Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-04-26 · Heft 18 (26.4.1847) · p. Seite 265

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 18 (26.4.1847)
Date
1847-04-26
Page
Seite 265 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225497-3225516--08524-3239342
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

265 Strebens; sie ist in unsere Reihen, in unsre Jugend gekommen trotz der Ausnahmestellung, und durch das Verharren in der Letztem werden wir diese Gleichgültigkeit nimmer verbannen. Die Ausgabe unsrer Zukunft ist, mitten in der Strömung des bürgerlichen Lebens unsre Religion zu wahren, ihren innern Gehalt festzuhalten, auch wenn das bürgerliche Leben viele bisherige Formen derselben sortschwemmt, und sie um so mehr in uns geistig zu befestigen, je weniger die Form in unsrer Zeit Stich halt. Es ist gewiß: die alten Formen können unsre Religion nicht mehr schützen; suchen wir sie bei Zeiten so zu fassen, daß sie in unserm Geiste die unerschütterliche Wurzelstätte findet! Oesterreich. Aus Oberungarn, 9. April. (Privatmitth.) Auch in unsrer von der großen Welt entferntern Gegend ist das Selbstbewußtsein und mit diesem ein besseres, der Jetztzeit entsprechendes Streben erwacht und gedeihet um so schneller in seiner praktischen Anwendung, weil wir es noch mit keiner intelligenten Orthodoxie als Opposition zu thun haben, und es bei uns gottlob noch nicht modern geworden, konservativ in Sachen der Religion zu sein, indem der Jude hier zu Lande immer mehr und mehr, unbeschadet seiner religiösen Denkweise, durch Sprache und Gesittung sich seiner Umgebung nähert, somit wie jene in Allem liberal wird. — Das Schulwesen ist es namentlich, das, früher so sehr im Argen, durch Anregung der hie und da postirten wissenschaftlichen Rabbinen in Aufnahme kommt; mit großer, der Heiligkeit seines Zweckes entsprechender, Sorgfalt gepflegt wird und in den Nachbargemeinden einen edeln Wetteifer anregt und unterhält; und da das Einwirken eines gebildeten Rabbinen zum Gedeihen einer solchen Institution unerläßlich ist, so dürften nur Männer aus der neuen Schule, bei vorkommenden Vakanzen, Anspruch auf das Rabbinat haben und so die Wissenschaft einen weitern und breitem Wirkungskreis gewinnen. Weißenburg — eine k. Freistadt, hatte das große Privilegium, keinen Juden in seinen Mauern dulden zu müssen, welches Statut auch gehandhabt wurde, bis der Landtag von) Jahre 1840 den hierländischen Juden Freiheit verkündete; da begann eine Judenwanderung, wie die Geschichte dieses Volkes, unter so bewandten Verhältnissen, noch keine zu erzählen weiß. Da ein gewisser Grad von Unternehmungsgeist dazu gehört, den Ort, wo man geboren und erzogen wurde, zu verlassen und eine neue Heimath zu wählen, so bekommen wir bald eine Gemeinschaft von entschlossenen strebsamen Männern, die, wenn von umsichtigem Geiste geleitet, einem hohen Ziele entgegenstreben; und als die Zahl der Eingewanderten «»wuchs, konstituirten sie sich zu einer Gemeinde. Die Schule, welche bei noch ungeregelten Verhältnissen auf keine feste Basis gestellt war, erhielt in der Person des szientisisch gebildeten Rabbinen Herrn M. Zipser einen Stütz- und Haltpunkt; es wurde auf seine Veranlassung eine Schulkommission unter seinem Vorsitze ernannt, deren Aufgabe es war, einen Unterrichtsplan und Statuten zu entwerfen, die ihre Sanktion vom Vorstande und der hiesigen Stadtbehörde erhielten. Der Unterricht zerfällt in drei Hauptelemente: Hebräisch, Ungarisch und Deutsch und steht unter der Leitung dreier Lehrer. Auch für die Ausbildung der weiblichen Jugend wird gesorgt und wird selbe auch in Handarbeiten unterwiesen, so daß wir von dieser Institution den segensreichsten Erfolg erwarten. Was unser Verhältniß zu unseren christlichen Nachbarn betrifft, spricht sich dieses in dem Satze: uns öti D">72bffi nbsn aus und suchen wir so viel als möglich uns in Ehren zu erhalten und die uns gewordene Begünstigung zu rechtfertigen. Als besondere Aeußerung von Toleranz verdient Erwähnung, daß uns die hiesige Stadt ein Stück Feld zum Friedhof für alle Zeiten geschenkt, so wie ein Haus, das wir zur Erbauung einer Synagoge und einer Schule angekauft (auch das ist eine Begünstigung, da die Juden hier noch kein Possessionsrecht haben) auf immer steuerfrei erklärt. Der Gottesdienst, wenn auch nicht in geregelter Form, was in der gegenwärtigen Nothsynagoge nicht ausführbar ist, verräth doch durch die vorwaltende Ruhe einen gewissen lobenswerthen Takt des Publikums und einen regen Sinn für das Bessere. Doch wird nach Vollendung des neuen Tempels diesem Bedürfnisse entsprochen werden und auch durch uns der Name Gottes und der Glaube Israels vor aller Welt verherrlicht werden, öl. J. Zengyeltot, 30. März. (Privatmitth.) Alles was in unsrer Gemeinde dem rege gewordenen Be-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.