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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-05-03 · Heft 19 (3.5.1847) · p. Seite 288

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 19 (3.5.1847)
Date
1847-05-03
Page
Seite 288 (sequence 12)
Language
German
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288 denen er gegenübertrat. Ich wollte die großen Wahrheiten klar machen, die Jener uns verkündet hat, während Dunkelheit die Völker bedeckte, Finsterniß die Nationen. Dies war mein Zweck, dies ist der Inhalt meines Buches, dies der Sinn auch der denunzirten Stelle, wo ich die Folgerungen in Kurzem zusammendrangte. Niemals aber war mein Werk gegen die Christen, niemals gegen die Völker gerichtet, in deren Mitte die zerstreuten Nachkommen Juda's leben. Ja, ich kann den heiligsten Schwur bei dem wahrhaftigen Gotte ablegen, und thue es hiermit, daß in meinem ganzen Leben keine Zeile gegen die Christen aus meiner Feder, kein Spruch gegen die Christen von meinen Lippen geflossen!..." Bei diesen Worten hatte der Rabbi sich von dem Schemel erhoben, hoch aufgecichtet stand er da, feierlich sprach er mit volltönendem Klange die Worte des Schwures aus. Die Richter waren betroffen. Es entstand eine Pause. Da ergriff der Minister das Wort, nachdem er sich gegen den Oberrichter verneigt hatte. „Auf Euern Schwur," hob er mit kaltem Tone und stechendem Blick an, „auf Euern Schwur können wir kein Gewicht legen. Denn erstens hat ihn Euch der Gerichtshof nicht aufeclegt, zweitens ist es bekannt, daß die Rabbinen den Juden gelehrt haben, mit geheimen Vorbehalt zu schwören, und endlich, mag Euer Schwur den Worten nach ganz richtig sein, Ihr möget gegen die Christen ausdrücklich Nichts geschrieben und Nichts gesprochen haben, so wissen wir doch, daß Ihr Juden uns unter die Götzendiener und Heiden zahlet, und somit was Ihr gegen diese sprechet, doch nur gegen uns meinet.." „Herr, was Ihr da saget," fuhr der Rabbi erzürnt auf, „wird Euch schwer zu beweisen sein...." „Ihr werdet Euch erinnern," fuhr der Minister immer kalt, fast spöttisch, fort, „daß nicht wir, sondern Ihr zu beweisen habet.... Setzt Euch, Angeklagter, und antwortet ruhig auf unsere Fragen, wie es uns und wol auch Eurem Alter geziemet...." Der Rabbi neigte das Haupt, und ließ sich wieder auf den Schemel nieder. „Die Zeugen," fuhr der Minister fort, „haben ebenfalls beschworen, daß Eure Worte gegen die Christen und ihren Glauben gerichtet sind...." „Nun," antwortete ruhig der Rabbi, „und wenn die Juden, wie Ihr saget, was ich aber nicht zugesiehe, mit Vorbehalt schwören sollen, warum sollten es die Denunzianten nicht gethan haben? warum wird ihrer Aussage unbedingt geglaubt, und mein Widerspruch entkräftet?..." „Weil uns hierzu kein Grund der Vermuthung vorliegt, wol aber bei Euch.... Ihr habet in frevelem Uebermuthe die verdammenden Worte geschrieben, und nun Ihr zur gerechten Strafe gezogen werdet, ist es natürlich und mit Grund vorauszusetzen, daß Ihr Euren Worten den Stachel nehmen wollet...." „Ich kann," erwiderte der Rabbi, „dasselbe für mich anführen. In meinem ganzen Buche kommt das Wort Christ unter welcher Bezeichnung es sei, nicht vor, sondern es ist überall nur von den Jkkum, d. h. von den die Sterne Anbetenden, die Rede. Jetzt bezüchtkgt man mich, die Christen gemeint zu haben ... nun, so muß mir dieses bewiesen, und vorausgesetzt werden, daß meine Gegner mich verleumden und vernichten wollen. Die Voraussetzung trifft also nicht mich, sondern meine Ankläger...." „Es ist aber durch die bewährtesten Schriftsteller erwiesen," fuhr der Minister fort, der mit Absicht die Untersuchung auf ein allgemeineres Gebiet spielen wollte, um für den Fürsten im Rabbi alle Juden zu treffen, „daß die Juden uns und unfern Glauben für Götzendiener halten. Ihr habet in blöder Verblendung unfern Heiland nicht erkannt, habt ihn gekreuzigt, und sehet nun denselben von der halben Wett verehrt und angebetet; vor seinem Bilde beugen wir uns, sein Blut und Fleisch erlöset uns von unseren Sünden ... wie anders, als daß Ihr in derselben Verstocktheit, in demselben Hasse uns verketzert und verdammt, da Ihr einmal Eure Augen geschlossen und Eure Herzen verriegelt habet...." „Eure Anklage, Herr, ist schwer," sprach der Rabbi nach einigem Bedenken, „und um so schwerer zu widerlegen, da Ihr sie von vorn herein für erwiesen ausgebet. Aber Ihr klaget in mir alle meine Stamm- und Glaubensgenossen an, und so stärke mich Gott, für diese die Vertheidigung mit meinen schwachen Kräften führen zu können. Ja, Herr, es ist wahr, daß unsere Väter den Stifter Eurer Religion gekreuzigt haben; die Geschichte sagt es, zwar nicht unsre Geschichte, diese schweigt hierüber, aber wir können es nicht widerlegen; ja, wir müssen es so annehmen, denn man hat es schwer, man hat es blutig an uns gerächt, man hat uns bitter dafür büßen lassen, uns, die späten Nachkommen, die keinen Antheil an dieser That hatten. Ja, es ist auch wahr,

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