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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-05-24 · Heft 22 (24.5.1847) · p. Seite 327

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 22 (24.5.1847)
Date
1847-05-24
Page
Seite 327 (sequence 3)
Language
German
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327 läge der erbaulichen Damaskusgcschichte zu liefern versprach. Am Vorabend des Palmsonntags hatten mehre christliche Knaben einer Prozession beigewohnt; Einer derselben, ein Kind von vier Jahren, verlief sich von seinen Kameraden und verirrte sich in der Dämmerung in den Gärten und Weinbergen. Als man den Knaben vermißte, wurden andern Tags die Wohnungen und Synagogen der Israeliten unter großem Tumult durchsucht, doch ohne Erfolg. Spater fand man den Knaben in einem Weinberge liegen; er gab jedoch, von Hunger, Kalte und Ermüdung erschöpft, bald nachher den Geist auf. Die Wuth der bethörten Menge ward aber dadurch noch nicht beschwichtigt; man brachte die Sache an den Gouverneur. Dieser ließ indessen die Angeschuldigten in Freiheit setzen und ordnete auf Andringcn ihrer Glaubcnsgenoffen eine gerichtliche Untersuchung an. Nächst der Einsicht des Gouverneurs verdankt man es der menschenfreundlichen Vermittelung des britischen Generalkonsuls, Obersten Rose, daß der zivilisirtcn Welt nicht auf's Neue das Schauspiel einer, des finstersten Mittelalters würdigen Judenverfolgung zum Besten gegeben wurde. (Fr. I.) (Man sieht abermals hieraus, daß dem Morgenlande diese Veranlassung zu Judenverfolgungen, diese scheußliche Verleumdung nur von Christen zum Geschenk gemacht worden ist! Die Christen von Damaskus, die Christen von Rhodos, die Christen vom Marmormeer, die Christen von Deir-el-Kamar — und dies innerhalb 7 Jahre, nachdem dergleichen niemals im Morgenlande gehört worden! Red. d.A. Z. d. Jud.) Frankreich. Paris, im April. Rothschild hat ein Grundstück erworben, um für 280,000 Frks. (53,333'/» Thlr.) ein jüdisches Hospital zu errichten. Großbritanieu. London, 21. April. Bei der Debatte über die neue Volksunterrichtsbill sind Dinge zum Vorschein gekommen, welche in unsrer Zeit wundersam klingen, und dem Menschenfreunde das Herz zerreißen. Es hat sich ergeben, daß von 108 Männern 40 nicht ihren Namen schreiben und 30 nicht lesen konnten. Dreijährige Beobachtung des Kaplans der prestoner Korrektionsanstalt ergaben, daß in diesem Zeit: raume in dieser Anstalt 1200 Männer und 203 Frauen so unbefähigt für religiöse und moralische Unterweisung waren, daß von Tugend, Laster, Unrecht und Heiligkeit mit ihnen sprechen so gut wie in fremden Zungen mit ihnen reden war, 1120 und 256 kannten den Namen Christus nicht und wußten kein Gebet zu Gott zu sprechen. Nun, ihr Verächter des alten Judenthums, vergleichet hiermit die Zustände der Juden in den trübsten Zeiten — und bewundert die ungeheure Gewalt, welche es belebend auf die Masse ausübte! Wie viel oder vielmehr wie wenige Juden und Jüdinnen konnten nicht schreiben, wenigstens das s. g. Jüdisch-Deutsch! Es waren wenige Ausnahmen. Welcher Jude konnte nicht wenigstens hebräisch lesen! Welcher Jude war nicht in seiner Gebetsverrichtung, in seinem öffentlichen und häuslichen Gottesdienste heimisch! Jeder kannte und hatte seinen Gott — und das hals den Juden über ihr schreckliches Geschick hinweg! London, 20. April. Der von der Regierung wegen des Nothstandes auf den 24. März ausgeschriebene Bet- und Fasttag ist auch von den Israeliten eifrig gehalten worden. Um Mittag fand ein feierlicher Gottesdienst in der neuen Synagoge, um 2 Uhr desgleichen in der großen Synagoge, um 3 Uhr in der portugiesischen Synagoge, eben so in der Burtonstrcet-Synagoge mit angemessenen Predigten und großem Zufluß von Andächtigen statt. (L’Univ. isrnel.) Belgien. Brüssel, im April. Das belgische Budget ist dasjenige, welches die höchste Beisteuer für den israelitischen Kultus darbietet, denn außer 11,000 Frks. für denselben, hat es noch 1700 Frks. für die israelitischen Schulen und 500 Frks. für Arme, also 13,200 Frks. (3520 Thlr.), und dies bei einer israelitischen Bevölkerung, die die Zahl von 1000 Seelen nicht viel übersteigt. Holland. Amsterdam, im April. In dem zweijährigen Budgetentwurf, welchen für 1848 und 1849 das Mi-

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