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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-05-03 · Heft 19 (3.5.1847) · p. Seite 280

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 19 (3.5.1847)
Date
1847-05-03
Page
Seite 280 (sequence 4)
Language
German
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280 Nebel vorgebeugt oder auch selbes im Entstehen erstickt werden. Denn wo es einmal Wurzel gefaßt, dort ist es auch unheilbar. Zum Verwundern aber ist es, daß es unter den Juden nicht weniger grassirt, da doch der Jude bekanntlich so sehr viel auf das Gebot der Keuschheit hält. Zum Entstehen des genannten Nebels giebt es vielerlei Anlässe. Sie alle sind mir bekannt. Allein ich habe die Erfahrung gemacht, wo bei jüdischen Knäbchen der Trieb zur Onanie sehr früh da war, und doch ist keiner der gewöhnlichen Anlässe vorhanden gewesen. Die Erziehung war naturgemäß, sorgfältig, ich weiß bestimmt, daß kein Versehen, sei es in Speise, in Kleidung, daß nicht Verführung re. die Ursache sein konnte. Sollte sie nicht in dem im Grunde widernatürlichen Aktus der Beschneidung zu suchen und zu finden sein? Fern sei eö von mir, diese göttliche Institution hiemit antasten zu wollen; aber warum geht man darinnen auch weiter als man gehen sollte, wie in so manchen anderen Stücken? Sollte die Beschneidung blos zur Auszeichnung unsres Stammes dienen, ist es nicht ebenso gut, einen kleinen Theil der Vorhaut zu entfernen? Ist ja doch der Vorschrift damit genügt, wenn der größere Theil der Eichel entblößt wird? Gewiß ist der menschliche Körper vollkommen und tadellos aus der Hand des Schöpfers gegangen. Nicht unnütz und überflüssig ist daher der kleinste Theil desselben. Dieses sollte nicht übersehen und bei dem Aktus der Beschneidung nicht von dem Grundsätze ausgcgangen werden: „Besser zu viel thun als zu wenig." Uebrigens braucht man, meine ich, nicht wissenschaftliche Bildung dazu, um es einzusehen und denen beizupflichten, welche behaupten, daß durch das zu weite Einschneiden in die Vorhaut die Nervenenden konzentrirt werden, alle Empfindung gegen die Spitze der Eichel sich zusammendrängt, daß somit bei gesteigerter Reizbarkeit der Reiz viel leichter erweckt werden kann, viel öfter erweckt wird. — Was sind nun die unseligen Folgen hievon?- Ich hätte es nicht gewagt mit diesem Schreiben zu belästigen, aber eine Erfahrung der traurigsten Art, wie vielleicht keine, animirt mich dazu, in diese Angelegenheit ein Wörtchen mit einzureden; denn wo durch fremde Unwissenheit über einen Menschen das größte Elend verhängt werden, er so tief sinken kann, daß man kaum mehr das göttliche Gebilde in ihm erkennt und er zu betrachten als eine herumwandelnde Leiche — da ist der Gegenstand zu wichtig, als daß er aus falschem Zartgefühl unerwähnt bleiben sollte! Aus Westphalen, im April. (Wenn eine Schrift, um einen Mann zu verherrlichen, eine ganze Versammlung schmäht und ihre Grundsätze und Motive verdächtigt, so wird es nicht verwundern, wenn eine solche Schrift näherer Würdigung unterzogen wird. Aus diesem Grunde, fern von allen Persönlichkeiten, haben wir diesem, von einem uns wohl bekannten Manne zugesandten Artikel die Aufnahme nicht verweigert. Redakt.) Es hat seit einiger Zeit eine Mystifikation durch Verbreitung einer, in Frankfurt 1646 erschienenen, „HerrObervorsteher H.... und die Rabbinerversammlung" betitelten, Schrift in unseren Gemeinden stattgehabt, über welche der verdiente offene Tadel statt indignirenden Stillschweigens nicht laut genug ausgesprochen werden kann. Der Verfasser, der einen „Beitrag zur Beurtheilung des Geistes und der Bestrebungen jener Versammlung liefern will, ergeht sich in seinem Panegyrikus dermaßen, daß er nicht blos von seinem, sich selbst gesteckten, Ziel abirrt, daß er es nicht blos etwa diesem seinem Panegyrikus unterordnet; sondern daß er fast nichts anderes als Letztem liefert. Es bedarf aber nur einer kurzen Aufzählung gegebener Thatsachen, um die Mystifikation, die arge, .die tadelnswerthe, klar an den Tag zu legen. „Facta loquuntur!“-Er giebt eine biographische Skizze von H...., und rühmt von ihm von vorn herein „großartige, in ihrer Art einzige Aufopferung". Wer sollte nicht dabei sogleich an einen Moses, Solon, Lykurg, Huß, Luther, Franklin, Montesiore denken?! Während doch Jedermann weiß, daß der Gerühmte lebt, sich eines großen Vermögens erfreuet und guter Gesundheit. Dann fährt er fort, ihn als „wackern Bürger", der schon als Jüngling Premierlieutenant bei der Nationalgarde in — in Beverungen, dann Sekretär eines Syndikats, dann designirter Adjunkt eines Rabbiners gewesen sei, zu bezeichnen. Um das Großartige und Aufopfernde seines Strebens recht augenfällig zu machen, wird beigefügt, daß er sich einen „Unvergleich-

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