Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 18 (26.4.1847)
- Date
- 1847-04-26
- Page
- Seite 273 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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273 oder faules Wasser brachte. Einmal versuchte er mir auch mit der Faust einen Stoß in die Seite zu versetzen, aber schnell ergriff ich einen Block und schleuderte diesen ihm dermaßen Ln den Rücken, daß er den Versuch nicht wiederholte. Desto mehr erging er sich in Schimpf und Schmach auf uns und unsre heilige Religion. Dies ertrug ich verachtend.... Endlich war die Oeffnung so groß, daß ich hoffen konnte, wenn ich einige Erde vor dem Loche wegschaffte, hindurchzukommen. Ich wartete den Abend ab;, als es dunkel geworden, und Alles so still und ruhig war, entschloß ich mich, die Flucht zu versuchen. Leicht hatte ich vorher noch Schaden anrichten können, wenn ich die Zapfen aus den Fässern zog. Aber wozu? Der Reiche würde das leichtertragen. Ich richtete einen großem Haufen Blöcke aus, nahm alle losen Steine heraus, stöberte noch die Erde weg, zog meinen Kaftan aus, und stieß ihn durch die Oeffnung vor mir her. Bald hatt' ich den Kopf, die Schultern, die Brust durch das Loch gebracht; Du weißt, ich bin nicht von bedeutendem Umfang — da stieß ich mit dem Kopf an die hohe Gartenmauer, an welcher hier das Gebäude hart daran weglief. Dies erschwerte mir das weitere Herauskommen unsäglich. Denn bei meiner beträchtlichen Lange konnte ich nun gar nicht mehr gerade aus. Ich mußte meinen Oberkörper schief an der Mauer sortschieben, um nur die Hüften und die langen Beine aus der Höhle zu bekommen. Aber der Gedanke, daß meine Peiniger mich so finden könnten, halb draußen halb im Keller, der Gedanke an den Hohn und die Schmerzen, die sie mir verursachen würden, und daß alle meine Mühseligkeiten und Anstrengungen dann vergebens gewesen sein würden, dieser Gedanke gab mir Riesenkräfte, ließ mich das Weh nicht fühlen, welches ich empfand, als ich mir fast die ganze Schulter abschindete, als mir die Rippen beim Biegen krachten — endlich war ich heraus, ich sprang auf, ich stand auf meinen Beinen, über mir den klaren Sternenhimmel...." „Gott sei Dank und Lob!../' rief Joseph auf, der kaum zu athmen sich getraut hatte, und ergriff die magre Hand des alten Bachurs, und — küßte sie. „Du kannst Dir denken, lieber Joseph, wie mir zu Muthe war! Beinah vierzehn Tage im Keller, in der Gewalt unerbittlicher, höhnender Feinde — und jetzt frei in Gottes Luft, unter Gottes Himmel.... Doch halt — war ich nicht noch im Garten, in dem von hoher Mauer umschlossenen Garten?... Mein erster Gedanke war, so bald wie möglich aus dem Bereiche meiner Feinde zu entkommen ... aber war nicht Sara hier? war sie nicht hier ebenfalls eingeschlossen? mußte ich nicht erst zu erfahren suchen, wo und wie sie sich befinde?..." „Du treuer Junge! Nun?../' rief Joseph aus. „Zuerst wollt' ich mich unterrichten, wie es jetzt im Hause und um das Haus stünde. Dem Hause gegenüber zog sich in der Runde ein Gebüsch hin, von welchem bis zum Hause ein freier Platz. Durch das Gebüsch mich schleichend sah ich, daß von vorn das ganze Haus in tiefes Dunkel versunken war. Ein Gleiches war von beiden Seiten der Fall. Nur auf der Hintecseite, gerade über dem Kellerloch, durch das ich mich befreit hatte, schimmerte helles Licht aus zwei Fenstern. Die Gartenmauer stand hier nur wenige Fuß vom Hause ab und zog sich in der Höhe des Daches hin. Eine Ahnung sagte mir — hier müsse Sara weilen. Ich schlich mich nochmals im Garten umher, und fand bald eine ziemlich hohe Leiter. Es ward mir schwer, sie bis zum Hause zu schleppen, aber auch damit ward ich fertig. Ich richtete sie mühsam in die Höhe, und legte sie so an, daß ich seitwärts von dem einen der hellen Fenster kam, und, von der Wand gedeckt, in das Zimmer sehen konnte. Zum Glück waren die Vorhänge nicht zugezogen, da ja die nahestehende Mauer das Fenster deckte... „Und was sahst Du? .. /' „Was ich erwartet hatte. Sara, unsre Sara saß in der Ecke eines Sopha's in dem prächtig geschmückten Zimmer. Sie saß zurückgelehnt, die Hand über den Augen. Was mich sehr beruhigte, war, daß sie dieselben Kleider trug, in denen sie in das verruchte Haus gebracht worden. So mußte sie noch unsre Sara fein, die Nichts angenommen von dem verfluchten Verführer. Nachdem ich schnell dieses beobachtet hatte, wollte ich eben leise an's Fenster klopfen — vielleicht daß sie mich hört, vielleicht daß sie mir folgen könnte, und wir so Beide dem Räuberneste entkämen — als plötzlich die Thüre sich öffnete und ein Mann in das Zimmer trat, ein Mann, den ich nicht kannte, den ich aber bald an seiner hohen Gestalt, an seinem vornehmen Wesen für den Herrn in diesem Haufe erachten mußte. Der Mann war nicht mehr jung, eher stark als schlank, er — doch wie soll ich Dir den Mann schildern, Nase, Mund und Augen hat er wie jeder Mensch, ich würd' ihn unter