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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-04-26 · Heft 18 (26.4.1847) · p. Seite 266

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 18 (26.4.1847)
Date
1847-04-26
Page
Seite 266 (sequence 6)
Language
German
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266 dürfnisse Entsprechendes gewirkt wurde, läuft auf die Kreirung einer öffentlichen Unterrichtsanstalt hinaus und dieses durch die eifrigste Vermittelung des erst seit einem Jahre erwählten, schulgerecht und talmudisch gebildeten Rabbinen Herrn Ehrlich. Da, wie in allen dergleichen Instituten Ungarns, sind die drei Sprachen: Ungarisch, Deutsch und Hebräisch koordinirt und begreift eine jede wieder einzelne Zweige des Wissens in sich. Auch wird hier in der Landwirthschaftskunde Unterricht ertheilt, weil einige der hiesigen Juden mit emsiger Hand den Boden bebauen. Wir hatten Gelegenheit bei der öffentlichen Prüfung am 29. März, uns von den trefflichen Leistungen der Jugend in der Landessprache, dem Elementar- und hebräischen Fache zu überzeugen, was in so kurzer Frist und bei den nur geringen Mitteln der Gemeinde, die nicht viel über 20 Individuen zählt, alle Erwartungen und Anforderungen weit übertrifft. Herr M. Zipser, Oberrabbiner zu Weißenburg, wegen Lokalverhältnisse als Prüfungskommiffär hieher berufen, wußte, eine besondere Lchrfähigkeit bekundend, seine Fragen so zu stellen, daß man aus der Antwort der Zöglinge eben so sehr den Fleiß als den geistigen Entwickelungsgrad bemessen konnte und man fand in jeder Beziehung Befriedigung. Wir freuen uns, in diesem Institute, wenn auch klein in seinem Beginnen, eine Rechtfertigung der hier zu Lande noch arg verleumdeten vernünftigen Reform erblühen zu sehen. Auch das anwohnende Publikum, unter diesem namentlich der Graf Vestititsch, der Dechant zuSamagyvör und der Gymnasialdirektor zu Caposvör, äußerten mit aufrichtiger, theilnehmender Freundlichkeit ihr Wohlgefallen, statteten den zwei Rabbinen einen Besuch ab (etwas in unseren Gauen noch Unerhörtes), so wie namentlich der Graf Vestititsch ein warmes Interesse für das Wohl der Juden zeigt, worauf der ungarische Kavalier stolz ist. — Zu den Verdiensten der dasigen Gemeinde dürfte das Bestehen eines jüdischen Spitales namentlich gerechnet werden, und würde noch so manches Erhebliche gedeihen, wenn nur bald das Worurthcil gegen einen jungen — Rabbinen, wenn er auch noch so viel des Guten schaffet, einem bessern Denken weichen möchte. ... k. Aus Böhmen, 9. April. (Privatmitth.) Am 8. d. ist ein feierliches Danksest in allen Synagogen der Provinz für Aufhebung der Judensteuer gefeiert worden. In Böhmen mußte diese Aushebung um so lebhaftem Dank erwecken, als gerade hier die Erhebung der Steuer mit so mannigfaltigen, selbst die Moralität bedrohenden Jnkonvenienzen verbunden war. Prag, 12. April. (Privatmitth.) Es gelingt unter den obwaltenden Verhältnissen selten einem Israeliten, eine öffentliche gesegnete Wirksamkeit zu erlangen. Er muß da durch eigene Kraft sich auf einen Standpunkt schwingen, da ihm ein solcher nicht gegeben wird. Darum ist es auch von unsrer Seite noch nothwendig, dergleichen Notizen zu sammeln, um darauf hinzuweisen, daß es nicht unsre Schuld ist, wenn wir unsere Kräfte seltner für das allgemeine Wohl auf eine eklatante Weise anwenden können. Gestatten Sie daher auch den Abdruck folgender Notiz, die von einem christlichen Religionslehrer ausging: „Die Zöglinge des Waiseninstitutes zum heiligen Johann dem Täufer haben sich am Schluffe der heurigen halbjährigen Prüfung unter der Leitung des Turndirektors, Herrn Med. und Chir. Doktors Seegen (eines Israeliten) und dessen tüchtigen Turnlehrers Herrn Schmidt, im Beisein Sr. Hochw. des Herrn Domscholasters, der Herren Jnstitutsvorsteher, mehrer hoher Standespersonen und eines zahlreich versammelten Prüfungsauditoriums mit glücklichem Erfolge auch im Turnen versucht. Sämmtliche mitunter kostspielige Turnapparate hat der menschenfreundliche Herr Dr. Seegen nicht nur aus eigenen Mitteln in dem geräumigen Tagzimmer des Waisenhauses zum obigen Zwecke aufstellen lassen, sondern dieselben dem genannten Institute auch geschenkt. Die Wohlthat des unentgeldlichen Turnunterrichtes, woran seit Beginn des Wintersemesters dreizehn Waisenzöglinge in dessen rühmlichst bekannter medizinisch-gymnastischer Anstalt bereits Theil genommen, dehnt der genannte Herr Turndirektor nunmehr auf die sämmtlichen Zöglinge der Waisenanstalt aus, wodurch sich derselbe um die armen Waisen, denen als künftigen Handwerkern und Künstlern eine kräftige Gesundheit ganz besonders Noth thut, ein wahrhaft großes, bleibendes Verdienst gründet. Anton Slawicek, Neligionslehrer." (Bohemia, No. 56.)

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