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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-05-17 · Heft 21 (17.5.1847) · p. Seite 311

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 21 (17.5.1847)
Date
1847-05-17
Page
Seite 311 (sequence 3)
Language
German
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311 Sprossen edlem Geistes befällt und verzehrt — darum ist weiter kein Kümmerniß. Sie lernen lesen und schreiben, und wol auch ihren Katechismus auswendig — was will man mehr? Was können aber alle späteren Institutionen helfen, wenn die junge Generation vom Uebel ergriffen und durchdrungen ist, und so dem Leben iur ein faules Holz bietet zu seinem Gedäu? Möchten >ie stürmischen Weltverbesserer statt an unfruchtbare Lheorieen hieran denken; denn nur mit dem moralischen Menschen läßt sich an eine verbeffecte Gesellschaft denken. Sinnet die erhabenste Gesellschaft aus, und traget den Menschen mit all seinen Leidenschaften, mit all seinen moralischen Gebrechen in dieselbe hinüber: so wird sie sich als unzulänglich erweisen, so wird sie zusammenfallen. Nein! die Moralität der Menschheit, dies ist das Einzige, was man im Auge haben muß — dann wird sich alles Andere von selbst ergeben. Die Welt läßt sich nicht aus den Angeln heben; die Menschheit ist stets zu allmäliger Entwickelung bestimmt — diese aber ist nur auf dem Wege der Moralität, durch das Mittel der Erziehung möglich. Also auf die Erziehung in den unteren Regionen der jüdischen Masse wird das erste und bedeutsame Interesse gerichtet sein müssen. Gerade in diesem Punkte fand im altern Zudenthume eine ausgezeichnete Sorgfalt statt, und wird dies stets ein Ruhm desselben verbleiben. Nachdem aber der ganze Modus und Inhalt des ältern jüdischen Unterrichts durch die Zeit beseitigt worden, ist es die höchste Pflicht des neuern Iudenthuws, dieses Erbe der Borzeit aus angemessene Weise nicht verloren gehen zu lassen, und nicht, statt ein Besseres für sich anzustreben, in die laxen Wege der allgemeinen Welt sich zu verlaufen. Die Zugend als unmittelbar die der Gemeinde anzusehen, und, so wie die Gemeinde für die Armen zu sorgen, und dafür bedeutende Summen auf ihren Etat zu bringen für nothwendig erachtet, so insbesondere dasselbe für die Jugend zu thun. Die Errichtung einer Schule, worin die Elementarkenntnisse gelehrt und beigebracht werden, kann hier nicht genügen. Zuerst muß der Mangel von der Jugend fern gehalten, die Kinder der Armen wenigstens mit gesundem Mittagbrod und mit Kleidung versehen werden; zweitens muß die moralische Haltung der Kinder zum Gegenstände der steten Fürsorge werden; endlich drittens muß die Schule die Wege der Industrie anbahnen, und nicht allein Elementar-, sondern auch Industrieschule werden. In solchen Dingen, um nur das Letztere mit einer Bemerkung zu begleiten, sieht man oft den Wald vor Bäumen nicht. In allen Mädchenschulen werden die Nachmittage weiblichen Handarbeiten gewidmet, selbst in den höheren Töchterschulen, und die Vormittage genügen zur Beibringung der nöthigen Kenntnisse. Warum wenden die Knabenschulen die Nachmittage nicht zu gleichen Zwecken, zur Arbeit, zu manueller Geschicklichkeit an? warum wird auch diese Zeit zum Erwerbe tobten Wissens verbraucht, wobei der Körper ruht? Kommen dann die Knaben aus der Schule in die Lehre, dann wird auf einmal vom ungewohnten Körper gerade das Gegentheil gefordert, und dagegen bleibt Alles zurück, was in der Schule getrieben worden — so stehen sich auch hier Schule und Leben schnurstracks gegenüber! (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Seesen. 20. April. „Mag die Zeit mit Sturmcscile Alles Endliche verweh'n: Nimmer kann der wahren Größe Würdig Denkmal untergeh'n." So hat Immanuel Wohlwill selbst einst gesungen, der an wahrer Größe Reiche, dessen Andenken diese Zeilen geweiht sind. In tausend Herzen hat die Tiefe seines Geistes und die Begeisterung seines Gemüthes lebendiges Streben nach Göttlichem und Heiligem erweckt. Das ist das Denkmal, das er sich selbst gesetzt hat, und das nie aus der Brust seiner Freunde und Schüler schwinden wird. Immanuel Wohlwill (bis zum 29. Oktober 1822 Immanuel Wolf genannt) wurde am 28. August 1799 in dem bernburgischen Städtchen Harzgerode von unbemittelten Eltern geboren. Seinen Vater, der israelitischer Lehrer war, verlor er schon 1896 und seine Mutter 1808. Von 1807—1811 lebte der früh Verwaiste im Hause eines jüdischen Lehrers in Hornburg im Halberstädtischen, wo ihm die Erlernung der hebräischen Sprache zur Hauptaufgabe gemacht wurde. Durch Fleiß und glänzende Fortschritte erwarb er sich die Liebe seines Lehrers so, daß dieser seine Entwickelung gern länger geleitet hätte. Allein I. W. bewarb

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