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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-04-26 · Heft 18 (26.4.1847) · p. Seite 264

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 18 (26.4.1847)
Date
1847-04-26
Page
Seite 264 (sequence 4)
Language
German
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264 Gemeinde hat den Herrn Salomon Cohn zumRabbinen und Prediger gewählt. Deutschland. Aus Baden, 10. April. (Privatmitth.) Sie werden aus den öffentlichen Blättern ersehen haben, daß jüngst auf dem Odenwalde ein revolutionärer Aufruf verbreitet worden, der „zur Vernichtung des Adels, Vertreibung der Fürsten und Juden und Ermordung der Beamten" aufforderte. Tag und Ort des Ausbruchs war darin bezeichnet. Daß ein solch freventliches Beginnen eben nur die Ausgeburt einiger verderbten Köpfe sein könne, wird Jeder voraussetzen, und daß überhaupt an eine wirkliche Gefahr durchaus nicht zu denken. Es ist mehr ein Spiel, ein verruchtes Spiel, wie etwa ausgestreute Brandbriefe, als ein Ernst. Eine wirkliche Verschwörung thut sich nicht in Plakaten kund. Aber die Rubrizirung der Bedrohten giebt doch zu denken. Allerdings dürfen wir uns über die Gesellschaft nicht beklagen. Adel, Fürsten, Juden und Beamten — sind immer ein ho. netter Umgang. Wie kommen aber die Juden in diese Gesellschaft? Sind die Juden geborene Aristokraten? Das hat ihnen noch Niemand vorgeworfen. Besitzen sie Vorrechte, sind sie erimirt? Bekanntlich gerade das Gegentheil. Juden und Beamte — die Juden dürfen ja auch im Großherzogthum Baden noch keine Beamte werden, also sind sie gerade das Gegentheil von den Beamten. Und dennoch haben die thörichten Umwälzcr Beide koordinirt. Da also die Juden nicht über das bürgerliche Niveau gestellt sind, so müssen sie hineingebracht sein, eben weil sie unter dem bürgerlichen Niveau stehen. Da sieht man den Unterschied! Die französischen Revolutionäre haben 1790 und 1830 die Juden sofort allen französischen Bürgern gleich gestellt — die deutschen haben nichts Eifrigeres zu thun, als die Juden sofort mindestens zu vertreiben, wobei es auf ein Bischen Todtschlagen auch nicht ankommen wird. — Gehen wir jedoch mit Ernst auf die Sache ein, so geht für uns auch hieraus kein andrer Schluß hervor, als daß es unser ernstestes Streben sein muß, unsre Ausnahmsstellung zu verlieren, und in Freud und Leid, in Noth und Tod dem Volke in allen feinen Stufen und Ständen anzugehören. Nicht über, nicht unter, sondern mit dem Bürger und Bauer, mit zu der großen Volks familie. Wir können uns nicht täuschen: eine Ausnahmestellung, einen isolirten Standpunkt können wir, und gälte cs den höchsten religiösen, ideellen Zweck, nicht mehr einnehmen. Die Geschichte, welche es einst unseren Vätern unmöglich machte, in dem Lande Palästina als abgesondertes Volk zu leben, welche unsere Väter in die weite Welt, in die Mitte der Völker gedrängt und getrieben hat — dieselbe Geschichte macht es uns unmöglich, in gesonderter, abgeschlossener Stellung zu verharren, sondern nöthigt uns, den Völkern mit Gut und Blut uns zu vereinen, in deren Schooße wir leben. Und wenn wir in der Geschichte nicht etwa eine Zufälligkeit, sondern die Hand der göttlichen Vorsehung anerkennen und anbeten: so müssen wir auch in dieser neuen Nothwendigkeit die Hand Gottes erkennen. — Allerdings wird man sagen: das Verlassen der isolirten, der Ausnahmestellung hängt nicht von uns, sondern von den gesetzgeberischen Gewalten des Staates ab, bei denen wir ja die Gleichstellung zu erbitten nicht ermüden, bis jetzt fruchtlos. Es ist dies aber nur theilweise wahr. Wie es jüngst in diesen Blättern wiederholt ausgesprochen worden: das Gesetz macht es nicht allein, das Leben noch viel mehr. Das Gesetz hinkt auch schon nach, wenn das Leben vorangegangen. Auch wir müssen unfern Theil dazu thun. Dadurch, daß wir am Leben des Volkes immer mehr Theil nehmen, an allen seinen Interessen uns betheiligen, jede absondernde Beschäftigung immer mehr vermeiden, jeden Erwerb ablehnen, der aus der Noth des Volkes einen Vorrheil ziehen könnte, und so an den Leiden des Volkes mitleiden, wie seiner Freuden uns mitfreuen: dann wird die Ausnahmsstellung schwinden, und man wird uns nicht mehr als außerhalb des Volkes stehend betrachten. Wie? ist das nicht schon ein alter Zuruf an Israel? Ist es nicht derselbe, den schon der Prophet Jeremias an die Juden in Babel ergehen ließ? „Bauet Häuser und wohnet darin, und pflanzet Gärten und esset ihre Früchte. Suchet das Beste der Stadt, wohin ich euch geführet, und betet für sie zum Ewigen; denn ihr Bestes wird auch euer Bestes sein." (29, 5. 7.) Würde dies der Prophet anempfohlen, wenn damit ein Aufgeben unsrer Religion, ein Weichen vom väterlichen Bekenntniß verbunden wäre? Merken wir es uns wohl: die Gleichgültigkeit für die Religion Israels ist nicht ein Produkt wahrhaft bürgerlichen

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