Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 22 (24.5.1847)
- Date
- 1847-05-24
- Page
- Seite 326 (sequence 2)
- Language
- German
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826 Vorurtheil, Verachtung, Schande, Hohn, Verkennung, Schimpf und Schmach — Ach, so schleppen durch die Lande Wir ein ewig Elend nach. Ewig! ewig! weh, kein Ende Nimmt dein Unglück, Gottcsknecht? Und so oft die Sonn' sich wende Bringt zum Blüh'n sie nie dein Recht? — Knospen wol mit glüh'ndem Hoffen Drangen vor zur Frühlingszeit: Nachtfrost todtet sie halb offen, Früchte gönnt uns nicht der Neid. Armes Volk, zieh' dich zurücke, Bleib' in deinem Kämmerlein! Glaube nie zu früh' dem Glücke, Feindes Gruß ist Lug und Schein. Heiß, wenn deine Wunden brennen, Glaub' nicht dem, der Trost verspricht, Freund darfst du nur Einen nennen, Unter Menschen such' ihn nicht! Oft ward Trost dir vorgelogen, Hoffnung ward dir vorgefcherzt, Falschheit hat dich angezogen, Wie der Fuchs den Feind erst herzt. Schlössest gern wol eng're Bande, Gäbest Lieb' um Liebe gern! O bedenk' doch! ist nicht Schande Freundschaft zwischen Knecht und Herrn? Daß der Sklav' kein Freier werde, Gönnt man ihm kein Vaterland; Unsre, ruft man, ist die Erde, Euer ist der Wüste Sand. Meine hoffnungsvolle Jugend Senkt die Flügel erdenwarts. Eine neue Heimath suchend. Tragt sie über's Meer den Schmerz. Und so strömet mir zum Herzen Allwarts meiner Brüder Weh'-. Bis sich bildet dort von Schmerzen Still ein tiefer, bitt'rer See. Doch kommt Sturm herangezogen, Steigt das Leid, ein Geist der Nacht, Aus den wild bewegten Wogen, Grinset höhnisch, grinst und lacht. „Willst zu schönerm Ziel du schreiten? Wohl, ich geb' dir das Geleit! Wirst in neu Gewand dich kleiden? Ich auch nehm' dasselbe Kleid. Nimmer wirst du los mich werden, Leid tragt noch der letzte Jud; Glaubenshaß schür' ich auf Erden Mit verkohlter Glaubenswuth." „Wirf sie ab die Moderhülle! Laß dein graues Judenthum! Lebensfreude, Hoffnungsfülle Blüht dir neu und Glück und Ruhm. Kannst dann werden ein Minister, Brauer, Schenkwirth auch dazu; Ich zerreiß' dein Schuldregister Und du kaufst dir sel'ge Ruh'/' Also kaufelt der Versucher, Und sein Spott vermehrt mein Weh, Wenn ich schnöden Seelenwucher Da und dort gelingen seh'. Wie sie ihrer selbst sich schämen, Daß sich ihrer schämt der Tag, Die die alte Schmach verbrämen Mit erkaufter, neuer Schmach! — Brüder! Brüder! steht im Bunde, Kleines Häuflein! wanke nicht, Uns ward eine alte Kunde, Einst erblüh' uns neues Licht. Schmerzenslast, sei du getragen Von vereinten Schultern leicht, Bis die beff're Zeit wird tagen, Und mein Weh im Busen schweigt. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Türkei. Folgendes ist der wahre Hergang des Vorfalls in Dcir-el-Kamar (Syrien), welcher eine zweite Auf-