Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 21 (17.5.1847)
- Date
- 1847-05-17
- Page
- Seite 318 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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318 die Herzlichkeit, mit welcher sie vorgetragen wurden, einen sehr wohlthuenden Eindruck hecvorriefen. Hochverehrter Herr! Gönnen Sie auch mir einige Augenblicke, Ihnen die Empfindungen und Gefühle auszudrücken, welche das soeben enthüllte Zeichen der Anerkennung, das Ihnen von sammtlichen Israeliten des Landes dargebracht wurde, in mir hervorgerufen. Obenan auf dem Ehrenzeichen steht unser erster Lehrer Moses. Nach der heiligen Geschichte unseres Glaubens vom Herrn aufgefordert, trat er vor den egyptischen Thron, um für Israel Freiheit zu fordern. Anfangs weigerte er sich, diesen Auftrag anzunehmen, weil er nicht ein Mann der Rede sei; jedoch ermuntert durch die Zusicherung des Herrn: ich werde mit dir sein, und meine Worte dir in den Mund legen, trat er seine Mission an und siegte. Diesem Beispiele folgten spater viele edle Geister. Der Glaube und die Ueberzeugung, daß in allen Fällen, wo es sich um Befürwortung großer und heiliger Menschenrechte handelt, der Herr den Menschen das Wort in den Mund legt, war es, welcher die Propheten beseelte, wenn sie hintraten vor Könige und Fürsten, um von denselben für ihre Unterthanen Rechte und Freiheiten zu fordern. So in der Vergangenheit, zu der Zeit, als Israel noch einen selbstständigen Staat bildete. Spater änderten sich zwar die Verhältnisse, der Staatsorganismus ward ein anderer und auch die Stellung Israels in demselben; jedoch das Verhaltniß blieb sich gleich, daß Israel Rechte und Freiheiten vermißte, welche anderen Staatsangehörigen zu Theil wurden; aus das Verhaltniß blieb, daß der Herr immer edle Geister in Israel erweckte, denen er, um mit der Schrift zu sprechen, das Wort in den Mund legte, um für Israel Recht zu fordern. So ein Philo, ein Josephus Flavius, Don Isaak Abarbanell, Manasse den Israel, die sich durch ähnliche Bestrebungen bleibende Denkmäler gesetzt; und in neuerer Zeit ein Gabriel Rießer und Moses Montcfiore. Wozu aber den Blick in die Ferne richten? Dank der gütigen Vorsehung, daß wir in unserm Vaterlande einen glänzenden Beweis hievon haben. Sie, hochverehrter Herr Assessor, haben, seitdem Regierung und Stände die Verhältnisse der Israeliten zum Gegenstände ihrer Berathung und Gesetzgebung machten, immer in der ersten Reihe das Wort für Israels Glauben, für Israels Recht genommen. Mit Recht erwähnten Sie in Ihrer Antwort der Zeit vor 20 Jahren. Da ließen sich allerdings Stimmen vernehmen, als ob die israelitische Religion ihre Bekenner unfähig mache, treue und wahre Bürger des Staates zu sein; ja als ob unsere heilige Religion den Staatsinteressen widerstrebende Lehren und Grundsätze enthalte und verbreite. Da traten Sie auf in Schrift und Wort, wiesen aus unseren heiligen Urkunden nach, daß diese Anklage unbegründet sei; Sie zeigten, daß das Verhältniß der Synagoge zum Staate kein anderes sei, als das der bestehenden Kirchen; Sie zeigten, daß nach unserer Religion den Israeliten gleiche Pflichten gegen alle Menschen binden. Das war Ihre Wirksamkeit auf religiösem Gebiete. Was Sie zur bürgerlichen und sozialen Erhebung der Glaubensgenossen unseres Vaterlandes erstrebt und gewirkt, möchte ich um so weniger wiederholen, als der verehrte Redner vor mir es in Worten geschildert, wie ich sie besser und schöner nicht wiedergeben könnte; nur so viel erlaube ich mir zu sagen, daß sie mir und zuversichtlich allen Israeliten des Landes wie aus der Seele gesprochen waren. Nehmen Sie den tiefgefühltesten Dank im Namen derselben, insbesondere im Namen der Gemeinden Buchau, Buttenhausen und Jebenhausen, deren anwesende würdige Vertreter mich mit dem Aufträge beehrt, Ihnen diese Gefühle und Gesinnungen darzulegen." Als Erwiderung auf diese Worte sprach der Gefeierte ungefähr Folgendes: „Sie haben einen wahren, in der Geschichte unseres Israels tief begründeten Gedanken ausgesprochen, Herr Rabbiner. Ja, der Einige und Alleinige, der durch der Propheten Mund den Vätern sich offenbarte, dem die Einen unter uns anhängen, weil ernste Forschungen sie in den ewigen Wahrheiten bestärkt, die Anderen aus Glaubensinnigkeit, der Gott Israels — den anzubeten und zu lieben (es sei mir gestattet, in dieser erhebenden Stunde es zu erwähnen) eine von den Heiligen unter den Müttern in Israel auf den Knieen mich gelehrt, Gott hat uns nie verlassen, mit seiner heiligen Hülfe, im Vertrauen auf ihn werden wir obsiegen; er wird unsere Kämpfe zum Segen und zum Heile führen, sowol in bürgerlichen, als in kirchlichen Dingen. Erlauben Sie mir dabei zu erinnern, welch ein mächtiges Mittel zum glorreichen Siege in dem Gefühle der Brüderlichkeit liegt, welches uns Israeliten vereinigt, und das nicht aufhören sollte, wie verschieden auch unser Standpunkt, unsere Stellung, unsere Bildungsgrade seien. Man kann, ich bin mich dessen bewußt, und Sie, verehrte Herren, mit mir, mit innigster Liebe und Anhänglichkeit an dem theuern Vaterlande hängen, den christlichen Mitbruder