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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-05-17 · Heft 21 (17.5.1847) · p. Seite 312

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 21 (17.5.1847)
Date
1847-05-17
Page
Seite 312 (sequence 4)
Language
German
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312 sich durch mehre eigenhändige Schreiben an den Direktor Hofrath Schott und an den Präsidenten Js. Jakobson um eine Freistelle in der Jakobsonsschule zu Seesen. Seine Bemühungen wurden endlich belohnt: am 16. Juni 1811 wurde er ausgenommen. Direktor Hosrath Schott, vr. Heinroth und der jetzt noch als Hausvater und Lehrer der Erziehungsanstalt fungirende G. Rosenstein waren seine Lehrer. Sein reger Fleiß, der seine ausgezeichneten Anlagen zur schönsten Entwickelung entfaltete, machte ihn zum Liebling seiner Lehrer. Heinroth, der ihn vorzüglich in den alten Sprachen unterwies, erklärte ihn 1814 als überreif für die Anstalt. Vom Hofrath Schott als ein talentvoller Jüngling empfohlen, wurde er, väterlich von Israel Jakobson unterstützt, am 3. Juli 1815 Schüler der dritten Klasse des berlinischkölnischen Gymnasiums. Alle Zeugnisse aus der Zeit seines Gymnasiallebens loben seinen anhaltenden Fleiß, seine Ordnungsliebe und Sittlichkeit. Nach rühmlichst bestandenem Abituricnten-Examen widmete sich W. am 26. September 1818—1822 auf der Universität zu Berlin dem Studium der Philosophie und war besonders ein eifriger Zuhörer Hegels. Am 1. Juni 1822 wurde er Mitglied des Vereins für Kultur und Wissenschaft der Juden, an dessen Spitze die bekannten Männer: Gans, Zunz und Moser standen. An Moser halte W. einen gemüthvollen, philosophisch gebildeten Freund, mit dem er einen witz- und lehrreichen Briefwechsel führte. Bekannt als ein freisinniger, für den Fortschritt erglüheter Mann, wurde W. während der Michaelismesse 1822 an den neuen, nach Hamburger Ritus eingerichteten israelitischen Tempel in Leipzig als Prediger berufen. Dort übergab er eine Predigt: „Die Bedeutung des Lebens, gehalten am Sabbat in der Festwoche des Hüttenfestes 5583. Leipzig, bei Kollmann," dem Drucke. Einem ehrenvollen Rufe folgend, trat W. eine Lehrerstelle an der israelitischen Freischule zu Hamburg an am 1. Januar 1823. Ueber seine Wirksamkeit in Hamburg spricht sein würdiger Freund, Herr Dr. Salomon, in einem dem Heimgegangenen geweihten Nachrufe: „15 Jahre hindurch lehrte und wirkte er an der jüdischen Freischule mit dem segenrcichsten Erfolg, denn er verstand die seltene Kunst zu lehren, weil er auf das Herz der Jugend durch Wohlwollen und Liebe, auf den Geist der Jugend durch Wahrheit und Klarheit einzuwirken wußte. Und Liebe und Achtung war der Lohn, den Alt und Jung, den Eltern und Kinder ihm zollten." 1829 wurde W. von der philosophischen Fakultät der Universität zu Kiel zum Doktor der Philosophie ernannt. Mißliche Verhältnisse im Judenthum und eine Stellung in der israelitischen Freischule, die ihn in jeder Hinsicht unbefriedigt ließ, erweckten um diese Zeit in W. den Entschluß, auszuwandern, den er auch wo! ausgeführt haben würde, wenn nicht die angesehensten und tüchtigsten Männer unter den Israeliten in Hamburg zusammengetreten wären, um ihm eine seinem Geiste und seinen Kräften angemessene Stellung zu sichern. Bald nach dieser günstigen Wendung seiner Lage fesselte ihn ein neues Band an Hamburg: das Band der Liebe. Er verlobte sich mit Friederike Marburg, die er im Oktober 1831 als Gattin heimführte und dadurch, wie durch die Vereinigung mit ihrer allgemein verehrten Familie, sein eigenes Familienglück gründete. Im Kreise der Seinen genoß er seine schönsten Freuden; denn er konnte unter Kindern selbst wie ein Kind werden. In Hamburg verfaßte W. einige kleine Schriften: „Bemerkungen über den Stand der hamburgischen israelitischen Freischule. Hamburg 1825, bei Otto." — „Grundsätze der religiösen Wahrheitsfreunde oder Philalethen. Kiel, Universitätsbuchhandlung, 1839." (Ein interessantes Religionsbekenntniß.) Am 6. Februar 1834 erkannte die Hamburger Gesellschaft zur Beförderung der Künste und nützlicher Gewerbe (patriotische Gesellschaft genannt) seiner Schrift: „Ueber die sittliche Verbesserung weiblicher Dienstboten" den Preis zu, und ernannte ihn, nachdem er denselben der Armenkasse überwiesen, zu ihrem Ehrenwitgliede. Im Juli 1834 erschienen in Hamburg bei Hoffmann und Campe: 1) seine Preisschrift „Ueber das Gesindewesen, herausgegeben von der Gesellschaft zur Beförderung der Künste und nützlicher Gewerbe;" 2) „Beiträge zur Theorie des Armenwesens. Veranlaßt durch des Herrn Karl Godefroy: Theorie der Armuth." Oft verkündete er das Wort des Ewigen an heiliger Stätte „und nahm mehre Jahre hindurch thätigen Antheil an der Verwaltung des neuen Hamburger Tempels als Deputirter. Umsicht und Liebe leiteten ihn als Mitherausgeber des im genannten Tempel eingeführten Gesangbuches, und viele der erbaulichsten

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