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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-05-17 · Heft 21 (17.5.1847) · p. Seite 320

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 21 (17.5.1847)
Date
1847-05-17
Page
Seite 320 (sequence 12)
Language
German
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320 Schließlich wünschen wir dem Gefeierten als Lohn seiner vielfachen Mühen, daß der Gott Israels seinen Kämpfen den vollen Sieg verleihe und ihm vergönne, den Hellen goldenen Tag der Freiheit für Israel in seiner ganzen Glorie heraufsteigen zu sehen. Der anwesende Deputirte der Gemeinde Jebenhausen, Rabbiner Herz. Belletristisches. Iler Nabbi und der Minister. Eine Novelle aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts. (Fortsetzung aus No. 7. 9. 11. 13. 15. 17. 18. 19.) 8. Der Gemeindevorstand. In der Judenstadt fand eine große Aufregung statt. Jene Versammlung bei dem Bücherhandler Baruch hatte ihre Früchte getragen. Die Kunde, daß es auf die Vertreibung der Juden abgesehen sei, hatte sich wie ein Lauffeuer verbreitet, und Angst und Schrecken waren in die Häuser und Hütten des Judenviertels gedrungen. Man sah schon den Pöbel entfesselt auf die Wehrlosen sich werfen, und die Blut- und Brandszenen früherer Zeiten sich da erneuern, wo bis jetzt wol Druck und Beschränkung, aber Ruhe und Sicherheit geherrscht. Dann gingen schreckliche Sagen um, wie schwer der geliebte und verehrte Rabbi gelitten, und sich vergrößernd, flüsterte das Gerücht von Martern und Foltern, denen er unterworfen worden, aber heldenmüthig widerstanden habe. Auch die Rückkehr des langen Bachur blieb nicht erfolglos; mit ihm ward es bekannt, daß eine frevelhafte Hand des Rabbi Tochter, die schöne, unschuldige Sara geraubt und sie gefangen halte, um sie zur Beute schnöder Lust, und Entehrung zu machen. Auch war aus dem „langen Bachur" ein ganz anderer Mensch geworden. Von den Abentheuern, die er zu bestehen gehabt, hatte sich ein Nimbus um die lange, sonst so träumerische Gestatt gelegt. Geschäftig sah man ihn hierhin und dorthin eilen. Ueberall sprach und perorirte er. Ware es nach ihm gegangen, so hatte sich die ganze Judenstadt, von Greis bis Kind, bis auf das alte Hannele, auf die Beine gemacht, und wäre mit Stöcken und Prügeln und was sich vorfand hinausgezogen nach dem Schandgarten, um Sara zu befreien. Dies geschah nun zwar nicht, aber die Aufregung wurde doch immer größer km Volke. In der langen Gasse, wie in den Gäßchen, überall standen Gruppen zusammen, in denen es laut herging, wo man sprach und schrie und gestikulirte, und Neuigkeiten mit großer Wichtigkeit vorbrachte, und über die nächste Zukunft disputirte, und über das, was man thun müsse, oder vielmehr was geschehen müsse, hin- und herstritt. Viele „ich sage Euch", oder „Du weißt Nichts" oder „laß mich reden", oder „ich weiß es besser" und dergleichen tönten aus den Haufen. Man fand eine süße Befriedigung im Reden, da man zum Thun keinen Muth und keine Gelegenheit hatte. Vor Allem aber wandte die Wuth des Volkes sich gegen die bekannt gewordenen Urheber der ganzen traurigen Begebenheit. Je unantastbarer die höchsten Träger des theils hereingebrochenen, theils drohenden Unheils standen — desto wüthender war man auf die Verräther, welche das Uebel angezettelt. Der Dajan Jizchak hatte sich langst aus dem Staube gemacht, und war aus der Stadt entwichen, da er sich kaum des Lebens sicher fühlte. Aber der reiche Mendel wohnte außerhalb des Viertels, er hatte sich wohlbedacht aus allem Zusammenhang mit seinen Glaubensgenossen gesetzt, selbst in der Synagoge erschien er nicht mehr, nur an den Sitzungen des Vorstandes nahm er noch Theil, denn von seinem Stotze und seinen Mitteln glaubte ec diesen noch beherrscht, wie er in demselben so lange Zeit das Machtwort geführt. Aber auch hierhin war das Entsetzen und der Unwille gedrungen. Der Vorstand fühlte, daß er Etwas thun müsse, um der Gefahr vorzubeugen. So groß auch das Ansehn Mendels gewesen und noch war, so hatten sich doch die Geister auch der übrigen Vorstandsmitglieder empört, als kein Zweifel über dem Verrath jenes Mannes mehr schwebte. Das Gewühl der Masse drängte, und sie entschlossen sich, dem Durst nach Rache nachzugeben, so weit sie es vermöchten, und sich dadurch ihrerseits zu reinigen von den Vorwürfen, mit denen der ganze Vorstand überhäuft ward. Auf heute war eine Sitzung anberaumt; die übrigen Mitglieder hatten sich besprochen, über die Mittel, das Unglück abzuwenden, zu berathen und zugleich dem Verräther Mendel eine tiefe Demüthigung zu bereiten. Der Vorstand war versammelt; auch Mendel war erschienen; er mochte wol nicht auf den gewöhnlichen Wegen in's Gemeindehaus gelangt sein, damit er die Gaffer auf der Straße vermeide. Jetzt ließ man sich um die Tafel nieder, um die Sitzung zu beginnen.

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