Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 21 (17.5.1847)
- Date
- 1847-05-17
- Page
- Seite 319 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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319 treu und aufrichtig lieben, und dennoch das Bewußtsein der brüderlichen Glaubensgenossenschaft ungetrübt im Herzen tragen, wenn auch Bildungsstufe und äußere Verhältnisse uns auf ein von der Mehrzahl der Bekenner unserer Religion verschiedenes Feld gestellt haben. Wenn ich heute von allen meinen lieben Glaubensgenossen im Lande so unverdienter Weise hoch geehrt und beglückt werde, so mag das wol auch eben daher rühren, daß mir der Bandeljude, sofern ec von ehrenhaftem Charakter ist, eben auch brüderlich nahe steht. Was ich hier ausspreche ist keine vorbedacht gefaßte Ansicht, es ist ein mir natürliches, unabweisbares Gefühl. Um so beglückter fühle ich mich zu sehen, und auch von Ihnen, verehrter Herr Rabbiner, zu hören, daß dieses der Güte, dem Wohlwollen und der Nachsicht gegen mich bei den Gebildeten, geistig wie bürgerlich höher Stehenden keinen Eintrag that. Mögen auch über viele Punkte Meinungsverschiedenheiten unter uns bestehen, dieses Gefühl der Brüderlichkeit unter den Israeliten lassen Sie uns Alle mindestens so lange festhalten, bis die letzten Schranken, welche uns noch von der Erlangung unserer Vollberechtigung zu den Rechten der Staatsbürger trennen, gefallen sind. Ich sage Ihnen, verehrter Herr Rabbine, so wie Ihren würdigen Herren Kollegen und den bedeutenden Kirchengemeinden, welche Sie zu dieser Ehrenfeier hierher gesendet, so wie auch denen, welche sich schriftlich Ihnen anschlossen, meinen innigen, tiefgefühlten Dank. Bis zu dem letzten Athemzuge werde ich dieser heiligen Sache treu bleiben, auch wenn Sie, verehrte Herren und lieben Freunde, mir nicht die herrliche Erinnerung dieses schönsten Tages meines Lebens zurückließen." Schließlich dankte noch der Lehrer an der israelitischen Waisenanstalt „Wilhelmspflege" in Eßlingen, Herr Liebmann, im Namen seiner sammtlichen israelitischen Kollegen des Landes und im Namen der Waisen, die sich so vieler Beweise von Liebe und Hingebung von Seite des Gefeierten zu erfreuen hatten und für die eifrige Fürsorge, in welcher derselbe seit der Gründung des Waisenvereins diesem seinen Rath, seine Kraft und Thatigkeit zugewendet hat. Hierauf erwiderte Herr Assessor vr. Weil: Den Dank im Namen der israelitischen Waisen und verwahrlosten Kinder, welche der Verein ausgenommen, in dessen Ausschüsse er seit der Gründung desselben sitze, könne er unmöglich als verdient ansehn; denn was hier Großes, Edles und wahrhaft Förderndes geschehen, sei lediglich und wie Allen bekannt das Werk des hochverehrten, edeln Mannes, den er das Glück habe, seinen Freund nennen zu dürfen, des trefflichen Herrn Dr. Dreifuß. Aber, was die Lehrer des Landes betreffe, so habe er allen Grund, denselben von Herzen zugethan zu sein, denn ec werde nicht vergessen, daß er selbst diesem ehrenwerthen Stande angehört habe, aus dessen Mitte hervorgegangen sei. Was er zur Verbesserung ihres Schicksals je zu thun vermöge, werde ihm stets wahres Herzensanliegen sein. Von den Gemeinden, welche durch Deputirte sich vertreten zu lassen abgehalten waren, liefen Zuschriften ein, in welchen sich nicht minder die Gesinnungen der Liebe und Dankbarkeit gegen den Gefeierten aussprachen und das in jeder Beziehung verdienstvolle Wirken desselben für die Israeliten des Landes anerkennend gewürdigt wurde. So endete eine Feier, die erhebend auf alle Anwesenden gewirkt und, man darf es sagen, ganz geeignet sein dürfte, den für die Sache seiner Glaubensgenossen noch Indifferenten mit lebendiger Sympathie für die Schicksale seiner Brüder zu erfüllen und zu regen Werken für ihre heilige Sache zu entflammen; eine Feier, die unauslöschlich in der Erinnerung.aller Anwesenden fortleben und reichen Segen bringen wird. Dank aber auch, vielfachen Dank den eifrigen Bemühungen des Komites, ganz besonders dem edeln Freunde und Förderer alles Großen und Schönen, dem allverehrten Herrn vr. Dreifuß, der durch Wort und That in würdiger Weise den Gefühlen der von Dank erfüllten Herzen der Israeliten in Württemberg den schönsten und wahrsten Ausdruck gegeben. Dank dem Herrn Silberarbeiter Stadtrath Sick in Stuttgart, dessen ehrenwerthem Streben man die schöne Ausführung des Ehrenpokals verdankt. Seinen edelen Bemühungen ist es gelungen, daß den zifetirten Arbeiten und der Vergoldung der Polituren eine Reinheit gegeben ward, die Nichts zu wünschen übrig laßt.—Dank dem vielbekannten Künstler, Herrn Professor M a u ch in Stuttgart, der durch die herrliche Komposition auf's Neue bewies, wie er die besten Mittel zu wählen versteht, um seine Ideen zu versinnlichen. Auch dem Herrn Silberarbeiter Herrmann kommt das Verdienst zu, durch feine technischen Arbeiten an diesem Pokale, durch seinen Fleiß und seine Geschicklichkeit die Leistungen beider oben genannten Künstler zu einem schönen Ganzen vereinigt zu haben.