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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-05-17 · Heft 21 (17.5.1847) · p. Seite 317

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 21 (17.5.1847)
Date
1847-05-17
Page
Seite 317 (sequence 9)
Language
German
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317 hat sich geändert, der Grund existirt noch. Das Wort Fanatismus ist aus dem Wörterbuch der zivilisirten Nationen verschwunden, aber cs giebt ein gleichbedeutendes Wort: der Fanatismus nennt sich jetzt „religiöses Vorurtheil". Wenn diese puritanischen Maurer nicht wahre Fanatiker wären, welch' giltiges Motiv könnten sie der Verweigerung unterlegen, Maurer, die in England und Frankreich ausgenommen sind, an ihren Arbeiten Theil nehmen zu lassen, weil sie Israeliten sind? Ihre Opposition kann nur auf Subtilitäten beruhen, denn sie wissen wohl, daß keine Loge Frankreichs und Englands den Titel eines Maurers Leuten verleiht, die unwürdig der maurerischen Gesellschaft sind. Man sei streng in Betreff des Israeliten, der die Weihe verlangt, man begünstige ihn nicht, man lege ihm alle Prüfungen auf, man untersuche genau sein früheres Leben, aber ausgenommen in die große maurerische Familie, sei er nicht der Demüthigung ausgesetzt, der zermalmenden Verachtung, welche man ihm auferlegen will, eine Unwürdigkeit, die mehr den Abweisenden, als den Abgewiesenen trifft." Im Monat August wird ein maurerischer Kongreß zu Stuttgart gehalten werden, wo diese Frage definitiv gelöst werden wird. Korrespondenz. Stuttgart, 22. April. Die am 17. April d. I. stattgefnndene feierliche Ueberreichnng eines Chrenpokals an Herrn Kollegialaffessor vr. Weil in Stuttgart. (Schluß.) Der Gefeierte, von der Rede seines Freundes Herrn Dr. Dreifuß, und von dieser Huldigung, die ihm das ganze Land darbrachte, sichtlich ergriffen und tief bewegt, erwiderte sehr bescheiden, ablenkend von seinem Verdienste: Wie er vor Allem um Nachsicht bitten müsse, wenn er in diesem Augenblicke, wo seine Gefühle ihn übermannten, überrascht von diesem Zeichen der Güte und der Anerkennung, nicht die geeigneten Worte finde, um seinen tiefen, innigen Dank auszudrücken. Wenn er sich frage, mit was er verdient, daß seine Glaubensgenossen ihm mit so vieler Nachsicht, so großes Wohlwollen, eine so herrliche Anerkennung angedeihen lassen, so finde er im Hinblick auf seine nun allerdings nahezu 20jährige Wirksamkeit in seinem lieben Adoptiv-Baterlande so wenig Erhebliches, daß er nur annehmen könne, man habe nicht seinen Handlungen und seinen Werken, sondern nur der Treue seiner Gesinnung diese erhebende Anerkennung zu Theil werden lassen wollen. Aber die Gesinnung belohne man nicht, denn sie sei des Menschen eigenthümlichstes Wesen, und die Treue im Dienste einer heiligen Sache so natürlich, daß die Glaubensgenossen mit dem Meisterwerke, daß sie ihm, dem Redner, verehrten, wol nur ihre Uebereinstimmung mit dem, was er für ihre bürgerlichen Rechte geschrieben und gesprochen, offenkundig machen wollten. Als Solches begrüße er freudig dieses ruhmvolle Zeichen, weil es die Ueberzeugung gebe, daß das, was er vor achtzehn Jahren schon angestrebt — damals allein, ununterstützt und gegen die vorherrschende Meinung der christlichen Mitbürger — nunmehr, wo so treffliche Männer und Freunde ihn mit ihrem Rathe, ihren Einsichten, ihrer Mitwirkung unterstützten, wo unter den Israeliten des Landes ein rühmlicher Gemeinfinn entstanden, wo die öffentliche Meinung im ganzen Vaterlande sich so entschieden zu Gunsten der vollen Gleichberechtigung ausgesprochen, auch siegreich werde durchgeführt werden. So nehme er denn diese Ehrengabe an; wie das Legionszeichen gestellt werde in das Haus eines der Führer, als ein Symbol der gemeinsamen, allseitigen Treue im heiligen Kampfe für die gleiche Sache. Sie werde seinen Kindern und Enkeln noch zur dankerfüllten Erinnerung dienen, an die Liebe, die Nachsicht und das Wohlwollen, mit welcher die Glaubensgenossen ihn für seine geringen, wenn auch treuen Dienste belohnten, und welche nicht nur durch dieses erhebende Ehrengeschenk, sondern auch durch den rührenden Akt der Uebergabe und durch die Mitwirkung so vieler verehrter Männer sich bekunde. Nun ergriff der Abgeordnete für die Gemeinde Buchau, Herr Rabbiner Güldenstem, im Namen und im Aufträge seiner beiden anwesenden Kollegen, die von den Gemeinden Buttenhausen und Jebenhausen abgeordnet waren, das Wort. Der überraschende Eindruck, den die Enthüllung des Pokals bewirkt, so wie die vom Herrn Dr. Dreifuß gegebene sinnige Deutung führte den Herrn Rabbiner zu folgenden, wenngleich vom Augenblicke eingegebenen, dennoch sehr passenden, gediegenen und wohldurchdachten Worten an den Gefeierten, die durch 21*

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