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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-04-26 · Heft 18 (26.4.1847) · p. Seite 270

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 18 (26.4.1847)
Date
1847-04-26
Page
Seite 270 (sequence 10)
Language
German
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270 gegen die Person desselben nicht im Mindesten auszusetzen wäre, vielmehr man ihm das Zeugniß eines rechtschaffenen, braven Mannes geben muß, so ist derselbe demungeachtet beim besten Willen nicht im Stande, hier seine Aufgabe nach allen Richtungen gehörig zu lösen; nicht nur weil er ein Anhänger der alten Schule ist, sondern weil ihm jede wissenschaftliche Bildung sowol, als das homiletische Talent überhaupt abgeht, was aber gerade hier so sehr Bedürfniß ist. Deshalb geht ein beträchtlicher und zwar wichtigster Theit der Gemeinde, dem wahre Religiosität in zeitgemäßer Form Bedürfniß des Herzens geworden ist, mit dem Plane um, einen zweiten Rabbiner oder Prediger unabhängig von dem Erster» mit einem angemessenen, anständigen Gehalte anzustellen, zu welchem Behufs ein Fonds bereits subskribkrt und zugesichert ist. Möge nur deren löblicher Vorsatz nicht erkalten und er recht bald in Ausführung gebracht werden; und gewiß würde sich hier demjenigen Geistlichen, der sich entschließen wollte, daselbst am Weinberge des Herrn zu arbeiten, ein segensvoller Wirkungskreis darbieten; indem er daselbst einen sehr empfänglichen Boden für echte Religiosität antreffen würde. — Ich schließe endlich mit dem herzlichen Wunsche, daß diese meine unparteiischen, Hierselbst öffentlich ausgesprochenen Worte von Wohlwollenden berücksichtiget werden und zum Heile Israels beitragen möchten. Riga, im Juli 1846. R. I. Wunderbar. Alzey. Kritische Bemerkungen zn dem Kommissionsberichte über Chaliza in der dritten Versammlung deutscher Rabbinen. (Protokolle S. 293—298. A. Z. d. Jud. vor. Jahrg. No. 45.) Von Dr. S. Adler. Ze wichtiger die Zeilfragen in Betreff vieler ererbten religiösen Normen des Judenthums dadurch geworden sind, daß sie, in Folge des Zusammenstoßes neuer Lebensverhaltnisse mit einer frciern, von den herkömmlichem Bahnen oft ganz abgelenkten religiösen Anschauung., so wie der dadurch herbeigeführten Widersprüche und Kollisionen von innen wie von außen, die Interessen der Religion und des Lebens gleich tief berühren, und jemehr wir leider Ueberfluß an geistlichen Wächtern haben, welche nur ihre weltlichen Bortheile bewahre» und, sich selber hinter die Burg eines frommen Schweigens und Nichtsthuns verschanzend, de» Feind ungehindert am religiösen Mark zehren lassen, um so mehr halten wir es für Pflicht jedes denkenden und für seine Religion warm und wahrhaft fühlenden Theologen, solchen Fragen ihr ernstes Nachdenkeu zu widmen und di« Resultat« desselben der Oeffenllichkeit nicht vorzuenthalten. Indem wir unsrerseits dieser Pflicht bezüglich der Chalizafrage hiermit nachzukommen und unser schwaches Scherslein zu einer gewissenhaften und befriedigenden Lösung dieser Frage beizutragen wünschen, knüpfen wir an den in der Ueberschrift erwähntem Komm. Ber. an, welcher zwar äußerst konzis und. prägnant gehalten ist, aber doch alle hierher gehörig« Quellen von Bedeutung, so wie die mannigfachstem Gesichtspunkte bespricht und in den Bereich einer scharfen Beurtheilung zieht. Mit ziemlicher Breit« findet sich dieser Gegenstand schon in Geigers wissenschaftlicher Zeitschrift B. 4. S. 61—87. vom Rabbiner Gutmann besprochen, und manche auffallende, nackte Behauptung des K. B. sinder bei Gutmann ihre Anregung und näherri Auseinandersetzung. Indessen ist der K. B. auch in manchen Punkten von ihm abgewichen und ist namentlich, wie sich'- erwarten ließ, durchaus neu und kräftig selbstständig in der lebendiger« Auffassung des Alterthums, in der wissenschaftlichen Form und BehandlungÄveise. Der K. B. schlägt, um zu seinem erwünschten Resultate zu gelangen, den Weg der historischen Kritik ein und sucht zuerst aus der biblischen, dann auch aus der nachbiblischen Epoche den Nachweis: zu liefern, wie das Institut der Leviratsehe sowol, als seines Surrogats, der Chaliza, vom Geiste der Geschichte, ergriffen, überwältigt und im Verlaufe der Zeiten in Gehalt und Gestalt umgewandelt worden sei. Diese. Voruntersuchung bildet bei ihm die breite Basis, aus welcher er nachher sein schweres Geschütz, aufstellt und dem ganzen Institute den Vernichtungskrieg erklärt. Dieser Voruntersuchung wagten wir eine Nachuntersuchung zu halten, fanden aber dabei so manche Voraussetzung unbegründet, manche Folgerung unzulässig und in, dessen Folge den ganzen erwähnten Nachweis so wenig stichhaltig, daß wir ihn durchaus nicht auch nur als theilweise Unterlage des darauf gegründeten Antrags gelten lassen können. Der K. B. beginnt feine; Operation mit der Behauptung (S. 294): „Die geschichtlichen Mittheilungen schei-

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