Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 20 (10.5.1847)
- Date
- 1847-05-10
- Page
- Seite 302 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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302 Bundeslade prangte, besonders hervorhob, und die mit einem herzlichen Gebete für Se. Majestät den Kaiser, Ihre Majestät die Kaiserin und des glorreichen Kaiserhauses, bei offener Bundeslade, endete, der sich dann die österreichische Volkshymne: „Segen Oestreichs hohem Sohne, Unserm Kaiser Ferdinand" u. s. w. mit Begeisterung von der ganzen Gemeinde gesungen, anschloß. Den Schluß dieses für die israelitischen Glaubensgenossen unvergeßlichen Festes machte der 100. Psalm: „Jauchzt dem Herrn alle Welt", Choralgesang von Kr, Heßel in München. Genannte Psalmen wurden von dem israelitischen Sängerchor (16 Sänger) ausgezeichnet vorgetragcn, was nicht allein die Gemeindevorsteher, die den Gottesdienst zeitgemäß durch einen auferbaulichen Choralgesang zu heiligen und zu verherrlichen trachten, ehrt, sondern auch vorzüglich dem Kantor Herrn Salomon Steinhardler, der durch anstrengende und mit vielen Opfern verbundene Bemühungen diesen Chor bildete, und heute besonders Gelegenheit hatte, seinen schönen Tenor vortheilhaft zu zeigen (er schlägt das hohe h ganz rein im Brusttöne an), zum wohlverdienten Lobe gereicht. Mögen nun aber auch die Vorsteher dieses zu würdigen wissen, und Herrn Steinhardler in dieser Hinsicht kräftig unterstützen, damit mit der Zeit der edlere Gesang, der einen so wohlthätigen Einfluß ^auf die Gemüthsbildung ausübt, in dieser Gemeinde mehr Eingang, als bisher, finde. Die an diesem Feste eingeleirete Sammlung für wohlthätige Zwecke erreichte 250 Fl. K. M., wovon ein Theil auch an christliche Arme abgegeben wurde. K—. Großbritanien. London, 16. April. Unterhaus. In Erwiderung auf eine Anfrage erklärt Lord I. Russell, die Regierung beabsichtige nicht, eine Maßregel zur völligen bürgerlichen Gleichstellung der Israeliten einzubringen. Dagegen werde eine Bill vorbereitet, um die bisherige von den Israeliten geforderte Eidesformel, welche sie an der Uebernahme gewisser Aemter verhindert und sie vom Parlament ausschlicßt, zeitgemäß abzuändern. Doch werde diese Bill in der jetzigen Session wahrscheinlich noch nicht vorgelegt werden können. (Lord I. Rüssel hat sich zu oft für die völlige Gleichstellung der Juden, speziell für den Eintritt derselben in das Parlament ausgesprochen, als daß wir nicht mit Ruhe und Vertrauen auf seine, wenn auch späteren Schritte blicken sollten. Redakt.) Birmingham, 20. Februar. (Privatmitth.) fDie folgende Mittheilung ist uns erst jetzt zugekommen. Obgleich die Rede bereits fünf Vierteljahre alt ist, so stehen wir doch nicht an, sie hier wiederzugeben, nicht allein weil sie trefflich an sich, sondern auch weil sie im jetzigen Augenblick ä propos und schlagend in ihren Argumenten ist. Redaktion.) Um den zahlreichen Lesern Ihres geschätzten Blattes einen Begriff zu geben, welche Stimmung in der Nordhälfte Englands wegen unserer Glaubensbrüder herrscht, bin ich so frei, Ihnen folgenden Auszug aus der Liverpool-Mail vom 27. Dezember 1845 zu senden. Dies Blatt gab nämlich einen detaillirten Bericht der 34. Jahresfeier der Ilehrow Philanthropie Society, zu welcher sich außer vielen Mitgliedern und angesehenen Israeliten anderer Städte viele christliche Gäste der höheren Stände versammelt hatten. — Es schien, als hätten sich würdevolle Repräsentanten aller Konfessionen hier eingefunden, nicht zu steifem Zeremoniel, sondern zu herzlichem, erhebendem Verkehr als Menschenbrüder. — Eine besondere Weihe erhielt die Festlichkeit durch die Gegenwart des Vorkämpfers seines Volkes, des vr. M. I. Raphall, der wohlbekannte Prediger der hiesigen israelitischen Gemeinde, der allein die listigen Angriffe vieler englischen Judenfeinde mit den Waffen des Wissens und der Wahrheit wirksam zurückgeschlagen*). Dieser Mann erhöhte das Fest durch eine Rede, deren Uebersetzung hier nachfolgt, da sie unsere theuersten Interessen auf eine Weise berührt, wie sie sich nur von ihm erwarten ließ**). Nachdem nämlich das Tischgebet vorüber war, und der Präsident und dessen Beisitzer die üblichen Toaste (die Königin, das königliche Haus, die Gesellschaft, deren seligen Stifter, die israelitische *) Man sehe sein Judaism defended bei Gelegenheit der berüchtigten Damaskus-Angelegenheit, seine Two Leiters und seine zwei Kritiken gegen die Geistlichen W. R. Marsh und (den Trinitarier) Mr. Cooke. **) Wir schmeicheln uns, hierdurch unseren Glaubensgenossen in Deutschland eine befriedigende Probe zu geben, wie die Brüder unsers Volkes zu den Stammesbrüdern ihrer germanischen Landsleute reden.