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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-05-03 · Heft 19 (3.5.1847) · p. Seite 290

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 19 (3.5.1847)
Date
1847-05-03
Page
Seite 290 (sequence 14)
Language
German
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290 und das Brod des Gewerbes, und verstieß uns vor die Thore der Städte, und Ließ uns Nichts, Nichts, als mit alten Kleidern zu trödeln und mit Gelde zu wuchern.... So hat uns unser jüngerer Bruder in den Staub getreten, und in Lumpen gehüllt, und uns die Welt der Menschen verschlossen.... Und nun wir vor der Thüre Lagern, und vom Abfall uns nähren, und der Hunger uns treibt, uns zu bemächtigen deß, was sich herausverläuft ... itzt sagt man, wir sind voll Hasses, und wollen nur plündern, berücken, aussaugen, zu Grunde richten!... Nehmt uns den Hunger und das Bedürfniß, oder besser, Lasset uns auch in das Vaterhaus ein, und uns darin wohnen und walten und schaffen nach besten Kräften ... so werdet Ihr sehen, ob wir Menschen und Bürger und Kinder des Glaubens sind, der zuerst sprach: „„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst,"" und „„du sollst nicht hassen!""... Ja, einst werden Zeiten kommen, wo man das Unrecht erkennt, das tausendjährige, das man an uns verübet, wo die Welt sich uns öffnen und uns einlassen, wo der jüngere Bruder seine Gewaltthat einsehen, und den ältern wieder einsetzen wird in alle seine Rechte ... sie werden kommen diese Zeiten, und sei es noch so lange bis zu ihnen ... dann wird Juda aus seinem Schlummer erwachen, dann werden alle seine Kräfte erstehen und sich emporringen zum Staunen der Menschheit, und es wird die Liebe vergelten, die man ihm erweiset, und der Freiheit sich würdig zeigen, die man ihmertheilet.... Dies, Herr, ist meine Antwort auf Eure Anklage.... Was aber jene entsetzliche Beschuldigung betrifft, deren Wahrheit man freilich aus dem Bekenntniß auf die Folter gespannter Juden oder aus der Behauptung derer, die geplündert und gebrandmordet hatten, erweisen will — nun, leset die alten Geschichten, so werdet Ihr finden, daß die Heiden desselben Verbrechens die ersten Christen beschuldigten, und auf dieselbe Weise als wahr erwiesen — so wollen wir dessen so schuldig sein, wie die ersten Christen; leset die Erklärungen der Päpste und Kaiser und großer Gelehrten, welche die Juden frei sprachen von diesem widernatürlichen Verbrechen, und diejenigen verurtheilten, welche es zum Vorwände gebrauchten, um die Juden noch mehr zu beugen und mit dem Schein des Rechts noch schrecklicher zu verfolgen. .. Der Greis hielt erschöpft inne, und sank zusammen; eine hohe Rörhe hatte sein bleiches Antlitz eingenommen, und zeugte von der ungewöhnlichen Aufregung, die sich seiner Seele bemächtigt hatte. Aber sein unermüdlicher Verfolger hielt nicht inne; als ob er es darauf angelegt, den schwachen Greis zu erschöpfen, damit er zuletzt desto eher nachgebe, hob er von Neuem an: „Ihr speiset uns mit der Vergangenheit und Zukunft ab, wo es sich um die Gegenwart, um eine schlechte Wirklichkeit handelt. Ich will mit Euch die Ursache nicht erforschen, aus denen es so gekommen, wie es ist; ich will Euch auch wünschen, daß es einst so kommen möge, wie vorauszusehen Ihr den Propheten spielet, obschon die Christen wot niemals so thöricht sein werden, zu vergessen, wer ihr Feind war und ist. Aber Ihr selbst gestehet ja ein, daß meine Beschuldigungen nicht unwahr sind; Ihr suchet nur zu entschuldigen und zu rechtfertigen, aber zu leugnen waget Ihr nicht. Wir aber sind dazu da, das Unrecht zu bestrafen, wo wir es finden, und die getreuen Unterthanen zu bewahren und zu schützen vor Jedem, der sie benachtheiligt und beschädigt. O, glaubet wohl, wir wissen Alles; wir wissen, daß Ihr in Euren Synagogen Gebete voll Hasses, Gebete um Rache, daß Gott das vergossene Blut rache und Eure Feinde vernichte, ausstoßet; da, in Eurer Mitte, entladet Ihr Eure schwarzen Herzen der Galle, die es aufgehäuft; da kommt Eure wahre Gesinnung zu Tage .... und Ihr machet noch Anspruch, daß man Euch unschuldigen Sinn unterschiebe, wo Ihr mit zweideutigen Worten um Euch werfet, wohl wissend, daß Euch die Eurigen allerdings verstehen. Geht, wir sind nicht die Thoren, die sich mit glatten Redensarten täuschen lassen." Der Rabbi raffte sich noch einmal zusammen, und blieb auch hierauf die Antwort nicht schuldig. Er sprach: „So verfolget Ihr uns auch in unsere Gotteshäuser, so lauschet Ihr auch da auf einige Worte, die unseren zitternden Lippen entfallen, auf einige Formeln, die uns seit Jahrhunderten von unseren Vätern überkommen sind, und die wir sprechen, weil jene sie sprachen? Was Wunder, daß Ihr auch unsere Herzen und ihre Farben und ihren Inhalt kennen wollet; was Wunder, da Ihr so tief in das Innere unsrer Seele hineinwühlet, daß Ihr darin Bescheid wissen wollet; wer die Brust aufschlitzt, kann den Herzschlag und den Athemzug wol gewahren, wenn sie auch bald stille stehen.... Doch nein! ich will nicht bitter werden ... Herr! in Euren Kirchen wird unzählige Male auf die Juden geschmäht und geschimpft; von Euren Kanzeln, vor Euren Altären werden sie laut und vernehmlich der Verdammniß übergeben, wird der Fluch über sie ausgesprochen, wird Haß und Rache über sie heraufbeschworen, werden sie als Kinder und Diener

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