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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-05-10 · Heft 20 (10.5.1847) · p. Seite 303

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 20 (10.5.1847)
Date
1847-05-10
Page
Seite 303 (sequence 11)
Language
German
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303 Geistlichkeit rc.) ausgebracht hatten, erhob sich Dr. Raphall unter stürmendem Beifall und begann *): Herr Präsident und meine Herren! Ihr überaus gütiger Empfang überrascht mich fast zu sehr zum würdigen Proponiren des Toastes, der mir über Alles theuer ist. Doch will ich Ihnen frei und freudig Vorschlägen: „Emanzipation der Juden!" Denn es bedarf nicht großer Rednergaben, um ihm dem wärmsten Empfang zu sichern, nicht vieler logischen Beweisführungen, um die Gcmüther zu überzeugen, nicht pathetischer Deklamationen, um meiner Hörer Gefühle zu gewinnen. Es ist ein Zweig des Baumes, der in seiner glorreichen Größe dem Britten mit Recht so theuer ist, ein Hauptzweig des edeln Baumes der Bürger- und Glaubensfreiheit, unter dessen wohlthuendem Schatten der Britte lebt und wirkt und existirt! Und so weiß ich, so fühle ich, daß, wenn er auch schwach ist, der Ausdruck meiner Gedanken wiederhallt in aller guten Menschen Seelen und seine mächtigen Sachwalter findet in aller weisen Männer Herzen. (Beifall.) Denn was anders fordern wir brittische Juden von unseren Landsleuten, als — Gerechtigkeit? Gerechtigkeit, jedes Britten angebornes Recht, der Grundpfeiler unserer Konstitution! Der Polarstern, der den Staatsmännern Albions leuchtete beim Durchbrechen der eisigen Schranken, die der Vorurtheile erstarrender Hauch erhoben zwischen den Menschenbrüdern; — als sie die Bande lockerten, womit bigotte Selbstsucht die Menschenrechte in den Staub gedrückt! (Beifall.) Nach einander sind diese Fesseln zerbrochen, nach einander sind diese Bande zerrissen worden durch die Kraft der öffentlichen Meinung, die da Gerechtigkeit fordert und gicbt, bis endlich nur noch ein Glied der tief einschlagenden Kette unzerschnitten bleibt. Der Widerruf der Test- und Korporationsakte, die Emanzipation der Katholiken, die Abschaffung des Sklaven- *) Wir bemerken noch, daß diese Rede ungekürzt in dem Barbados Mercury vom 12. Mai 1846, von dm englischen Journalen kopirt und in dem Sydney Speclator vom 4. Juli 1846 abgedruckt wurde, daß sie also in beiden Hemisphären gelesen, in allen Zonen wiederholt ward. Diese Auszeichnung und Verbreitung ist unsccs Wissens nur einigen wenigen ministeriellen Reden zu Theil geworden und dann auch nur darum, weil sie die Spezialinteressen der respektiven Leserkreise berührten. Handels, die Bill der Diffenterkapellen, und (das Letzte, aber für uns Juden nicht das Geringste) die in letzter Sitzung zu unfern Gunsten passirte Parlamentsmaßregel: das sind die Trophäen, die die öffentliche Meinung im Kampfe des Rechts errungen! — Und mit dem Toaste, mit dem Ruf nach Emanzipation der Juden fordern wir nichts Anderes, als daß jene Beweise von Gerechtigkeit ergänzt werden, nach ihrem wahren Geist und Sinn, so daß Niemand mehr Glaubens wegen leiden müsse! (Großer Beifall.) Ich fordere, daß während Romanisten und Sozialisten, Neuheilige und Deisten keine Gedankentare zahlen, ich, der Jude, auch nicht gcpönt sein solle für meinen religiösen Glauben, und während die Apostel der Johanna Southcoute, die Mormoniten des Joey Smith dem Staate nach ihren besten Kräften dienen dürfen und dafür die verdienten Auszeichnungen und Emolumente genießen, so fordere ich, daß wir, die Urenkel Abrahams und die Schüler Mosis, nicht mehr die einzige Ausnahme von dieser Regel bilden sollen, daß wir nicht mehr ausgeschlossen seien vom vollen Recht des freien Mannes, und nicht die Einzigen seien, die, obwol des Staates Lasten tragend, des Staates einz'gen Lohn nicht haben: Gleiches Recht für gleiche Treu! (Großer Beifall.) Wahr ist's, vor etlichen zwanzig Jahren, als Katholiken und Dissenters dasselbe Joch trugen, das uns noch heute drückt, damals konnten wir für unsere Beschwerden keinen Vorzug und für uns selbst kein Recht fordern, das ihnen noch fehlte. Aber jetzt, da Euch Euer Recht geworden, warum denn nicht auch uns? (Beifall.) Wir theilten ihre Leiden, ihr Kampf war auch der unsere: soll's nicht ihr Sieg auch sein? und soll ihre Emanzipation nicht auch unsere herbeiführen und sichern? (Großer Beifall.) Denn, ich sag' es wohlbedacht, hierin sind wir gleich! (Hört.) Rund um mich her sind viele Männer, gut und treu, und manchen Stamms und Glaubens, in jedem Auge glanzt der helle Geist, aus jedem Antlitz leuchtet Bruderliebe, auf jeder Stirne thront des Schöpfers Zeichen, daß Gott in seinem Ebenbild den Menschen schuf! Ist nun dies Zeichen minder klar, das Ebenbild nicht so vollkommen im Juden als im Christen? (Vielfaches Hört! und lauter Beifall.) Ist der Jude physisch oder geistig ungeeignet zu gleichen Rechten mit seinen Landeskindern andern Glaubens? Nein! (Wiederholter Beifall.) Haben Natur oder Gottes offenbartes Wort

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