Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 17 (19.4.1847)
- Date
- 1847-04-19
- Page
- Seite 255 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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255 sich nur Gelegenheit, Stellung und geeignete Verhältnisse dazu darbieten, wahrlich, da bleiben sie nicht müßig stehen. Diese ebengenannte kleine Kompagnie jüdischer Tagelöhner und Lastträger z. B. verrichten das schwere, sonst von Niemanden aus der christlichen Bevölkerung Mitau's ausdauernd aufgenommene Geschäft, bei Wohnungsveränderungen rc. Möbel rc. auf Tragseffetn zu transportiren; Andere wieder verrichten das schwere Geschäft des Steinzerklopfens für den Chausseebau, oder beschäftigen sich mit Graben, Wassertragen und Holzspalten und dergleichen mehr, und so, keine Arbeit scheuend, suchen sie sich im Schweiße ihres Angesichts redlich zu nähren. Außer einigen jüdischen Individuen, welche akademische Grade besitzen, befinden sich hier auch noch 6 examinirte Lehrer und 18 sogenannte Melamdim. Mitau hat ferner 3 Synagogen und 3 von der Regierung bestätigte Bethauser; namentlich: die große Synagoge, die Borcum'sche (jetzt Lurje'sche) und die Friedmann'sche; das Bethamidrasch, das Behrenflammische Bethaus und das Armenbethaus; — 2 jüdische Armenhäuser; 2 von der Medizinalbehörde beprüfte Dampf- Reinigungsanstalten (mampft), die von Armen unentgeldlich, von Bemittelten aber für beliebige Bezahlung benutzt werden, — und 2 Gottesacker, eines das Cholerayft^)2 ms, unmittelbar bei der Stadt, und eines das alte yftVtf ms, gegen 3 Werste von der Stadt entfernt. An Letzterm erhielt die Gemeinde noch im Jahre 1826 von der hohen Krone eine bedeutende Grenzausdehnung, laut von einem Departement des Ministeriums der Reichsdomainen unterm 6. März desselben Jahres sub No. 456 an den erlauchten kurländischen Kammeralhof veranlagen Auftrag; wobei dieselbe aber 7 Rubel jährlich an das würzau'sche Buschwächtergesi'nde Strausneek zu zahlen hat. Unter Anderm ruhen auf dem Letztem nachstehende jüdische Zelebritäten: 1) bttiftw “pfcWtt, Verfasser der in der rabbinischen Welt bekannten msittjm mbara, betitelt b&073tü dipft; lebte zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts und starb im Jahre 1742 (p'bb spn). 2) tpbp D^n i'h bams -nh aus Amsterdam, domizilirend in Hasenpoth in Kurland; Verfasser des Buches N.rsp iwi* auf die Sitö* mss» tvn*\, ebtt* zu Hamburg 1779. 4. (Siehe meine bibliographischen Notizen im Lit. Bl. d. Orients d. I. No. 30.) 3) Ein im vorigen Jahre daselbst tief in der Erde aufgefundener Stein führt die Inschrift zu einer NSLft auf V'öfcpft W rfiw ‘ftSlJ-r und die Jahreszahl rfftn (1735); und da, wie bekannt, man vor hundert Jahren nicht so leicht Einem das Prädikat „'ftS-iN" gab, so muß diese NS2ft gleichfalls einer würdigen Autorität angehören. 4) rp^n “>Sü '% Rabbiner zu Mitau, lebte gleichfalls in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts. 5) Obengedachter p7rss S MNpNS s*h '“i der in Kurland im Jahre (psb y"n) 1730 eingewandert, und die gleichfalls obengedachten, um einige Dezennien spater hier lebenden Gebrüder Borcum. 6) Endlich der vor zwei Dezennien verstorbene Rabbiner zu Mitau b't btfpTm ms 'mft s"sn — Die Gemeinde besitzt ferner einen schönen sogenannten Himmel-Leichenwagen; nur wäre zu wünschen, daß bei Leichenbegängnissen auch mehr Anstand und Ordnung herrsche. In Mitau bestehen ferner nachstehende jüdische Vereine; und da Referent allen derselben als Schriftführer und Vorstandsmitglied eine Reihe von Jahren bis 1840 Vorstand, deshalb auch mit ihren sämmtlichen inneren Einrichtungen genügend vertraut geworden ist: so wird er sie auch hier in ihrem wahren Zustande zu charakte- ^risiren suchen. 1) aiamp st-nn oder svn dftssp nssn DftN bu), d. i. Verein zur Bestattung der Todten *), gegründet seit 1730. Dieser Verein wird dirigirt von 7 Vorstehern (muftN WSU>), nämlich 3 Direktoren (o^asa), 1 Kassaführer (patt), 1 Schriftführer (seid) und 2 Rechnungsaufseher (rnrnsiSN Alle fungiren unentgeldlich und blos par honneur; sie werden alljährlich von den Vereinsmitgliedern durch Ballotement erwählt und die Gouvernementsregierung bestätigt sie; jedoch müssen dieselben geachtete Männer und von einigem Besitze sein. Für die Bestattung der bemittelten Leichen erhebt der Verein jedesmal einen angemessenen Beerdigungsbeitrag und bestreitet dagegen die Beerdigungskosten der armen Leichen. Im Durchschnitte kann man die Einnahme und meist auch eben so viel die Ausgabe auf circa 1000 Silberrubel jährlich rechnen. 2) rnbin mp^s man, der Krankenunterstützungsverein, gegründet im Jahre 1770, wird aus folgender Einnahme unterhalten: *) Die Todten werden hier nicht vor 3mal 24 Stunden, in dringenden Fallen aber nicht vor 2mat 24 Stunden beerdigt. Eine Maßregel, die überall nachgeahmt zu werden verdient.