Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 21 (17.5.1847)
- Date
- 1847-05-17
- Page
- Seite 315 (sequence 7)
- Language
- German
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315 stehenden zivilrechtlichen und zivilprozessualischen Ausnahmegesetze auszuheben, mit 27 gegen 13 Stimmen verworfen. Die Anträge des Ausschusses auf allmälige Emanzipation der Juden mit ihrer fortschreitenden Theilnahme an bürgerlichen Gewerben rc. re. wurden mit38gegen 1 Stimme angenommen. (H.Bl) Preußen. Berlin, 4. Mai. Der 14te Jahresbericht über das jüdische Waisen-Erziehungsinstitut für Knaben, unter Leitung des Herrn B. Auerbach ergiebt, daß das 1833 mit 4 Zöglingen errichtete Institut jetzt deren 20 zählt. 49 haben in dieser Zeit dort Erziehung und Ausbildung empfangen, und sich verschiedenen Handwerken und anderen Lebensbeschäftigungen gewidmet. Das Vermögen der Anstalt beträgt 31,000, die Jahresausgabe hat 3390 Thlr. betragen. Berlin, 5. Mai. (Privatmitth.) Man ist allerdings auch hier nicht gleichgiltig für das Schicksal, welches der dem Landtage vorgelegte Gesetzentwurf haben werde. Was Berlin an bedeutsamen Männern besitzt, sucht darauf zu wirken, und der Vorstand der hiesigen Gemeinde ist nicht der Letzte. Näheres anzugeben ist jetzt nicht die Zeit. Hegen wir Vertrauen. Magdeburg, 11. Mai. (Privatmitth.) Unsere Erwartung hat sich nicht getäuscht, und täglich laufen Vollmachten und Zustimmungen von Gemeinden zu unsrer Petition um den Eid more judaico ein. Indem wir hiermit für diese Bereitwilligkeit danken, geben wir zu erkennen, daß wir die Absendung der Petition doch noch einige Wochen aufzuschieben entschlossen sind, und zwar weil das hohe Justizministerium durch den Landtag doch zu sehr in Anspruch genommen ist, als daß eine jetzt eingereichte Petition ihre volle Wirkung hätte. So wie aber dieser Zeitpunkt vorüber ist, wird sie an ihre Bestimmung abgehen. Magdeburg, 11. Mai. (Privatmitth.) Nach uns zugekommenen Nachrichten ist die Kommission, welche den Entwurf zum neuen Judengesetz vorzuberathen hat, vom besten Geiste für uns beseelt, und hat mit Ausschluß einer Stimme aus Westphalen die Gleichstellung anzutragen beschlossen, so daß hiernach der Entwurf gänzlich umgearbcitet werde. Im Widerspruch mit dieser Nachricht enthält die hiesige Zeitung folgende Korrespondenz: „Das vorliegende Judengesetz soll in den jetzt statthabenden Vorsitzungen der betreffenden Kommission zu eifrigen Besprechungen Veranlassung geben, da die Meinungen in der Kommission so abweichend von einander sind, daß eine Vereinbarung schwierig erscheint. Während einige Mitglieder der Kommission von Grundansichten ausgehen, welche entschieden zu Gunsten der Juden sind, erklären andere Mitglieder derselben, daß diese Ansichten durchaus nicht von ihnen getheilt werden könnten, ja daß fast die sämmtlichen Abgeordneten einer Provinz (Sachsen?) sich dagegen aussprechen würden. Die für die Juden stimmenden Mitglieder der Kommission besorgen bereits, bei der Berathung des Judengesetzes in der großen ständischen Versammlung in der Minderheit zu bleiben. Indessen möchte sich mit Gewißheit noch Nichts darüber bestimmen lassen, da die Ansichten der größern Zahl der Ständemitglieder zur Zeit noch nicht bekannt sind." Die Korrespondenz trägt noch zu sehr den Charakter der Ungewißheit an sich; jedenfalls haben wir einem bedeutenden Kampfe entgegenzusehen. Griechenland. Athen, II. April. Der alte Jawan hat sich einmal wieder in seinem echten Charakter gezeigt. Ein Bericht hierüber lautet: Da das Bild des Judas Jschariot an den vergangenen Ostertagen nicht in den Kirchen aufgestellt war, welches von dem Pöbel alljährlich verbrannt zu werden pflegt, so glaubte der Letztere, der portugiesische Gesandte, ein Israelit, habe das Bild wegnehmen lassen, zog nach seinem Hause, demolirte Alles und mißhandelte den Konsul, so daß es ihm mit genauer Noth gelang, sich mit seiner Familie durch das Dach zu retten. Er hat sich nun unter den Schutz des englischen Konsuls gestellt und verlangt 100,000 Lhaler Entschädigung. Freilich sind Mehre der Tumultuanten gefänglich eingezogen, wären sie es aber auch Alle, so würden sie doch selbst für einen geringen Theil dieser Summe nicht aufkommen können. In einem andern Berichte heißt es, er sei früher portugiesischer Gesandte gewesen, und heiße Pacisico. Der Pöbelhaufe eilte mit Steinen bewaffnet an das Haus des ehemaligen Konsuls, demolirte Thüren, Läden, Fenster, zerschlug den Hausrach und warf die