Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 20 (10.5.1847)
- Date
- 1847-05-10
- Page
- Seite 301 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225497-3225518--08562-3239382- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
301 Welt herab zieht sich ein Volk, ein wahres Märtyrervolk, das wie auf Erden noch keines für seine Religion gelitten, geblutet und gebrannt; und dieses merkwürdigste, älteste aller Völker ist, seitdem es seine Selbstständigkeit verloren, seitdem man ihm die Krone vom Haupte gerissen — seine Herzenskrone, die göttliche Tiara "anon 'bwis anam a^w^a" hat ihm bisher noch keine Macht in der Welt entreißen können — ein Handelsvolk. Wir könnten noch andere Beispiele anführen; doch die bereits angeführten machen wol alles Weitere über diesen Punkt überflüssig. Wir erlauben uns nur noch Folgendes zu bemerken. Man arbeitet in unseren Tagen stark daran, unsere mit so beispiellosen Opfern erhaltene Religion auf allen Seiten zu unterminiren, man will ä tout prix den kahlen, eiskalten Deismus auf den Thron setzen. Das wird Euch nimmermehr gelingen! Sprecht uns auch nicht so viel vom Zeitgeist; Ihr wisset doch wol was der große Göthe sagt: „es ist der Herren eigener Geist." Gottlob, wir pflegen noch den Kern der Religion mitsammt seiner gesunden Schale. Wir lassen uns das nicht nehmen; wirkt doch selbst unser Geist nur mittelst des Wortes, das nur körperlicher Art ist. Wöget Ihr euch immerhin die niita wegsymbolisiren, wir halten hier den nvs noch hoch in Ehren. Und wollt Ihr wissen, wie wir's heuer damit gehalten? Ich sage es Euch. Wien hat 140 israelitische Handwerkslehrlinge, die fast alle bei christlichen Meistern untcrgebracht sind. Um nun auch diesen Knaben die hohe und tiefe Bedeutung des Erlösungsfestes recht an's Herz zu legen, gab man ihnen in der Religionsschule den sogenannten -ins, und das auf eine feierliche, gemüthlich e Weise. Außer der vollen Zahl der Lehrlinge waren der Religionslehrer, Herr Breuer, der eigentlich fungirte, die HH. Vorsteher des Handwerksvereins und der Tempelchor als mitwirkende Glieder zugegen. Herr Breuer leitete die Zeremonie mit einigen schönen Worten ein. Die Bibelstelle a^n ü3>b” ”■>“11553 ■'iis ■>»•> I^in bot ihm einen guten Anknüpfungspunkt über die Wanderschaft aus Egypten, über die weiteren Wanderschaften Israels, über die Wanderschaft der Handwerker und endlich über unser Aller Wanderschaft durchs Leben zu sprechen. Bei dieser Gelegenheit wurde auch Kappers schönes Wanderlied, von unterm trefflichen Sulzer in Musik gesetzt, mit Chor abgesungen. Bei der Tafel, die gut besetzt war, servirten die HH. Vorsteher mit aller wiener Gemüthlichkeit und Liebenswürdigkeit. Die Herren Lehrlinge hingegen hielten strikt aus die Vorschrift der man, wo es heißt: „iß und trink und laß es dir wohl gehen." Sie hatten leicht reden; sie brauchten sich nicht erst, wie Unsereins, mit der Hoffnung: nrwb" "■piin ba nnan zu vertrösten; sie waren es schon an diesen zwei Abenden, wie man's nur sein kann; und gewiß haben sie sich dabei gedacht: i-pni ■jrp ■>»! a'53'N ba firn nb’bi-i. Darum „Ihr dort draußen in der Welt, Die Nasen eingespannt!" Gar manches Schöne, das gefällt, Geschieht ganz still in unserm Land. B. Kewall. Böhmisch-Leipa, 14. April. (Privatmitth.) Der 5. April d. I. war ein Tag der schönsten, reinsten Freude in unsrer sehr zahlreichen Israelitengemeinde, die nämlich an diesem Tage, wie an allen Synagogen Böhmens, ein religiöses Dankfest, bezüglich des die Judensteuer betreffenden Gnadenaktes unsers gütigsten Monarchen feierte, und dieses wichtige, tief in das innere und äußere Leben der Israeliten eingreifende Ereigniß durch eine Herz und Sinn ehrende wohlthätige Handlung auszeichnete. Eingeleitet wurde diese Feier durch das Gebet: Ma-tobu, „Wie schön sind deine Zelte Jakobs", Choralgesang von Sulzer, dem die Psalmen 111 „Halleluja! Von ganzem Herzen dank' ich dem Herrn", und Ps. 21 „Ich schau empor nach jenen Bergen", ebenfalls von Sulzer, folgten. Zwischen den Psalmen wurden abwechselnd mehre Gebete gesprochen; eines in hebräischer, vom Herrn Rabbiner, und zwei in deutscher Sprache von den an diesem frohen Feste theilnehmenden Schülern der zweiten und ersten Klasse der israelitischen Trivialschule, wovon jenes in Versen verfaßte und vorgesprochen vom Herrn Jonas Neuburg, Lehrer der 2. Klaffe, den Zweck dieser Feier in treffenden Worten darstellte; das aber der 1. Klasse, vorgesprochen vom Herrn Lehrer Hübscher, ein kindliches Gebet für unser Kaiserhaus ausdrückte. Endlich bestieg nach den Psalmen 121, 61 und 72 der würdige Rabbiner Herr Herrmann Hamburger die Kanzel, und hielt eine diesem bedeutungsvollen Feste angemessene Predigt, in welcher er die hohe Gnade unsers allgeliebten Monarchen, dessen Bild im Tempel neben der 20*