation der Juden fähig macht, ist nicht etwa ein höherer Grad religiöser Vorurtheilslosigkcit: die Engländer sind bekanntlich pietistischer als irgend ein Volk der Erde, in Frankreich steckt noch ungeheuer viel Bigotterie im Volke, und, so wie mir scheint, ist gerade Deutschland gegenwärtig das religiös vorurtheilsloseste und mindest pietistische. Bis auf wenige Flecken sind überall die Pietisten und Ultramontanen in der öffentlichen Meinung unterlegen, und die neuesten Vorgänge in Baiern haben gezeigt, daß auch da der Ultramontanismus durchaus keine wesentlichen Wurzeln geschlagen. Nun, was ist es, was den Franzosen, was den Engländer zur Emanzipation der Juden befähigt? Die Nationalität, das diese Völker durchdringende Gefühl und Bewußtsein: Eines zu sein, Franzosen, Engländer! Ob der Franzose an den Wellen des mittelländischen oder atlantischen Meeres oder des Kanals geboren worden, ob seine väterliche Hütte in den Schluchten der Pyrenäen, in den Thälern der Vogesen, in den Steppen der „Landes" stand — er ist Franzose, er fühlt sich als Franzose, nichts Anderes. Nicht so ist es beim Deutschen. Was auch von der Einheit Deutschlands gesprochen, wie viel Toaste darauf ausgebracht, Reden darüber gehalten werden — sie eristirt nur im Verstände Einiger, im Munde Vieler, Wenigen aber ist sie in die unmittelbare Natur gedrungen. Der Deutsche fühlt sich als Schwabe, Franke, Pfälzer, Sachse, Schlesier, Braunschweiger:c. und kann dieses Gefühl nicht los werden. In diesem Stück Mittelalter lebt und athmet er, und kann es nicht von sich wälzen. Auch der vereinigte Landtag ist davon beherrscht. Nicht blos der Idee seines königlichen Stifters nach ist er kein deutscher, ja nicht einmal ein preußischer, sondern nur ein Landtag der preußischen Provinzen, dienurzusammensitzen, wie sie sonst getrennt sitzen: sondern der Landtag hat es in den Verhandlungen über das Reglement selbst bewiesen, daß er dies sein will, denn alle Anträge, welche diese scharfe Sonderung aufheben, oder schwächen würden, sind abgewiesen worden. Nun, wenn der Deutsche sich nicht als solcher, sondern als Schwabe, Franke, Sachse rc. mit ganz getrennten, oft sich gegenüberstehenden Interessen fühlt: wie sollte er sich nicht als Christ und Jude fühlen, wie sollte er sich nicht als Katholik, Protestant, Deutsch-Katholik, Mennonit oder

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