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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-05-03 · Heft 19 (3.5.1847) · p. Seite 279

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 19 (3.5.1847)
Date
1847-05-03
Page
Seite 279 (sequence 3)
Language
German
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279 Ansicht, die Beschneidung betreffend, zu Gesicht gekommen. Ich bin meinem Herrn Kollegen dafür Dank schuldig, daß er mich auf einen Jrrthum aufmerksam gemacht, der sich ohne mein Wissen und ohne meinen Willen durch falsche Auffassung der von mir geäußerten Ansicht in den Protokollen der dritten Rabbinerversammlung eingeschlichen; zwiefachen Dank für den humanen Rath, den Herr Collin zum Wohle der aufkeimenden männlichen Judenschaft ertheilt, — von einem Verfahren abzustehen, wie es das angeregte Protokoll zum Vorschläge gebracht. In der betreffenden Sitzung erging an mich die Frage: ob ich die Ansicht des Herrn E. Collin theile, daß nämlich nur ein kleiner Theil der Vorhaut abgeschnitten werden dürfe, da ein größerer Abschnitt gefährliche Folgen nach sich ziehen könne? Ich erwiderte darauf ungefähr Folgendes: Nein, ich bin der Ansicht nicht: denn das operative Verfahren der Beschneidung sei je nach Verschiedenheit des zu beschneidenden Individuums durchaus relativ; es hänge dieses lediglich von der Länge der Vorhaut selbst, so wie von der Beschaffenheit des Gliedes ab; bei längerer Vorhaut müsse ein größeres, bei kurzer ein kürzeres Stück abgeschnitten werden, indem der Mohel immer darauf zu sehen habe, daß, nachdem die Vorhaut sich zurückgezogen, der größere Theil oder wenigstens die Hälfte der Eichel entblößt bleibe; das Ganze müsse jedoch der Erfahrung des Mohel selbst überlassen bleiben, und cs lasse sich durchaus nicht mit Bestimmtheit die Größe des abzuschneidenden Stückes für alle Fälle angeben. Ich erklärte ferner, daß es gar nicht darauf ankomme, ob eine Linie mehr oder weniger von der Vorhaut abgeschnitten werde, aber eben nur von dieser (der Vorhaut), während die allgemeinen Decken des Gliedes nie in den Bereich des Messers gezogen werden dürfen. Dies war meine Erklärung: daß diese falsch aufgefaßt und beliebig stückweise zu Protokoll genommen worden ist, ist nicht meine Schuld. Was die wissenschaftlichen Induktionen anlangt, die Herr E. Collin in seiner Widerlegung gegen mich zum Besten giebt, so gestehe ich, daß ich mich über die Unklarheit, mit der Herr Collin in anatomischer Hinsicht sich gerirt, nicht wenig gewundert habe. Was soll das heißen? „Die Vorhaut muß geschont werden, indem bei zu starkem Hervorziehen und Durchschneiden derselben, eine Lücke zwischen der Haut der Wurzel des Gliedes und des Skrotums, mithin ein Substanzverlust sich ergiebt." Doch gehört eine solche Erklärung, die eine rein wissenschaftlich-anatomische ist, nicht vor dieses Forum. Hiermit halte ich diese Angelegenheit, soweit sie mich speziell angeht, ein für alle Mal erledigt. I. Weigert, prakt. Wundarzt erster Klaffe und Geburtshelfer. Magdeburg, 27. April. (Privatmitth.) Es ist mehre Male bemerkt worden, daß wir Unrecht thäten, über die Beschneidung näher eingehende Artikel aufzunehmen, da dadurch die Leserinnen, deren die A. Z. d. Jud. sich zu erfreuen hat, verletzt würden. Wir bitten daher nur, daß unsere hochverehrten Leserinnen diese Artikel — überschlagen. Bei der Wichtigkeit des Gegenstandes müssen wir sogar folgenden Artikel aufnehmen, der uns zugekommen. Es ist in No. 15 Ihres vielgelesenen Blattes ein Artikel enthalten 66. Dresden 17. März, wo der Verfasser, Herr Elias Collin, bezüglich der Beschneidung eine Behauptung, „eö sei die Besorgniß, man möchte zu viel von der Vorhaut abschneiden, unstatthaft, da das Hervorziehen der Haut gar Nichts ausmache," widerlegt und erweist, daß wirklich bleibende Nachtheile durch solches Verfahren entstehen. Ich erlaube mir hiemit auf noch ein Uebel hinzuweisen, das daraus rcsultiren kann, ein Uebel, in seinen Folgen schrecklich, ja das entsetzlichste, welches man sich nur vorstcllen kann. Durch die gänzliche Entfernung der Vorhaut, auch wenn hiedurch nicht ein Theil des Gliedes seiner allgemeinen Decke beraubt wird, kann die Reizbarkeit des Gliedes dermaßen gesteigert werden, daß sie bei dem Judenkinde von 3 oder 4 Jahren schon sich zu äußern anfängt und das sogenannte Onaniren veranlaßt. Bekanntermaßen nimmt bei der jetzigen Generation im Allgemeinen diese Krankheit, oder nach Umständen, dieses schändliche Laster, leider nur zu sehr überhand. Weil einen der Gegenstand an und für sich zu sehr anekelt, und man damit das Zartgefühl Anderer zu verletzen fürchtet, so kommt er auch selten zur Sprache, und ich glaube man begeht hiemit ein Unrecht, denn es würde sonst mehr Aufmerksamkeit darauf erweckt, den Ursachen nachgespürt und dem

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