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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-05-03 · Heft 19 (3.5.1847) · p. Seite 289

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 19 (3.5.1847)
Date
1847-05-03
Page
Seite 289 (sequence 13)
Language
German
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289 daß wir noch heute nicht an seine Verkündigungen glauben. Ihr nennt es Verstocktheit, Verblendung, Hartnäckigkeit-wir nennen es Ueberzeugung. Und wer kann für diese? O, warum sollten wir verstockt sein? Meinet Ihr, wir folgten nicht gern Eurem Rufe, wenn wir könnten? Haben wir nicht täglich Last und Schmach ohne Ende zu tragen? Würden uns nicht Wohlleben und Ehre und Freiheit werden, so wir Euch folgten? Wie würde eine ganze Nation so verstockt, so hartnäckig sein, blos aus Eigensinn sich so bitteren Entsagungen, so großen Qualen zu unterziehen? Wo wäre ein Vater-, wo ein Mutterherz, daß sein Kindlein einem so traurigen Schicksal überantworten könnte, nur aus Eigensinn? Wenn nicht vielmehr die innerste Ueberzeugung dazu drängte, dies allein als die göttliche Wahrheit anzuerkennen, und um dieser willen das Joch der Welt zu tragen? In dieser Ueberzeugung werden wir geboren, erzogen, leben und sterben wir; und darum müssen wir wieder unsere Kinder hierin erziehen und befestigen, welches Loos uns und sie dafür treffe!... Aber wenn wir so anders denken und fühlen, wie eine halbe Welt, und nach Nichts streben, als so denken und fühlen zu dürfen ungestört und ungefährdet: warum sollten wir dieser halben Welt nicht dasselbe Recht zugestehen wollen, zu denken und zu fühlen nach ihrer Weise, ungestört und unbehelligt von uns? warum sollten wir hassen und verdammen, wie Ihr saget, diese halbe Welt, darum weil sie für sich nur will, was wir für uns wollen, zu denken und zu fühlen, ein Jeder nach seiner Weise?... Nein, wir empfinden Nichts von Haß und Verdammung, wenn man uns nicht hasset, uns nicht verdammet.... Hätten wir noch nicht den Werth des Friedens genug kennen gelernt, um das Feld des Hasses auch unsrerseits anbauen zu wollen?..." Die kräftigen, mit dem innigsten Tone der Wahrheit ausgesprochenen Worte des Rabbi schienen an dem glatten Schilde des Ministers wirkungslos abzugleiten, denn er hob abermals an: „Diese subtilen Unterscheidungen, diese feinen Wendungen mögen wol bei einigen der gelehrteren und gebildeteren Geister unter Euch stattfinden, aber beim Volke gewiß nicht. Das Volk greift täppisch und gradezu. Das Volk haßt, wo es etwas Anderes findet, als es selbst in seinem blinden Sinn hegt. Wie? wird, was Ihr hier vorgebet, nicht durch die That, durch die Wirklichkeit widerlegt? Beweisen es die Juden nicht täglich, daß sie den Christen hassen, wo sie es können? Kennet Ihr nicht die an tausend Orten bestätigte Kunde, daß Ihr Blut von Christenknaben verbrauchet?... Sehen wir nicht täglich und überall Juden die Christen durch Wucher zu Grunde richten?. .. sehen wir nicht, daß die Juden auf nichts Anderes ihr Augenmerk richten, als die Christen zu betrügen in Handel und Wandel?... saget, verschwinden vor diesen Thatsachen nicht all' Eure schönen Redensarten, wie Dunst vor den Sonnenstrahlen?..." „Eure Anklagen, Herr!" erwiderte unverdrossen der Greis, „haben nicht das Verdienst, neu zu sein. Doch muß ich es Dank wissen, daß mir gestattet wird, darauf zu antworten. Aber mögen die Herren Richter es einem alten Manne nicht übel nehmen, wenn er die harten Worte durch ein Gleichniß abzuweisen sich erlaubt. Zwei Brüder hatten, wie es natürlich, ein Vaterhaus; aber der Eine, ob auch der Jüngere, war kräftig über die Maßen und übertraf an Macht und Gewalt bei Weitem seinen ältern Bruder. Da verjagte der Jüngere den Aeltern aus dem Vaterhause, wies ihn aus den Raumen und Zimmern, ja aus der Flur und dem Eingang des Hauses, wohnte allein darinnen, und genoß die Herrlichkeiten, die da aufgehäuft waren. Und so war der ältere, schwache Bruder genöthigt, sich vor der Thüre eine Lagerstätte zu bereiten, und sich dessen zu bemächtigen, was irgend aus dem Hause kam an Federvieh und Speiseresten, um sein Dasein mühselig und unter Thränen zu fristen. O, ihr Richter, was würdet Ihr sagen, wenn nun der jüngere Bruder aufträte, und zum ältern, den er vertrieben und in's Elend gestoßen, sagen würde: „„Du Dieb und Räuber, wie kannst du dich vor meiner Thüre lagern, auf meinem Sande dich betten, von meines Tisches Abfall dick sättigen? Du bist ein betrügerischer Gauner, der an meinem Gute sich laben, und mich berücken will, wie ec nur kann?..."" Würde nicht Jeder diesen Bruder verurtheilen, und den schwachen Aeltesten bedauern, dem ihm zu widerstehen, die Natur die Kraft versagt hat?... Nun, wolan, dies ist unser, der Juden Loos! Einst wohnten wir ruhig und den Boden bebauend in unserm Lande, aber ein Mächtigerer verstieß uns aus demselben; dann wohnten wir als Bürger und voll Würde in dem großen Römerreiche, und neben uns der jüngere Bruder, der Christ. Aber als dieser groß geworden und gewaltig, und stärker und herrschender als wir, da vertrieb er uns noch einmal aus unseren Sitzen und zerstreute uns durch die Welt, die er uns zu durchwandern zwang, und machte uns rechts- und ehrlos, und nahm uns das Brod des Bodens

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