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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-05-10 · Heft 20 (10.5.1847) · p. Seite 306

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 20 (10.5.1847)
Date
1847-05-10
Page
Seite 306 (sequence 14)
Language
German
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306 Korrespondenz. Stuttgart, 22. April. Die am 17. April d. I. stattgefundene feierliche Ueberreichung eines Ehrenpokals an Herrn Kollegialassessor Dr. Weil in Stuttgart. Sie, geehrter Herr Redakteur! erhalten hiermit einen Bericht von einer zwar einfachen, aber durch die Herzlichkeit und Warme, die sich dabei kund gab, ausgezeichneten, und im Hinblick auf den Gemeinsinn und das einheitliche Streben, von dem sie ein so schönes Zeugniß giebt, bedeutungsvollen Feier, welche einem Manne galt, der seit mehr denn 20 Jahren mit unverdrossenem Eifer für die bürgerliche und politische Erhebung seiner Glaubensgenossen in Württemberg kräftig gestritten und muthig gekämpft, dem von allen Israeliten des Landes hochgeschätzten Herrn Kollegialassessor Dr. Weil in Stuttgart. Es war am 17. d. M., da sah sich der Gefeierte unvermerkt und ungeahnt von einem größer« Kreise achtbarer Männer aus der Hauptstadt und den Landgemeinden aus nah und fern umgeben, herbei geeilt, um dem hochverehrten Manne die Gesinnungen der Liebe und Dankbarkeit im Namen ihrer Kommittenden auszusprechen und nicht minder dem eigenen Herzenstriebe zu genügen. An der Spitze stand ein Konnte, das vo» einer frühern, gleichfalls durch die Bezirke des Landes beschickten Verstümmlung, welche das Bedürfniß fühlten, dem Manne, der so viele Verdienste um die für die Israeliten Württembergs bis jetzt heiß errungenen Rechte und Freiheiten sich erworben, ein äußeres Zeichen der Anerkennung zu weihen, zu diesem Zwecke gewählt und mit der Ausführung desselben beauftragt worden, bestehend aus den HH. Dr. Dreifuß, Rechtskonsulent Jordan und Rechtskonsulent Kaulla. Der ehrenwerthe Sprecher des Konnte s, Herr Dr. Dreifuß, eröffnete die Feier mit einer Anrede an den Gefeierten, die also lautet: „Wir kommen, um im Namen sammtlicher Glaubensgenossen in Württemberg, Dir, dem unermüdeten Kämpfer für ihre Rechte, warmen, tiefsinnigen Dank zu sagen. Nur schüchtern übernahm ich den ehrenvollen Auftrag, als Sprecher in diesem Kreise aufzutreten; ich that's, weil ich, seit 18 Jahren in ununterbrochener freundschaftlicher Verbindung mit Dir, besser als jeder Andere die Hingebung und aufopfernde Liebe kenne, womit Du besonders Deinen gedrückten Glaubensgenossen jeder Zeit Deinen Dienst midmest, besser als jeder Andere weiß, wie Du gekämpft und gestritten für sie, wie Du gleich einem sorgfältigen Arzte Nächte durchwacht, um aus dem reichen Schatze Deines Wissens Heilmittel aufzusinden gegen ihre Schmerzen und Leiden. Für solche Dienste, verehrter Freund, giebt es wahrlich keine Wort des Dankes; das beseligende Bewußtsein, für die heiligsten Rechte der Menschheit gewirkt, nicht blos für das Jetzt, sondern für die späte Zukunft gewirkt zu haben ist der einzige, aber auch der schönste Lohn. Wenn gleich im Lauf der Dinge Nichts so leicht vergessen wird, als empfangene Wohlthaten, so darfst Du dessen ungeachtet glauben, daß, was Du gethan, nicht nur in unserm Gedächtnisse sich lebendig erhalten, sondern auch auf unsere Nachkommen übergehen wird. Daß es uns drängte, durch irgend ein sichtbares Zeichen Dir unsere Anerkennung zu beweisen, magst Du uns zu gut halten. Deine Kinder und Kindeskinder sollen sehen, daß wir einen Mann zu ehren wußten, der Kopf und Herz und Wissenschaft mit seltener Hingebung dem Dienste der Menschheit widmete. Ohne von Religion und ihren ewigen Wahrheiten durchdrungen zu sein, kann nichts Großes und Edles zu Stande kommen; daß, was Du gethan, zur Ehre Gottes geschah, wissen wir. Diese Idee, mein lieber Freund, liegt dem Ehrenbecher zu Grunde, welchen wir Dir hiermit übergeben." Diese Worte voll Herzlichkeit, von den Gesinnungen der Liebe und Dankbarkeit durchdrungen und die hohen Verdienste des Gefeierten so wahr und würdig bezeichnend, hatten in den Herzen aller Anwesenden einstimmigen Wiederhall gefunden und nicht verfehlt, den tiefsten Eindruck auf dieselben, wie nicht minder auf den Angeredeten hervorzubringen, ein Eindruck, der sich bei Manchen im Erguß von Thränen zu erkennen gab. Wie wurden aber die Anwesenden zur Bewunderung hingerissen, als die Hülle sich löste und sich ihren Blicken das Ehrenzeichen für den Gefeierten zeigte! ein Kunstwerk, von dem man nicht weiß, soll man mehr die vortreffliche Idee, die es versinnlicht, oder die ausgezeichnete Ausführung derselben bewundern. Wir erblicken einen circa 16 Fuß hohen Pokal aus gediegenem Silber, mit reichen Polituren und Vergoldungen und herrlichen Emblemen. Auf der Spitze des Bechers ruht Moses (nach der berühmten Statue Michael Angelo's), der göttliche Mann, auf einem Felsen sitzend, die Gesetztafeln haltend, das göttliche Wort uns verkündend. In dem Mittel-

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