Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 18 (26.4.1847)
- Date
- 1847-04-26
- Page
- Seite 268 (sequence 8)
- Language
- German
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268 bestreben, zum Wohle ihrer jüdischen Mitbrüder beizutragen und die Nothdürftigen und Leidenden derselben so viel thunlich ist, zu unterstützen und zu trösten und ihnen mit Rath und That beizustehen, ja so viel Gutes und Schönes sie allesammt auch wirklich ausüben, so könnte aber andrerseits bei einer summarischen Einnahme von beinahe 2000, sage zweitausend Rubel S. M., demungeachtet größerer Anspruch auf ihre sammtlichen Leistungen gemacht werden. Denn wahrend wir Hierselbst den kleinsten und geringsten christlichen Hülfsverein im weitesten Sinne des Wortes trefflich organisirt und blühend antreffen, sehen wir dagegen leider die daselbst bestehenden jüdischen Vereine alle fast täglich mehr und mehr dem Verfalle entgegengehen; und haben die jedesmaligen Wähler jährlich ihre liebe Noch, bis sie die ausgeschriebenen Vorsteherdiplome an den Mann bringen können; denn wie der Mann im Jesaias 3, 7. ruft ihnen ein Jeder die biblischen Worte zu: rptt« ab” ich will kein Veceinvorsteher sein! aber nicht aus dem Grunde etwa, daß ünb pa VPM, sondern weil der Verein keine Kasse hat und der Vorsteher seine für denselben nothwendig auszulegenden Gelder in der Regel jedesmal entweder durch Kollekte einbetteln oder gar verlieren muß. Der Grund aber warum die jüdischen Vereine hier nicht fortkommen können, ist meiner Ansicht nach ein doppelter: 1) Weil dieselben sich größtentheils ihrer Tendenz unbewußt sind, daher auch ihre Wirkungskreise nicht streng abgrenzen; und so sieht man oft den Todtengraberverein wie den Krankenunterstützungsverein sich für wegen Kontrebande inhaftirte Juden verbürgen, und der Krone die schuldige Poschlin (Strafgelder) für dieselben einzahlen; während man hingegen den Gefangenenunterstützungsverein Unterstützungen an wandernde ep^p;;» und kranke (oft gar geisteskranke) üwi verabfolgen steht. Diese Vielthuerei aber, so gut sie auch übrigens gemeint sein mag, untergräbt zum Theil die Existenz der Vereine, so daß oft weder der Krankenverein Unterstützungen an würdige Kranke, noch der Gefangenenverein dieLoskaufung wirklich unschuldiger Schuldner zu leisten, ja oft nicht einmal das Tagelohn des Vereinsdieners (W72ÄN rvrSTB) zu bezahlen im Stande ist. y 2) Der andere, nicht minder wichtige Grund, warum die jüdischen Vereine allhier nicht wie ihre christlichen Brüder daselbst, oder auch wie größtentheils die ihrer Glaubensgenossen im Auslande durchkommen können, ist: die hier gänzlich mangelnden Legate, deren es so viele hier bei den Christen und im Auslande auch bei den Israeliten zum Besten der Vereine und zum Wohle der Nothleidenden giebt. Ein jüdisches Legat ist hier, trotz der vielen vorhandenen Bemittelten und Reichen, ein böhmisches Dorf, und in der ganzen Provinz existirt meines Wissens kein einziges. Welch tüchtige Stützen solche Vermächtnisse, die die eigentlichen Fonds der Vereine bilden, für die Existenz derselben aber sein könnten, wird Jedem zur Genüge einleuchten; hauptsächlich, da nur ein Fonds die wahre Basis jeder solchen Anstalt ausmachen kann. — Blicken wir auf den hiesigen jüdischen Gottesacker hin, so bietet sich dem Auge eine Masse kunstvoll gearbeiteter Leichensteine aus Marmor und Erz dar; man sieht hier vergoldete Kuppeln und dort zierliche Kapellen, die Alle den Namen der unter ihnen Ruhenden verewigen sollen. Anstatt aber auf solche vergängliche Denkmäler, die mit der Zeit von Luft und Wetter verwittert und endlich doch verfallen werden, Hunderte von Rubeln zu verwenden, würden die betreffenden Individuen oder ihre Erben nicht weit besser und vernünftiger handeln, wenn sie statt ihrer, Vermächtnisse zum Besten der leidenden Menschheit auf ihren Namen errichteten, und sich so im wahren Sinne des Wortes verewigen würden? Man sage nicht, daß zu Aussetzung eines Legats viel gehöre, und wer daher nicht eine ansehnliche Summe auszusetzen im Stande sei, der unterlasse es lieber ganz; nein! nna tP72u:b nab na nahm *?nai sagen unsere Weisen. Besonders da in der Regel aus vielen Groschen Thaler werden; und würde Einer nur mit gutem Beispiele vorangehen, gewiß würden die Vermächtnisse in kürzester Zeit in die Mode kommen, und die Vereine alle würden blühen und den nothdürftigen, leidenden Glaubensbrüdern würde um Vieles geholfen sein. Es gehört überhaupt, wie bei jedem andern Gegenstände, so auch bei Verwaltung einer Anstalt, nicht allein Gewissenhaftigkeit und Berufstreue, sondern auch Ausdauer und Beharrlichkeit, und kann, wo diese fehlen, von keiner odentlichen Organisation die Rede sein. Als der hiesige Armen- und Gefangenenunterstützungsverein im Jahre 1840 seinen Stiftungstag durch ein solennes Mahl, zu welchem auch viele Honoratioren geladen waren, feierte, machte ich als d. Z. Schriftführer und Vorstandsmitglied dieses Vereins der Versammlung in einer öffentlichen Rede, nach Abstattung eines Berichts über die Verwaltung und den Stand des gedachten Vereins schon