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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-05-10 · Heft 20 (10.5.1847) · p. Seite 300

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 20 (10.5.1847)
Date
1847-05-10
Page
Seite 300 (sequence 8)
Language
German
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300 Aus Mecklenburg-Strelitz, im Mai. (Privatmitth.) Am 28. v. M. fand in Strelitz die Einweihung der renovirten Synagoge statt. Das alte Synagogengebäude war in solch' schlechtem Zustande, daß ein längerer Verschub des Umbaues kaum möglich war und da, wie überall, so auch in Strelitz die Sucht zum Neuen die Gemüther ergriffen, so begnügte man sich nicht mit der Entlassung des alten Rabbiners, sondern wollte dem neu anzustellenden auch ein würdiges Gotteshaus übergeben. Das Gebäude steht nun fertig da, einfach, aber würdig im Innern sowol, wie im Aeußern geziert. Zur Einweihungsfeier wurde Herr vr. Salomon berufen. Die Feier begann um 12 Uhr in Gegenwart des Hofes und einer sehr zahlreichen'Versammlung mit einem Präludium auf der Orgel. Dann folgte ein Einleitungsgesang von vr. Salomon gedichtet und vom Kammerherrn v. Oertzen in Musik gesetzt. Hierauf begaben sich die Vorsteher und Dcputirten, vr. S. an der Spitze, an die Pforten des Gotteshauses, empfingen dort die Gesetzrollen und trugen diese unttr abwechselndem Vortrag des vr. S. und des Chors nach der heiligen Lade. Auf den Musikliebhaber machte der nun folgende, vom Kammerherrn von Oertzen komponirte 84. Psalm einen wahrhaft erhebenden Eindruck, worauf Herr vr. S. die Predigt hielt, deren Text dem eben angeführten Psalm entnommen war. Die Predigt zu rezensiren halten wir für überflüssig, da nur eine Stimme, zum Lobe natürlich, sich kund gab. Nach der Predigt wurde ein von vr. Sanders gedichtetes, sehr ansprechendes Lied gesungen, und den Schluß machte ein Halleluja von Schulz. Der Hof dankte Herrn vr. S. mit vieler Liebe und bat um seinen Besuch, so wie um Veröffentlichung der Rede. Nach der Feier, die circa zwei Stunden dauerte, begab sich die Versammlung zu einem gemeinschaftlichen Essen. Wir bemerken nur noch, daß die ganze Feier eine sehr erhebende war, und daß vr. Salomon, der den Gottesdienst ganz nach Art des Hamburger TempM eingerichtet hat, auch Sonnabend eine ausgezeichnete Predigt hielt. Möchte doch die fürstenberger Gemeinde bald der strelitzer folgen und ihr Gotteshaus, das, um uns gelinde auszudrücken, nicht im Mindesten seinem Endzwecke entspricht, umbauen lassen, was sie um so eher können, als nach einer neuen Regierungsversügung das Schutzgeld zwar forterhoben, aber nicht in die Staats-, sondern in die Gemeindekasse fließt. Oesterreich. Wien, 16. April. (Privatmitth.) Einer der geistreichsten Touristen der Neuzeit behauptet in seinen Schriften:. di? religiösesten. aller Völker seien von jeher die — handeltreibenden.. Die geistreichen Männer pflegen nicht selten gar wunderliche Dinge 'zu behaupten, die uns. Anderen mit. dem. gemeinen Hausmaynsverstande wie auf den Kopf gestellt Vorkommen. Jene Behauptung möchte, man fast auch in diese Kategorie verweisen. Der Handel, dessen Lebenselement gemein-irdischer Natur ist, der sollte das Gebiet sein, wo .jene himmlische Tochter, die nur auf Erden kam, um der Menschen Blick und Glück nach oben zu richten, ihre Lustschlösser hat? Nimmermehr! — Und doch ist der Satz so paradox nicht wie er aussieht, doch ist der Satz wahr, so wahr wie gerade auf Dornen die Königinnen der Blumen thronen, wie gerade aus der schwarzen Wolke der wohlthätige Regen strömt, wie nur aus den unheimlichen Tiefen des Meeres die echte Perle, aus dem düstern Schlund der Erde Gold, Platin, Diamanten, und hundert andere Schätze geholt werden. Aber das sind nur Analogien, Parallele, noch keine Beweise, keine Thatsachen. Wir können aber zum Glück auch mit diesen reichlich aufwarten. Das erste Handelsvolk, das uns die Weltgeschicht vorführt, sind die Phönizier. Nun, daß die höchst religiös waren, wird wol Jeder glauben, der es weiß, daß sie ihre eigenen Söhne und Töchter dem Baal geopfert. Gehen wir zu dem andern Ende, Das größte jetzt lebende Handelsvolk der Erde sind die Engländer, Wer weiß nicht, mit welcher Asketik dieses kaufmännische Volk seinen Sonntag feiert? wie viele schwere Pfund seine Priester und seine Missionäre kosten? — Selbst Bruder Jonathan drüben über dem Ozean, der doch auch was . vom Handel versteht, und der sich das Erdenreich etwas stark zu Herzen und zu Händen nimmt, daß man glauben sollte, er vergesse darüber ganz auf das Himmelreich, ist bekanntlich wahrhaft religiös. — Von den uralten Phöniziern bis.auf die neueste Zeit und

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